Erst Abi, dann Gap Year in Ostafrika - Teil 1

Im Mai hat Marike (20) in Deutschland ihr Abi gemacht, heute betreut sie Kinder in einem Heim in Kenia (Afrika)

Erst Abi, dann Gap Year in Ostafrika - Teil 1
Ende August ist es soweit: Nach Monaten der Vorbereitung steigt Marike van Bentum (20) in Nairobi aus dem Flugzeug. Sie kommt nicht als Touristin, sondern für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst. Ihr Ziel: ein Kinderheim rund 40 Kilometer südlich der Hauptstadt.     

Gap Year-Anbieter auswählen

Wollte sie unbedingt nach Afrika? „Ja“, sagt Marike bestimmt. „Ich habe mich schon seit längerem für Afrika interessiert. Und ich wollte nach dem Abi ein Gap Year machen und in dieser Zeit mit Kindern arbeiten.“ Also checkt sie vor über einem Jahr die Webseiten der internationalen Freiwilligen-Organisationen und entdeckt das Angebot von VIA e.V. Besonders spannend findet sie ein Kinderheim-Projekt in Kenia. Sie bewirbt sich und erhält nach zwei ausführlichen Gesprächen mit der Hilfsorganisation die Zusage. Ihre Reise und damit auch das Projekt wird von weltwärts gefördert, dem Förderprogramm des Bundesministeriums für politische Zusammenarbeit und Entwicklung.

Kühe laufen über die Fahrbahn

Am Flughafen wartet Salome auf sie. Die Kenianerin ist ihre Mentorin und Ansprechpartnerin, wann immer sie Fragen, Sorgen oder Nöte haben wird. Ein bisschen mulmig ist Marike schon. Länger als zwei Wochen war sie noch nicht von zuhause fort, nie zuvor hat sie ein Land außerhalb Europas bereist. Aber die Zuversicht überwiegt. Auf dem Weg vom Flughafen fahren sie über eine holprige Straße durch den Feierabendverkehr. Zwischen Autos, Bussen, Motorrädern und Matatus – kleinen Bussen für den Personentransport – laufen Kühe, Esel und Menschen über die Fahrbahn. Ein buntes Treiben, so anders als in Deutschland.

„Kinder sind super“

Im Kinderheim warten schon Rachel und Stephen auf Marike. Die Heimleiterin und ihr Mann begrüßen sie herzlich. In ihrem Haus reichen sie Tee, der hier zu jeder Tageszeit getrunken wird – mit viel Milch und Zucker. Draußen warten 67 Kinder. Als Marike und eine weitere neue Freiwillige auf den großen Platz treten, werden sie sofort neugierig umlagert. „Die Kinder sind einfach super, herzlich, offen und sehr kreativ”, erzählt sie später. Marike liest ihre persönlichen Lebensgeschichten – das macht sie sehr betroffen. Die meisten Eltern sind gestorben, viele von ihnen hatten Aids. Deshalb werden auch die Kinder vor ihrer Aufnahme getestet. Keines von ihnen trägt den HIV-Erreger – das Heim wäre auf eine Behandlung nicht vorbereitet. 

Die Schule startet

Am nächsten Tag fiebert sie mit ihren Schützlingen mit. In der Nähe ist ein Tanz- und Singwettbewerb. Dort treten Kinder von verschiedenen Heimen gegeneinander an. Die Mädchen und Jungen aus ihrer Einrichtung schlagen sich gut und landen auf dem 4. Platz. Angebote wie diese sind wichtig. Sie bringen Abwechslung in den Alltag und stärken das Selbstbewusstsein der Kinder, die oft schlimme Dinge erlebt haben. Ein paar Tage später startet die Schulzeit. Marike und die anderen Freiwilligen laufen nun mittags 30 Minuten zur nächstgelegenen High School und bringen das Essen für „ihre“ Mädchen und Jungen. Nachmittags helfen sie bei den Hausaufgaben. Abends füllen sie die Wassertanks auf und achten darauf, dass die Kinder ihre Zähne