Du willst als Erster in deiner Familie studieren?

Ob Finanzierung, Organisation oder Vorurteile von Verwandten: Diese Infos helfen dir weiter

Du willst als Erster in deiner Familie studieren?

Du bist der Erste, der aus deiner Familie ein Studium antritt? In deiner Familie gibt es niemanden, der seine Erfahrungen an der Hochschule an dich weitergeben könnte? So geht es vielen Jugendlichen, die aus sogenannten Arbeiterfamilien kommen. Wir klären, warum der Weg an die Hochschule für viele Kinder von Arbeiterfamilien oft nicht leicht ist und was man als Arbeiterkind dagegen tun kann.

Habe ich als studierendes Arbeiterkind Nachteile?

In deiner Familie hat vor dir noch niemand ein Studium angetreten? Vielleicht raten dir deine Eltern sogar dazu, lieber eine Berufsausbildung zu machen, obwohl du dein Abitur machst und eigentlich gerne studieren würdest? Mit diesem Problem stehst du nicht alleine da. Viele Studenten, die als Erste in ihrer Familie Erfahrungen mit der Hochschule machen, haben mit mancher Verunsicherung zu kämpfen. Und viele Schüler, deren Eltern Arbeiter sind, trauen sich das Studium erst gar nicht zu, obwohl sie gute Noten und (Fach-)Abitur haben. Warum ist das so?

Wie der Vater, so der Sohn

Als Akademiker werden Personen bezeichnet, die einen Abschluss an einer Hochschule gemacht haben, also beispielsweise Ärzte, Anwälte, Biologen, Designer oder Lehrer. Personen, die nicht an einer Hochschule studiert haben, nennt man hingegen Nicht-Akademiker oder früher oft auch „Arbeiter“. Dazu zählen zum Beispiel Friseure, Maurer oder Mechatroniker und viele andere Berufe.

Eine Studie des Deutschen Studentenwerks (DSW) zeigt: Die Kinder von Ärzten, Anwälten oder Lehrern sind sehr oft ebenfalls Hochschulstudenten. Im Jahr 2013 haben 77 von 100 Akademikerkindern ein Studium an einer Hochschule begonnen. Anders sieht es bei den Jugendlichen aus, die keine Eltern mit universitärem Hintergrund haben. Von 100 Arbeiterkindern schafften es lediglich 23 an die Hochschule. Die Kinder von Verkäufern, Friseuren oder Handwerkern entscheiden sich also sehr viel häufiger gegen ein Studium. Und das, obwohl deutlich mehr Arbeiterkinder (Fach-)Abitur gemacht haben und deshalb eigentlich studieren könnten.

Warum entscheiden sich Arbeiterkinder häufiger gegen ein Studium?

Die Gründerin der Initiative ArbeiterKind.de, Katja Urbatsch, sagt dazu auf sueddeutsche.de: „Eltern spielen eine ganz große Rolle - und die denken natürlich auch aus ihrem eigenen Erfahrungshorizont heraus. Eltern, die selbst Abitur gemacht und studiert haben, wissen, wie das vor sich geht und dass es möglich ist. Eltern ohne diese Erfahrung haben hingegen gar keine Vorstellung vom Studieren und sind daher oft in vielem unsicher. Das überträgt sich auf ihre Kinder.“

Wenn sie die Hochschulreife erreichen, müssen die Arbeiterkinder also völlig selbstständig zu der Überzeugung gelangen, ein Studium beginnen und durchziehen zu wollen. Manchmal sogar entgegen den Vorstellungen der eigenen Familie. Oft haben sie niemanden, der ihnen das Studentenleben vorleben oder die Vorteile eines Studiums näherbringen kann. Vielleicht kennst du diese Situation und bist deshalb etwas verunsichert. Zumal es die eigenen Eltern und Freunde ja oft auch gut meinen.

Welche Rolle spielt das Geld?

Vielleicht bist du dir aber auch absolut sicher, dass du studieren möchtest, aber stehst schon vor dem nächsten Problem: „Kann ich mir ein Studium leisten, wenn mich meine Eltern finanziell nicht unterstützen können?“, „Wie funktioniert das mit BaföG oder muss ich einen Studienkredit aufnehmen?“. Oft liegt die Verunsicherung einfach an einem Mangel an Informationen. Da kann es helfen, wenn du dir einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung verschaffst. BaföG hört sich gleich viel harmloser an, wenn man weiß, dass man nur die Hälfte der erhaltenen Unterstützung zurückzahlen muss. Und es gibt noch mehr Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu bekommen. So gibt es beispielsweise viele Stiftungen, die Stipendien für Studenten anbieten – nicht nur für Abiturienten mit Einserschnitt, sondern auch für Schüler, die sich ehrenamtlich engagieren.

Wo bekomme ich Hilfe?

Die gute Nachricht ist: Mit all diesen Sorgen und Herausforderungen bist du nicht alleine! An deiner Hochschule gibt es sicherlich noch viele andere Studenten mit einem ähnlichen Hintergrund. An vielen Hochschulen gibt es deshalb schon Initiativen und Vereine, die sich mit diesem Problem auseinandersetzen. Das bekannteste Beispiel ist das Projekt ArbeiterKind.de. Auf der Website der Initiative kannst du unter anderem nachsehen, ob es eine Ortsgruppe an deinem Standort gibt und wie du Kontakt aufnehmen kannst. Immer öfter werden auch entsprechende Informationsveranstaltungen direkt an Schulen angeboten. Oder du liest einfach auf blicksta weiter. Denn wir haben mit einer Mentorin von ArbeiterKind gesprochen. Sie berichtet uns von der Initiative ArbeiterKind und von den Erfahrungen, die Arbeiterkinder an den Hochschulen und zu Hause machen.

Wie geht es weiter?

Web-Adresse: https://blicksta.de/du-willst-als-erster-in-deiner-familie-studieren.html
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