Ich bete mehrmals am Tag. Ist das ein Problem während der Ausbildung?

Die Dienstagsfrage vom 20. Juli 2016

Ich bete mehrmals am Tag. Ist das ein Problem während der Ausbildung?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage. Wenn du auch eine Frage hast, melde dich gerne unter dienstagsfrage@blicksta.de bei uns!

Ich bin streng gläubig und bete mehrmals täglich. Ist das ein Problem, wenn ich eine Ausbildung suche?

Ganz grundsätzlich ist es in Deutschland nicht verboten, seinen Glauben auch am Arbeitsplatz auszuleben - dazu gehört auch, dort zu beten. Schließlich ist im Grundgesetz das so genannte Grundrecht auf Glaubens- und Bekenntnisfreiheit verankert. Da heißt es unter anderem: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

Soweit, so gut. Allerdings hat die Sache einen Haken: Als Arbeitnehmer bist du grundsätzlich, also auch während deiner Ausbildung, verpflichtet, deinen Arbeitsvertrag zu erfüllen. Regelmäßige Gebete können da zu Problemen führen. Wieso genau, erklären wir dir jetzt.

Beten am Arbeitsplatz

Wenn das Beten zu deinem Leben dazugehört, unterbricht es fünfmal am Tag deine Arbeit oder das, was du gerade tust. Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern Gebetspausen ermöglichen. Allerdings gilt dies nur so lange, wie diese Pausen die Betriebsabläufe nicht grundlegend stören. Dies muss der Arbeitgeber nicht hinnehmen und kann dir im schlimmsten Fall sogar kündigen. Das hat ein Gericht entschieden.

Damit es nicht so weit kommt, empfehlen wir dir, möglichst früh zu klären, inwiefern Gebetspausen möglich sind. Am besten besprichst du dies bereits im Vorstellungsgspräch. Mach dir bewusst, dass viele Menschen, die den Islam und die Gebetsvorschriften für Muslime nicht so gut kennen, vielleicht gar nichts darüber wissen. Erkläre deinem Gegenüber einfach, wie das Gebet "funktioniert", wie lange es dauert und was du dafür brauchst. Betone auch, dass darunter deine Arbeitsleistung nicht leiden wird. Viele Arbeitgeber ermöglichen ihren Mitarbeitern, wenn sie einmal genauer über ihre Religion bescheid wissen, das Beten während der Arbeitszeit.

Was du nicht tun solltest: Deine Religion verschweigen oder nicht sagen, dass du regelmäßig betest. Wenn du im Bewerbungsgespräch verschweigst, dass du während deiner Ausbildung regelmäßig beten wirst, kann das ein Kündigungsgrund sein. Du siehst: Das Ganze ist ziemlich schwierig. Deshalb ist unsere Empfehlung: Geh offen damit um und finde so einen Arbeitgeber, der gut zu dir passt. Denn beide Seiten haben nichts davon, wenn es in deiner Ausbildung dann doch Probleme gibt.

Arbeiten und Fasten im Ramadan

Wenn du während des Ramadan fastest, nimmst du den ganzen Tag über kein Essen zu dir. Kraft und Konzentration lassen schneller nach als normal (Schau dir auch unseren Artikel zum Thema Ramadan an). Trotzdem wird in deinem Job weiterhin voller Einsatz von dir verlangt.

Was passiert aber, wenn du für deine Arbeit nicht mehr genügend Kraft aufbringen kannst? Dann ist dein Arbeitgeber erstmal verpflichtet zu schauen, ob er dir in der Zeit nicht eine andere Aufgabe zuweisen kann, die nicht ganz so anstrengend ist. Problematisch sieht es dann aus, wenn sich keine andere Aufgabe für dich finden lässt. Im schlimmsten Fall bekommst du für nicht erbrachte Arbeit nämlich auch kein Gehalt ausgezahlt oder musst die Stunden nacharbeiten.

Frag also am besten schon direkt in deinen Bewerbungsgesprächen nach, welche Möglichkeiten für dich während des Ramadan bestehen. Einige Arbeitgeber in Deutschland bieten ihren muslimischen Mitarbeitern beispielsweise an, dass sie ihren Urlaub in die Ramadan-Zeit legen können. Viele sind auch kulant und haben Verständnis dafür, dass du in dieser Zeit etwas weniger leistungsfähig bist.

Was ist mit dem Kopftuch?

Rein rechtlich spricht nichts dagegen, dass du am Arbeitsplatz ein Kopftuch trägst. Aber: Wenn es sachliche Gründe gibt, kann dein Arbeitgeber dir trotzdem verbieten, eines zu tragen. Ein solcher Grund kann die Sicherheit am Arbeitsplatz sein, zum Beispiel wenn die Gefahr zu hoch ist, dass sich das Kopftuch in einer Maschine verfängt. Ein weiterer Grund könnte vorliegen, wenn es durch das Tragen des Kopftuchs zu Konflikten unter den Mitarbeitern kommt. Oder auch, wenn durch Kundenbeschwerden eine Schädigung des Geschäfts droht. Dein zukünftiger Chef muss dann allerdings immer auch beweisen, dass einer dieser Gründe vorliegt. In diesem Artikel findest du alle Informationen zum Thema Kopftuch am Arbeitsplatz.

Und jetzt?

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