Bewerbungsfrust? Das rät die Expertin

Schlechte Note, dauernde Absagen: Was hilft, wenn es mit dem Traumjob nicht klappen will

Bewerbungsfrust? Das rät die Expertin

Manchmal ist Bewerbungen schreiben frustrierend. Man weiß nicht, wie man etwas formulieren soll, auf dem Zeugnis stehen nicht ganz so gute Noten – oder man kriegt eine Absage nach der anderen. Melanie Harm, Teammanagerin Recruiting bei embrace, ist Bewerbungsexpertin. Sie hilft gemeinsam mit ihren Kollegen Firmen bei der Personalauswahl – von der Stellenanzeige bis zum Bewerbungsgespräch. Im Interview erklärt sie, was man gegen Bewerbungsfrust tun kann.

Viele haben Angst, dass sie wegen schlechter Zeugnisnoten keinen Ausbildungsplatz bekommen. Sie fragen sich, ob sie sich für bestimmte Stellen überhaupt bewerben sollen. Was raten Sie?

Auf jeden Fall bewerben und selbstbewusst genug sein, zu seinen Noten zu stehen! Man sollte das Zeugnis auf jeden Fall mitschicken, aber in der Bewerbung nicht großartig kommentieren. Bei vielen Firmen sind die Noten nicht mehr das absolute K.-o.-Kriterium, sie achten auch auf andere Dinge. Deshalb ist es super, wenn man noch etwas anderes vorzuweisen hat, zum Beispiel ein Praktikum. Viele Firmen machen auch Einstellungstests, deren Ergebnisse ihnen wichtiger sind als die Zeugnisnoten.

Und wenn man gar keinen Schulabschluss hat?

Das wird echt schwierig. Schlechte Noten können mal passieren, aber wenn man die Schule geschmissen hat, wird es sehr schwer. Die Firmen fragen sich dann, ob jemand genug Selbstdisziplin hat und sich durchbeißen kann, wenn er das in der Schule nicht geschafft hat. Deshalb sollte man, wenn es irgendwie geht, die Schule durchhalten. So hat man später viel mehr Chancen.

Manche Bewerber bekommen immer wieder Absagen. Was kann man da tun?

Auf jeden Fall nicht aufgeben. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Aber wenn ich immer wieder Absagen bekomme, sollte ich mich noch mal mit meiner Bewerbung befassen. Sind vielleicht Rechtschreibfehler drin? Habe ich mich nicht an die übliche Form gehalten? Hilfreich ist auch, noch mal jemanden aus der Familie oder aus dem Bekanntenkreis zu fragen, der sich mit dem Thema auskennt. Auch die Arbeitsagentur bietet Bewerbungskurse an. Und, was ich auf jeden Fall empfehlen würde: Bei den Firmen anrufen und nachfragen, warum es nicht geklappt hat.

Kommt das bei den Firmen nicht komisch an?

Nein, überhaupt nicht. Es ist gut, wenn sich ein Bewerber damit auseinandersetzt, was er besser machen kann. Und dem Bewerber selbst hilft es auch. Wenn die Firma zum Beispiel sagt, dass man beim Vorstellungsgespräch zu schüchtern war, kann man mit dieser Aussage weiterarbeiten. Man kann zum Beispiel vor dem Spiegel oder mit den Eltern üben, sich selbstbewusst zu präsentieren.

Und was, wenn es dann trotzdem mit dem Traumjob nicht klappt?

Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass es viele Jobs gibt, die sehr begehrt sind. Wenn man im ersten Anlauf keinen Ausbildungsplatz bekommt, sollte man nicht monate- oder jahrelang auf seine Chance warten, sondern sich auch nach Alternativen umsehen. Besser ist, sich nicht festzubeißen, sondern zu schauen, welche Wege es sonst noch gibt. Vielleicht gibt es einen anderen Ausbildungsberuf, der auch interessant ist. Oder vielleicht kann man zuerst ein Praktikum bei dem Unternehmen machen und später eine Ausbildung anschließen. Eine weitere Alternative wäre ein Freiwilligendienst, in dem man auch schon mal in den Joballtag hineinschnuppert. Wer zwei Jahre gar nichts macht, weil er auf die perfekte Ausbildungsstelle wartet, hat es anschließend schwer.

Und was sollte man in seinen Lebenslauf schreiben, wenn man länger nach einem Ausbildungsplatz gesucht hat?

Auf jeden Fall sollte man keine Lücke im Lebenslauf lassen. Das fällt direkt auf und führt zu Nachfragen im Vorstellungsgespräch. Wenn man sich längere Zeit beworben hat, kann man das „Bewerbungsphase“ nennen. Vielleicht hat man in dieser Zeit aber auch noch etwas anderes gemacht, ein Praktikum oder einen Nebenjob. So zeigt man, dass man sich bemüht hat, dass man selbst aktiv ist und nicht darauf wartet, dass man alles präsentiert kriegt.

Wie geht es weiter?

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