„Einem Kind zu helfen macht einen selbst glücklich“

Esther Kley (21) hat sich in verschiedenen Hilfsprojekten in Südafrika engagiert und berichtet von ihren Erfahrungen

„Einem Kind zu helfen macht einen selbst glücklich“

Esther Kley (21) hat ein halbes Jahr nach ihrem Abitur ein Praktikum bei der Organisation „Jugend für Christus“ gemacht. Das ist eine evangelikale Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Menschen weltweit dazu anzuregen, sich mit sich selbst und ihrem Glauben auseinanderzusetzen. In dem Zusammenhang engagieren sich ehrenamtliche Helfer in verschiedenen internationalen Projekten in der Kinder- und Jugendarbeit. Esther war für drei Monate in Kapstadt (Südafrika) und hat uns von ihren Erfahrungen berichtet.

Warum wolltest du ins Ausland?

Ich wollte schon immer nach der Schule ins Ausland, um meinen Horizont zu erweitern und mich weiterzuentwickeln, auch was den Glauben betrifft. Außerdem wollte ich eine neue Kultur kennenlernen und vor allem Menschen helfen, die unter ärmlichen Umständen leben.

Warum hast du dich gerade für Südafrika und die Organisation Jugend für Christus entschieden?

Südafrika hat mich schon immer interessiert und da meine Schwester mit der gleichen Organisation in Südafrika war und nur Positives erzählen konnte, habe ich mich auch dafür entschieden.

Was hast du im Praktikum genau gemacht? Gab es einen typischen Tagesablauf?

Es gab viele verschiedene Projekte, bei denen ich mitgeholfen habe. Einen typischen Tagesablauf gab es jedoch nicht, da in Afrika vieles spontan geschieht.

Kannst du ein Beispiel für ein Projekt nennen?

Ein Hilfsprojekt nennt sich zum Beispiel „Basic Needs“. Hier sind wir auf eine Farm gefahren, wo circa 60 Menschen leben und arbeiten. Wie der Name schon sagt, sind die Menschen sehr arm, es fehlt hier sogar an der absoluten Grundversorgung. Unsere Aufgabe war es, den kleinen Kindern, die dort leben, grundlegende Hygienemaßnahmen nahezubringen und vorzuleben. Wir haben ihnen zum Beispiel beigebracht, sich regelmäßig die Hände oder das Gesicht zu waschen oder die Zähne zu putzen und die Nase zu putzen. Natürlich war auch Zeit, um einfach mit den Kindern zu spielen und ihnen die Liebe zu geben, die die meisten von ihnen aus dem Elternhaus nicht kennen. Außerdem habe ich in einer Adoptionsstation von kleinen Babys geholfen, die „Ubuntu“ heißt.

Was waren dort deine Aufgaben?

Ich habe zum Beispiel Windeln gewechselt, Fläschchen gegeben und beim Umziehen geholfen. Natürlich war auch dort immer genügend Zeit, um die Kleinen einfach auf dem Arm zu halten.

In welcher Form hast du dich noch engagiert?

„Jugend für Christus“ ist auch in Schulen aktiv. So haben wir zum Beispiel in einer 6. Klasse Musik und Sport unterrichtet, im Lehrerzimmer bei anstehenden Aufgaben geholfen und in den Pausen mit den Kindern gespielt. Des Weiteren habe ich, zusammen mit einigen anderen Mädchen, zweimal in der Woche die sogenannten „Kangaroomoms“ in den Krankenhäusern besucht. Das sind Frauen, die Frühchen geboren haben und diese immer direkt auf der Brust tragen müssen, in ein Tuch gewickelt, weil sie ohne die Wärme nicht überleben würden. Kängurus tragen ihre Babys ja auch immer in dem Beutel direkt an ihrer Haut, daher kommt der Name. Bis die Babys ein Mindestgewicht von 1800 Gramm haben, bleiben die Frauen im Krankenhaus. Mit ihnen haben wir meistens gebastelt, gespielt oder gesungen, um einfach etwas Abwechslung in den Krankenhausalltag zu bringen.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Direkt nach dem Abitur habe ich erst einige Zeit gearbeitet, um den Flug und die monatlichen Kosten bewältigen zu können. Das Praktikum lief auf Spendenbasis und ich hatte auch Unterstützer, die mir bei der Finanzierung geholfen haben.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Südafrika im Vergleich zu Deutschland?

Wenn man die geringen Löhne mit den alltäglichen Kosten der Südafrikaner vergleicht, ist vom Verhältnis her kein großer Unterschied zu Deutschland zu erkennen. Bei uns in Deutschland erhält man zwar ein höheres Einkommen als in Südafrika, aber dafür haben wir auch höhere Lebenshaltungskosten. Es gibt einiges, was billiger ist als in Deutschland, aber auch manches, das teurer ist.

Wie hast du den Aufenthalt organisiert? Was musstest du dabei alles bedenken?

Da ich „nur“ 3 Monate in Südafrika war, brauchte ich kein Visum. Das hat mir einiges an Organisation erspart. Man sollte den Flug aber rechtzeitig buchen, da er je nach Saison sehr teuer sein kann. Vor dem Aufenthalt habe ich ein Vorbereitungsseminar der Organisation besucht, wo viele Fragen bezüglich unterschiedlicher Kulturen, Menschen, Glaubensrichtungen, Ernährungsgewohnheiten und so weiter geklärt wurden.

Welche Sprache wird dort gesprochen? Hattest du Probleme mit der Verständigung?

Es gibt viele afrikanische Sprachen, aber es wird hauptsächlich Englisch gesprochen. In den Projekten lernt man auch etwas Afrikaans. Zu Beginn fiel es mir schwer, nur Englisch zu sprechen und ich war sehr froh, dass wir auch noch weitere deutsche Volontäre hatten. Aber das hat sich mit der Zeit gelegt und von dieser Erfahrung profitiere ich noch jetzt.

Was war die größte Umstellung beziehungsweise der größte Unterschied zu Deutschland?

Der größte Unterschied ist die Lockerheit, Spontanität, Offenheit und das Zeitverständnis der Südafrikaner. Wenn ein Südafrikaner sagt, er kommt um 12 Uhr, kann es gut sein, dass er ohne schlechtes Gewissen erst um 13 Uhr auftaucht.

Was sollte man in Südafrika unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Den Tafelberg muss man gesehen haben, denn die Aussicht ist wunderschön. Weitere wichtige Sehenswürdigkeiten sind: Kap der guten Hoffnung, Cape Point, Greenmarket Square, Bo-Kaap, Simonstown (hier gibt es Pinguine) und Kirstenbosch. Es gibt unglaublich viel zu sehen! Entlang des Indischen Ozeans bis an die Halbwüste befindet sich die Gardenroute. Dort gibt es zahlreiche Natur- und Tierparks, wo man Löwen, Giraffen und vieles mehr sehen kann.

Wurden deine Erwartungen erfüllt? Was war das absolute Highlight?

Meine Erwartungen wurden vollkommen übertroffen! Es gab so viele Highlights, die diese Zeit unvergesslich gemacht und die mich sehr geprägt haben. Eines der Highlights sind die Kinder. Einem Kind zu helfen, das in löchriger und schmutziger Kleidung vor dir steht, deinen Namen ruft (nachdem man 100 Mal versucht hat, ihnen den beizubringen), einfach nur lächelt und in den Arm genommen werden will - das macht einen selbst unwahrscheinlich glücklich!

Gibt es ein Erlebnis, das nicht so schön war?

Ein weniger schönes Erlebnis war, dass mir meine Tasche mit sehr vielen Wertsachen geklaut wurde. Wenn man aber immer ein Auge auf seine Wertsachen hat, sie bei sich trägt und vorsichtig ist, passiert kaum etwas.

Würdest du im Nachhinein irgendetwas anders machen?

Inhaltlich würde ich an meinem Einsatz nichts verändern wollen. Hätte ich die Chance, nochmal ins Ausland zu gehen, würde ich jedoch gerne länger bleiben.

Hast du einen Tipp für alle, die ein Gap-Year planen?

Ein Gap-Year ist für jeden empfehlenswert. Es ist sehr wichtig, mit ganzem Herzen dabei zu sein, es zu genießen, sich auf die Menschen dort einzulassen und bloß keine Scheu zu haben, was die Sprache angeht. Auch die Afrikaner sprechen kein perfektes Schulenglisch.

Hatten deine Erfahrungen aus dem Praktikum einen Einfluss auf deine Zukunftspläne?

Das Praktikum hatte einen großen Einfluss auf meine berufliche Zukunft. Es hat mich noch mehr bestärkt, in den sozialen Bereich zu gehen. Ich werde nun eine Ausbildung als Jugend- und Heimerzieherin beginnen.

Und jetzt?

Web-Adresse: https://blicksta.de/einem-kind-zu-helfen-macht-einen-selbst-gluecklich.html
© blicksta 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Medienfabrik Gütersloh GmbH