„Den Beruf finden, den man mit Leidenschaft ausübt“

Panagiota Petridou spricht im Interview über ihre Jobs als Moderatorin und Autoverkäuferin

„Den Beruf finden, den man mit Leidenschaft ausübt“

Panagiota Petridou (35) wurde durch die VOX-Doku-Soap „Biete Rostlaube suche Traumauto“ bekannt, in der sie Menschen dabei hilft, möglichst günstig ein neues Auto zu finden. Vor ihrer Fernsehkarriere hat sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht und war mehrfach die erfolgreichste Frau im Ranking der besten MINI-Neuwagen-Verkäufer Deutschlands. Auf der Einstieg-Messe in Dortmund hat sie uns das Geheimnis ihres Erfolgs verraten und erzählt, warum sie sich manchmal ärgert, wenn schon wieder Wochenende ist.

Wieso haben Sie sich nach dem Abitur für eine Ausbildung entschieden?

Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden und Theaterwissenschaften studieren oder auf eine Schauspielschule gehen. Aber als ich Abi gemacht habe, ist mein Papa gestorben und ich wusste auf einmal nicht mehr so richtig, wie es weitergehen soll. Zuhause haben alle gesagt: „Am besten machst du eine Ausbildung, damit du schnell Geld verdienst." Außerdem meinte mein Bruder damals: „Das Talent zum Handeln und Verkaufen liegt bei uns in der Familie, es wäre doch schade, wenn du nichts daraus machst." Viele meiner Familienmitglieder sind Verkäufer geworden. Auch mein Bruder, den ich dann einfach mal zur Arbeit begleitet habe, um einen Eindruck davon zu bekommen. Dort habe ich gemerkt, dass es wirklich stimmt: Quatschen, verhandeln und mit Menschen umgehen kann ich! Und deshalb habe ich schließlich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht. Das war wirklich die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Verkaufen ist einfach mein Mega-Talent und bis heute bin ich immer wahnsinnig erfolgreich darin gewesen.

Stimmt, Sie sind auch mehrfach die erfolgreichste MINI-Verkäuferin Deutschlands geworden. Was ist Ihr Geheimtipp?

Es fragen mich tatsächlich sehr viele, ob es ein Geheimrezept gibt. Ich glaube, wie gesagt, dass ich einfach ein Talent dafür habe. Außerdem liebe ich Menschen, ich bin sehr belastbar, fleißig und ehrgeizig. Und ich besitze sehr viel Empathie, was der Schlüssel zu allem ist, denke ich. Ich habe "Bock auf Menschen". Wenn man das hat und wenn man sich nicht nur auf das Geld verdienen beschränkt, ist man schon mal auf dem richtigen Weg. Wer sich immer nur sagt: „Ich muss arbeiten, weil ich Geld verdienen muss", hat die falsche Einstellung zum Beruf und wird ihn nicht mit Leidenschaft ausüben. Ich habe einen Beruf gewählt, der mich erfüllt und zufrieden und glücklich macht.

Woran haben Sie das gemerkt?

Ich lag sonntags sogar oft im Bett und habe gedacht: „Oh geil, morgen wieder Autos verkaufen!" Andere sehnen sich auch immer nach einem Freitag, mir ist der Freitag nie aufgefallen. Ich hab nur gedacht „Oh Mist, schon wieder Wochenende". Und das heißt, dass mein Beruf nicht Mittel zum Zweck war, sondern meine Berufung.

Was gefiel Ihnen gut an der Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau?

Grundsätzlich ist es eine sehr umfangreiche Ausbildung, man kann danach wahnsinnig viel machen. Wenn man zum Beispiel Industriekauffrau oder Speditionskauffrau lernt, landet man danach in einem gewissen Berufszweig, aber bei einer Ausbildung im Groß- und Außenhandel ist das etwas anders. Das sieht man schon daran, dass alle meine Freunde aus der Berufsschule etwas anderes geworden sind.

Was zum Beispiel?

Eine Freundin ist zum Beispiel in der Buchhaltung gelandet, ich bin Verkäuferin geworden und wieder eine andere hat danach noch mal studiert. Es ist also eine Ausbildung, die sehr vieles offen lässt, man kann sowohl in den Vertrieb als auch ins Lager, man kann etwas Praktisches machen oder etwas mit Zahlen, man kann in den Handel... Ich finde, es ist eine sehr, sehr gute Ausbildung, weil einem danach noch viele Wege offen stehen.

Heute sind Sie nicht nur Autoverkäuferin, sondern auch Moderatorin einer Fernsehsendung. Wie kam es dazu?

Ich habe einmal jemandem ein Auto verkauft, dem ich anscheinend in Erinnerung geblieben bin. Denn anderthalb Jahre später hat er sich bei mir gemeldet und gesagt, dass er für eine neue TV-Sendung eine toughe Frau sucht, die sich mit dem Verkauf von Autos auskennt. Er hat mich dann gefragt, ob ich nicht Interesse hätte. Heute arbeite ich nicht nur fürs Fernsehen, sondern auch immer noch regelmäßig im Autohaus.

Wie sieht denn Ihr Alltag heute aus, zum Beispiel Ihre letzte Woche?

Montag und Dienstag habe ich gedreht und Mittwoch bin ich nach Berlin zu einer Veranstaltung geflogen. Am Donnerstag kam ich zurück, habe weitergedreht und bin heute hier auf der Messe, um im Promitalk von meinem Job zu erzählen. Gleich fahre ich ins Autohaus noch ein Auto verkaufen und morgen um zehn habe ich wieder eine Probefahrt und versuche, wieder ein Auto zu verkaufen.

Was würden Sie jemandem raten, dessen absoluter Traumjob Moderator ist?

Ich würde ihm raten, wirklich zu hinterfragen, ob es sein Traumjob ist. Man muss sich immer überlegen, warum man etwas machen möchte und sich vor allem sehr gut darüber informieren, was der Beruf genau für einen bedeutet. Jeder, der Moderator werden möchte, sollte sich auch fragen, ob er ein Leben in der Öffentlichkeit führen möchte.

Warum?

Es gibt viele Schattenseiten, die mit dem Ruhm einhergehen: Man hat keine Privatsphäre mehr, wird überall erkannt, nicht in Ruhe gelassen und alle Leute wollen irgendetwas von einem wissen. Man muss immer aufpassen, was man tut und sagt. Du darfst du dich nicht danebenbenehmen und kannst viele Sachen nicht machen. Aber ich glaube, wenn du diesen Berufswunsch im Herzen hast und du das wirklich machen möchtest, gibt es auch Wege. Man kann Moderation natürlich lernen und zum Beispiel eine Ausbildung machen oder etwas im Medienbereich studieren. Ich glaube allerdings, dass nicht man unbedingt ein Studium dafür braucht. Danach heißt es dann wirklich: bewerben, bewerben, bewerben. Und anders als der Durchschnitt sein.

Man wird also in der Regel nicht einfach „entdeckt", so wie Sie?

Nein, nicht unbedingt. Ich kenne viele, die das werden wollen oder geworden sind. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die Sport studiert hat und jetzt Sportmoderatorin ist. Die habe ich auch mal gefragt „Wie bist du dahin gekommen?" und sie hat gesagt: „Ich wollte es einfach, ich habe mich beworben, beworben, beworben und bin von einem Casting zum nächsten gefahren." Selbst Moderatorenkolleginnen von mir haben jede Woche Castings, sie müssen sich immer wieder neu bewerben. Man muss schon davon ausgehen, dass es zeitweise eine brotlose Kunst ist. Manchmal hat man zwei oder drei Monate lang gar nichts und manchmal hat man super Jobs. Wenn man also sehr auf Sicherheit und Beständigkeit bedacht ist, sollte man lieber einen anderen Beruf wählen.

Sie waren ja selbst unsicher, was Sie nach der Schule machen sollen. Welchen Tipp würden Sie jemandem geben, dem es ähnlich geht?

Ich habe wirklich einen Tipp! Man sollte viel mit Erwachsenen sprechen und selber in sich reinhorchen: Was kann ich überhaupt? Worauf habe ich Lust? Was sind meine Ziele? Kann ich supergut zeichnen, kann ich gut mit Menschen umgehen, ist ein Pflegeberuf etwas für mich oder will ich später mal ins Management und richtig Kohle scheffeln?

Wie könnte das konkret aussehen?

Man könnte zu Beispiel eine Liste führen und notieren, was man sich wünscht, welche Träume man hat, wo Leute gesucht werden, welche Berufe zu all dem passen und so weiter. Dann kann man das alles schon ein bisschen einschränken und weiß am Ende: „Ok, ich geh in Richtung Medien, ich geh in Richtung Pflege, ich geh in Richtung Gesundheit…“ Es ist wichtig, einen Beruf zu finden, der einem liegt und Freunde bereitet und um das herauszufinden, sollte man auch einfach mal Dinge ausprobieren. Auf diese Wiese habe ich mein besonderes Verkaufstalent schließlich auch entdeckt.

Alles zu den genannten Ausbildungen und Studiengängen:

Weitere Interviews mit Stars? Wir haben auch mit Comedian Osman Citir geredet. 

Web-Adresse: https://blicksta.de/den-beruf-finden-den-man-mit-leidenschaft-ausuebt.html
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