"Die Gemeinschaft im Team übertrifft jede Vorstellung"

Bianca Woessner (24) hat sechs Monate auf einer Farm in Südafrika gearbeitet

"Die Gemeinschaft im Team übertrifft jede Vorstellung"

Bianca Woessner (24) hat eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester abgeschlossen und arbeitete danach für sechs Monate in Südafrika auf einer Farm. Sie engagierte sich in einem Freiwilligendienst für die Organisation „Jugend für Christus“ und hat uns während ihres Aufenthaltes von ihren Erfahrungen erzählt. "Jugend für Christus" ist eine evangelikale Organisation, die sich in vielen humanitären Projekten weltweit einsetzt.

Warum machst du ein Gap-Year?

Seit ich das erste Mal in Afrika war, zieht es mich immer wieder dahin zurück. Deshalb wollte ich den Zeitpunkt nach meiner Ausbildung unbedingt nutzen, um länger ins Ausland zu gehen. Es liegt mir sehr am Herzen, den Kindern und ihren Eltern zu vermitteln, dass es einen Gott gibt, der sie liebt. Deshalb macht die Arbeit umso mehr Spaß. Es ist schön zu sehen, wie man mit Kleinigkeiten so viel bewirken kann.

Gab es weitere Gründe, die dich motiviert haben?

Was mich zusätzlich motiviert hat, war die Gelegenheit, sechs Monate Zeit zu haben, um mich neu kennen zu lernen, weiterzuentwickeln und vielleicht meinen Weg zu verändern. Sollte ich irgendwann für längere Zeit im Ausland leben, ist die Zeit jetzt eine gute Vorbereitung dafür. Wenn nicht, war es auf jeden Fall eine schöne und sinnvolle Auszeit vor dem Berufs- und Familienleben in Deutschland.

Warum hast du dich gerade für die Organisation „Jugend für Christus“ entschieden?

Mir war es wichtig, meinen Einsatz bei einer christlichen Organisation zu machen und ein Programm in Süd- oder Ostafrika zu finden. Außerdem wollte ich gerne mit Kindern arbeiten, auch mal außerhalb des Krankenhausbereichs. Bei „Jugend für Christus“ habe ich mich sofort wohlgefühlt und es hat fast alles gepasst. Die Projekte und der Aufbau der Organisation haben mich sehr angesprochen und so habe ich mich hierfür entschieden.

Wie hast du die Stelle gefunden?

Ich habe sie im Internet gefunden, eine Freundin hat sie mir empfohlen.

Was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite auf einer Farm und habe dort viele verschiedene Aufgaben. Generell kann man sagen, dass ich die Farmkinder, die bei uns leben, unterrichte, ihnen Werte vermittele und sie zu einem gesunden Selbstbewusstsein erziehe. So arbeite ich zum Beispiel in zwei nahegelegenen Schulen, fördere die Schüler dort individuell und bereite Andachten bei Schulversammlungen vor. Auch im Kindergarten helfe ich mit und gestalte dort das Programm. Außerdem leite ich zwei Jungscharen, gebe Essen in einer Suppenküche aus und kümmere mich um die Freizeitgestaltung für die Kinder. Einmal in der Woche helfe ich einen ganzen Tag lang bei Farmarbeiten. Auch Babysitting gehörte schon zu meinen Aufgaben.

Wovon lebst du? Wie finanzierst du den Aufenthalt?

Die Programme werden durch Spenden unterstützt. Ich hatte aber auch eigene Rücklagen durch Nebenjobs im vergangenen Jahr, denn jeder Teilnehmer übernimmt den Großteil seiner Kosten für Unterkunft und Verpflegung selber.

Was war bis jetzt das schönste Erlebnis?

Es ist toll zu erleben, wie die Beziehung zu den Kindern nach und nach wächst. Und auch das Zusammenleben im Team und das Familienleben genieße ich sehr. Wir wohnten am Anfang zu elft auf engem Raum, jetzt sind wir noch acht. Das ist kein Nachteil, wir verstehen uns alle super und man lernt, alles miteinander zu teilen.

Gab es etwas, an das du dich erst gewöhnen musstest?

Am Anfang hatten wir tagelang kein Wasser, weil die Pumpe kaputt war. Außerdem wird hier nur Regenwassser getrunken, das war schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Welche Erwartungen hattest du vorher? Sind sie bis jetzt erfüllt worden?

Ich hatte mir einfach eine tolle Zeit in Afrika vorgestellt, in der ich helfen kann und den Alltag im Ausland kennen lerne. Dass ich persönlich so viel davon profitiere und mich so sehr entwickeln kann, hätte ich nicht gedacht. Allein die Gemeinschaft in unserem Team übertrifft jede Vorstellung! Ich hatte nicht erwartet, dass die Zeit auf diese Weise so intensiv sein wird.

Würdest du im Nachhinein irgendetwas anders machen?

Ich bin froh, so genau recherchiert zu haben, bei welcher Organisation ich mich engagieren möchte. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich habe gelernt, die Entscheidung nicht von äußeren Einflüssen wie Geld abhängig zu machen. All die anfänglichen Sorgen wegen der Finanzierung haben sich geklärt und ich bin sehr dankbar, mich so entschieden zu haben!

Hast du einen Tipp für alle, die ein Gap-Year planen?

Man sollte sich auf jeden Fall Gedanken darüber machen, in welchem Bereich man sich engagieren möchte, was die Motivation für ein Gap-Year ist und ob man es alleine oder im Team absolvieren will. Das macht die Suche nach einer passenden Organisation leichter. Und dann ist es natürlich wichtig, offen zu sein und sich voll und ganz auf das einzulassen, was einen erwartet.

Wie geht es danach für dich weiter? Haben deine Erfahrungen aus dieser Zeit einen Einfluss auf deine Zukunft?

Ab September werde ich auf einer Frühchen-Intensivstation als Kinderkrankenschwester arbeiten. Ich hoffe sehr, dass die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, mein Denken und Handeln weiterhin beeinflussen. Die Entscheidung, eventuell später für längere Zeit im Ausland zu leben, hat sich auf jeden Fall gefestigt.

Wie geht es weiter?

Web-Adresse: https://blicksta.de/die-gemeinschaft-im-team-uebertrifft-jede-vorstellung.html
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