Gap Year in einem Altenheim in Sydney

Irena, 25, erzählt im Interview von ihrer Zeit in Australien

Gap Year in einem Altenheim in Sydney

Irena, 25, hat nach ihrem Bachelorstudium ein halbes Jahr in einem Altenheim in Sydney gearbeitet. Danach ist die damals 23-Jährige zweieinhalb Monate gereist. Was sie erlebt hat, hat sie uns erzählt :)

Irena, warum wolltest du nach deinem Bachelor ins Ausland?

Ich war nie länger als zwei Wochen am Stück im Ausland, habe aber viele Freunde, die während des Studiums ein Auslandssemester gemacht haben. Was die im Anschluss erzählt haben, war immer durchweg positiv.

Hast du deinen Aufenthalt in Australien selbst organisiert oder lief das über eine Organisation?

Ich habe meinen Aufenthalt selbst organisiert. Sydney hat mich schon immer interessiert. Deshalb habe ich einfach bei Google nach "volunteering Sydney" gesucht und bin so auf dem Internetauftritt des Altenheims gelandet, in dem ich dann auch angefangen habe.

Warum hast du dich gerade für Australien entschieden?

Im Studium kam das für mich nicht in Frage, aber ich wollte vor dem Start ins Berufsleben "noch einmal raus". Ich wollte außerdem gern gemeinsam mit meinem Freund ins Ausland gehen und sozial arbeiten. Oftmals kann man so etwas aber nur bei Organisationen machen, die wirklich teuer sind. In Sydney war das aber kein Problem - wir wurden beide genommen, haben freie Unterkunft bekommen und wurden sogar (ein wenig) bezahlt.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Für die Flüge und die Zeit im Ausland habe ich gespart. Ich habe während des Studiums einen 450-Euro-Job gehabt und konnte so einiges zur Seite legen. Ich habe außerdem sehr günstige Flüge bekommen, da wir lange im Voraus gebucht haben. In Sydney konnte ich kostenlos in einer kleinen Wohnung wohnen und habe sogar ein paar Hundert Dollar im Monat für meine Arbeit bekommen. Für große Sprünge reichte das zwar nicht, aber man kommt schon aus.


Was musstest du bei der Vorbereitung deines Aufenthalts bedenken?

Weil wir im Anschluss an den Freiwilligendienst noch reisen wollten, brauchten wir jede Menge Impfungen! Tollwut, Hepatitis, Cholera... Je nach Krankenkasse werden aber Impfungen, die man für Auslandsreisen benötigt, komplett übernommen. 

Welche Sprache wird dort gesprochen?

Englisch - mit reichlich Akzent ;) Aber: Das Altenheim gehört offiziell zur deutschen katholischen Kirche, es gibt dort einen deutschen Pfarrer und einige Bewohner, die vor Urzeiten aus Deutschland ausgewandert sind und deshalb gern deutsch sprechen. Das ist der Grund dafür, dass das Altenheim jedes Jahr vier deutsche Jugendliche einstellt.

Hattest du Probleme mit der Sprache?

Sobald man sich an den "Aussie Accent" gewöhnt hat, ist es kein Problem! 

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?

Australien ist leider sehr teuer. Gerade die Ausgaben für Essen und Wohnen, also für die Fixkosten, sind sehr hoch. Dafür verdienen Australier aber auch mehr - und bekommen zweimal im Monat Geld, nicht wie bei uns am Monatsende.

Was waren deine Aufgaben?

Hier hatte ich im Vorhinein wirklich etwas Angst - im Altenheim oder mit alten Menschen gearbeitet hatte ich nämlich noch nie. Meine Aufgaben waren aber super: Mit der Pflege hatte ich nichts zu tun, habe mich aber mit den alten Leuten beschäftigt. Ich habe mit Ihnen gespielt, gebastelt und geredet - und ab und an auch beim Essen geholfen. Daran gewöhnt man sich sehr schnell, dann macht es auch wirklich Spaß!


Wie sah ein typischer Tag aus?

Angefangen habe ich morgens gegen 9.30 Uhr. Vormittags bin ich dann mit den Senioren spazieren gegangen, habe mich unterhalten oder mit ihnen gespielt. Gegen 12 Uhr habe ich dann beim Mittagessen geholfen: Einige Ältere brauchten beim Essen Unterstützung, außerdem habe ich dann die Tische abgeräumt und anschließend sauber gemacht. Nach der Mittagspause gab es dann meist ein Gruppenprogramm und Kaffee und Kuchen, am Abend habe ich noch einmal beim Abendessen geholfen.

Was war der größte Unterschied zu Deutschland?

Das Wetter und der nahe Strand :)

Was sollte man in dem Land, in dem du warst, unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Schwierig! In Sydney sollte man unbedingt den "Royal National Park / Wattamolla" und die Blue Mountains besuchen. Ansonsten ist in Australien für mich "Magnetic Island" Pflicht!

Was war das absolute Highlight?

Zu der Zeit gab es das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen der australischen Marine, inklusive riesigem Feuerwerk und royalem Besuch aus England. Das war bombastisch!

Gibt es ein Erlebnis, das nicht so schön war?

Wenn man in einem Altenheim arbeitet, muss man sich bewusst machen, dass einige der Bewohner dort im Laufe der Zeit sterben werden. Das mitzubekommen, ist schon eine krasse Erfahrung. Aber auch der Abschied, mit der Gewissheit, dass viele der Menschen dort nicht mehr da sein werden, wenn du noch einmal wiederkommst, ist wirklich kein schönes Gefühl.

Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Ich würde sagen, meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich hatte wirklich Respekt vor der Arbeit mit alten Menschen und bin überrascht, wie schnell man sich daran gewöhnt und wie anders ich jetzt auch beispielsweise mit meinen Großeltern umgehe.

Würdest du im Nachhinein irgendetwas anders machen?

Ich würde noch ein bisschen mehr Zeit einpacken ;)

Hast du einen Tipp für alle, die ein Gap Year planen?

Plan grob vor - auch die Kosten! Kleinere Trips und Ideen kann man aber auch spontan planen! Und: Trau dich auch an Dinge heran, die am Anfang vielleicht nicht dem entsprechen, was du immer schon einmal machen wolltet.

Wie ging es nach deinem Auslandsaufenthalt weiter?

Im Anschluss an das halbe Jahr im Altenheim sind wir noch ein paar Monate gereist: Die Australische Ostküste, Neuseeland, Singapur, Malaysia und Thailand standen auf dem Programm. Viele, viele Eindrücke!

Hatten deine Erfahrungen aus dem Gap Year einen Einfluss auf deine Zukunftspläne?

Auf jeden Fall! Ich wollte schon immer etwas machen, bei dem ich mit Menschen zusammenarbeiten kann. In Australien ist meine Arbeit unglaublich wertgeschätzt worden: Es gab kaum einen Tag, an dem nicht ein Verwandter der Bewohner zu mir kam, mich in den Arm genommen hat und sich für meine Arbeit bedankt hat. Ein tolles Gefühl!

Und jetzt?

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