Erst Abi, dann Gap Year in Ostafrika - Teil 2

Marike berichtet von ihrer Arbeit in einem Kinderheim in Kenia

Erst Abi, dann Gap Year in Ostafrika - Teil 2

Mit Kindern arbeiten in Ostafrika: Das war Marikes Traum – und sie hat ihn wahr gemacht. Hier liest du, was sie nach ihrem bewegenden Start im Kinderheim (zu Teil eins) alles erlebt hat. Auf dem Foto oben fahren Marike (hinten) und eine andere Freiwillige gerade mit einem Fischerboot zum Schnorcheln im Reef of Kenya.

Hunde reißen Hühner

Es ist mitten in der Nacht, als die Hunde des Kinderheims, in dem Marike arbeitet, den Zaun zum Hühnergehege einreißen und acht von zehn Tieren fressen. Am nächsten Morgen sind alle geschockt. Die Hühner lebten erst seit Kurzem bei ihnen, gekauft mit Spenden, die Marike und andere Freiwillige in einer nahe gelegenden Kleinstadt gesammelt hatten. Doch Marike lässt sich nicht entmutigen. „Wir werden weiter Geld sammeln und neue Hühner kaufen.“ Denn ihre Eier sollen Abwechslung in die Ernährung der Kinder bringen, die vorwiegend von Brei, Mais und Bohnen leben müssen.

Umzug in eine WG

Seit September wohnt Marike in einer nahegelegen Kleinstadt in einem WG-Zimmer. Am Wochenende besuchen sie einige Heimkinder. Marike kocht Spaghetti mit Hackfleischsoße und die Mädchen und Jungen langen begeistert zu. Künftig soll das kleine Koch-Event alle zwei Wochen stattfinden. Viele von den Kindern sind Waisen und ihre Eltern an Aids gestorben. Der Ausflug in die Stadt ist für sie wie ein kleiner Urlaub vom Alltag im Heim. Auch Marike profitiert von der WG. Sie lebt mit einer Kenianerin, deren Schwester und ihrer Tochter zusammen. Schnell lernt sie so weitere Einheimische und damit neue Freunde kennen. Und mit dem Bus braucht sie nur fünf Minuten bis zum Kinderheim.

Schlafen über dem Ozean

Wenig später reisen die Abiturientin aus Deutschland und zwei andere Freiwillige an den Indischen Ozean. Nahe der Stadt Mombasa kehren sie in ein Baumhaus-Hostel ein und schlafen hier nur wenige Meter über dem Meer. „Ein absoluter Traum, aber wegen der Uferpromenade auch sehr laut“, sagt Marike. Sie gehen im Reef of Kenya schnorcheln, fahren mit Einheimischen zum Fischen auf den Ozean hinaus – und werden dabei seekrank. Auf ihren Ausflügen an Land sehen sie junge Kenianer vor ihren Lehmhütten sitzen und selbstgebrauten Kokosschnaps trinken, während nebenan ein Ziegenkopf gegrillt wird. Marike denkt: So stellen sich Touristen Afrika vor. Aber sie findet einige dieser Klischees eben auch in der Wirklichkeit wieder.

Sehnsucht nach Heimkindern

Je länger die „tolle Reise“ dauert, desto stärker vermisst sie „ihre“ Heimkinder. Als sie zurückkehrt, begrüßen sie die Kids stürmisch und voller Freude. Doch ein paar Tage später müssen sie zusammen Abschied nehmen. Eine von drei Freiwilligen kehrt nach Dänemark zurück. Marike ist traurig. Sie seien ein sehr gutes Team gewesen, sagt sie. Auf das Kinderheim warten zudem große Herausforderungen. In mehreren Meetings besprechen die Mitarbeiter die Zukunft. Man muss sich um immer mehr Kinder kümmern und „Mom“ und „Dad“, die Heimleitung, sind nicht mehr jung. Außerdem fehlt an allen Ecken und Kanten Geld, zum Beispiel für die medizinische Versorgung der Kinder.

Ich heiße jetzt Naserian

Im Oktober fahren Marike und zwei andere Freiwillige mit einem Motorrad in ein kleines Massaidorf. Es rappelt und holpert auf den unbefestigten Wegen im Massailand, dafür sehen sie Giraffen und Antilopen aus nächster Nähe. „Die Massai sind sehr herzliche Menschen und Gastfreundschaft wird groß geschrieben“, erzählt Marike. Bis zu einer Million Menschen gehören dem berühmten Nomadenvolk im Osten Afrikas an. Als die junge Deutsche im Abendrot das Dorf verlässt, hat sie einen weiteren Namen: Naserian. Denn jeder Neuankömmling in einem Massaidorf erhält einen Massainamen. Mit ihrem kann Marike gut leben – Naserian bedeutet Frieden.

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