Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe - Teil 2

Julia hat nach dem Abi ein FSJ in einem Heim für Menschen mit geistiger und körperlicher/mehrfacher Behinderung gemacht

Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe - Teil 2
Nach dem Abi hat Julia, 24, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe in Hamburg gemacht. In Teil 2 ihres Berichts erzählt sie, warum das genau die richtige Entscheidung war. Falls du Teil 1 verpasst hast: Hier lang

Wovon hast du in der Zeit deines FSJ gelebt?

Die IJGD sorgen dafür, dass alle FSJler in Deutschland Taschengeld bekommen, egal bei welcher Einrichtung sie arbeiten. Ich bekam 575 Euro, damit kommt man super über den Monat. Bei den Mietkosten haben mich allerdings meine Eltern unterstützt, da sie in Hamburg relativ hoch sind.

Was war das schönste Erlebnis in dieser Zeit?

Mein schönstes Erlebnis kann ich nicht an Momente knüpfen. Zwischen einer Heimbewohnerin und mir hat sich eine Freundschaft entwickelt, dadurch gab es immer wieder Momente, die unglaublich schön waren. Man kann niemanden dazu zwingen, einen zu mögen. Deshalb war es etwas ganz Besonderes, dass ich mich mit allen Bewohnern und Mitarbeitern sehr gut verstanden habe.

Gab es etwas, an das du dich erst gewöhnen musstest?

Die Pflege der Bewohner ist gewöhnungsbedürftig. Je nach Behinderungsgrad kann es vorkommen, dass man jemandem beim Toilettengang oder beim Duschen beziehungsweise Baden helfen muss. Das sollte man am besten vorher klären, zum Beispiel während des Bewerbungsgesprächs. Ich bin damit ziemlich schnell klar gekommen, aber falls nicht, hätte ich gelernt, da meine persönliche Grenze zu ziehen.

Würdest du dich wieder für ein FSJ entscheiden?

Mit dem FSJ wollte ich herausfinden, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Ich wollte den ersten Schritt ins Berufsleben wagen und auch einen ersten Schritt weg von zu Hause machen. Dieses Jahr hat mir sehr deutlich gezeigt, dass ich nicht mein Leben lang im sozialen Bereich arbeiten könnte, weil mir alles sehr nahe ging. Es hat mir Klarheit verschafft, deshalb würde ich es jedes Mal wieder so machen.

Ganz selten kommt es mal vor, dass jemand das FSL als verschwendete Zeit bezeichnet, aber das sehe ich völlig anders. Viele Schüler, die direkt anfangen zu studieren, wissen ja noch gar nicht genau, was sie wollen und wechseln ihren Studiengang oft nach ein oder zwei Semestern. Ich weiß jetzt hingegen, wohin die Reise gehen soll.

Wurdest du in Bewerbungsgesprächen auf das FSJ angesprochen?

Ja, in vielen Bewerbungsgesprächen für Praktika war das FSJ ein Thema. Ich wurde zum Beispiel gefragt, warum ich es ausgerechnet im sozialen Bereich gemacht habe. Dazu kann ich nur sagen, dass es einen persönlich so viel stärker macht und weiterbringt und dass es letzten Endes egal ist, welche Spezialisierung man gewählt hat. Was wirklich zählt, sind die persönlichen Erfahrungen, die man macht.

Wie ging es nach dem FSJ für dich weiter?

Während meines FJSs habe ich mich schon nach Unis umgeguckt und mich dann für den Studiengang „International Business and Management Studies“ an der Saxion in Enschede (Holland) eingeschrieben. Inzwischen habe ich meinen Bachelor-Abschluss und mache jetzt erst einmal ein Praktikum in der Medienfabrik Gütersloh, um mich zu entscheiden, ob ich einen Direkteinstieg in die Berufswelt wähle oder doch noch den Master anschließe.

Und jetzt?

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