Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe - Teil 1

Julia hat ein FSJ in einem Heim für Menschen mit geistiger und köperlicher/mehrfacher Behinderung gemacht

Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe - Teil 1
Nach dem Abi war sich Julia, 24, nicht sicher, was sie beruflich machen möchte. Deshalb hat sie erst mal eine Pause eingelegt und ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe in Hamburg gemacht. Im ersten Teil des Interviews erzählt sie von ihren typischen Aufgaben.

Warum hast du ein Gap Year gemacht?

In der 11. Klasse habe ich schon ein Halbjahr in den USA verbracht. Direkt danach war mir klar, dass ich nach der Schule nicht sofort studieren möchte. Für mich ist eine Pause zwischen Theoriephasen immer ganz gut Außerdem wusste ich nie genau, ob ich lieber in einem sozialen Bereich oder in der Wirtschaft arbeiten möchte – zwei völlig verschiedene Welten ... Ein FSJ im Heim für Menschen mit Behinderung war für mich die Gelegenheit, in eine dieser Welten reinzuschnuppern.

Warum hast du dich für dieses Programm und dieses Heim entschieden?

Da meine Mutter Leiterin eines Heims für Menschen mit Behinderung ist, hatte ich schon vorher eine Menge Berührungspunkte mit dem Thema. Sie hat mich bei der Auswahl der Programme unterstützt und mir erklärt, was mich jeweils erwartet. Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD) waren für mich super interessant, weil sie auch internationale Programme anbieten. Letztendlich bin ich in Hamburg gelandet – aber die Möglichkeit ins Ausland zu gehen, wäre da gewesen.

Wie hast du die Stelle gefunden?

Zuerst hatte ich ein Beratungsgespräch bei den IJGD. Anschließend wurde ich an verschiedene Einrichtungen weiter vermittelt und habe mich beworben. Nach dem Bewerbungsgespräch bei der Lebenshilfe in Hamburg war für beide Seiten sofort klar, dass es super passt. Im Grunde habe ich ganz einfach nach meinem Bauchgefühl entschieden und würde es immer wieder so machen.

Wie sah ein typischer Tag aus?

Mein Alltag war sehr abwechslungsreich, es gab drei verschiedene Aufgabenbereiche: Hausarbeit, Betreuung und Pflege. Die Frühschicht ging von 6 bis 14 Uhr und die Spätschicht von 14 Uhr bis 20 Uhr.

In der Frühschicht haben wir die Bewohner um 6 Uhr geweckt und für den Tag fertig gemacht. Die meisten Bewohner arbeiten trotz ihrer Behinderung, um 8 Uhr waren sie aus dem Haus. In der Zeit haben wir ganz viel im Haushalt erledigt, zum Beispiel Wäsche gewaschen oder eingekauft. Ab und zu habe ich den Heimleiter auch bei der Monatsplanung (Kosten und Arbeitseinteilung) unterstützt. Am meisten Spaß haben die Ausflüge gemacht, die wir manchmal mit ein bis zwei Bewohnern unternommen haben, wenn sie frei hatten. Dann sind wir zum Beispiel mit ihnen shoppen gegangen oder haben den Tierpark besucht.

Ab 14 Uhr sind die Bewohner zurückgekommen, dann fing die Spätschicht an. Sobald alle da waren, haben wir Kaffee getrunken. Danach hatten die Bewohner erst einmal Zeit für sich. Manche mussten anschließend zur Physiotherapie, bekamen Besuch von ihren Eltern oder sollten sich regelmäßig bewegen, zum Beispiel spazieren gehen. Falls nötig, haben wir sie dabei unterstützt. Um 19 Uhr haben wir dann zu Abend gegessen und angefangen, die Bewohner bettfertig zu machen. Da ich eine FSJlerin war, bin ich selten länger als bis 20 Uhr geblieben.

Einmal im Monat hatte ich zusätzlich eine lange Schicht am Wochenende, meistens samstags.

Was hat dir am meisten Spaß gemacht?

Etwas mit den Bewohnern zu unternehmen.

Web-Adresse: https://blicksta.de/ein-freiwilliges-soziales-jahr-bei-der-lebenshilfe-teil-1.html
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