„Ich habe in Brisbane in einem Haus mit 28 Studenten gelebt“

Alina, 22, hat acht Monate lang in Australien gelebt, studiert und gearbeitet

„Ich habe in Brisbane in einem Haus mit 28 Studenten gelebt“

Alina Engel, 22, hat ihren Bachelor in International Business an der Maastricht University gemacht und war während des Studiums für ein Auslandssemester in Australien. Acht Monate lang hat sie dort studiert, gearbeitet und ist quer durchs Land gereist. Was sie in dieser Zeit alles erlebt hat und warum sie so begeistert von Australien ist, erzählt sie im Interview.

Warum wolltest du ins Ausland?

Ich hatte schon immer den Drang, „die große weite Welt“ zu entdecken. Mein Studiengang ist sehr international ausgerichtet. Das heißt, es ist völlig normal, mit Menschen aus mehr als fünf Nationen in einem Raum zu sitzen und Themen aus aller Welt zu besprechen. Dadurch wurde meine Neugier auf fremde Länder noch verstärkt und ich konnte es kaum erwarten, endlich ins Auslandssemester zu starten.

Und warum musste es Australien sein?

Das ferne „Down Under“ mit seinen Kängurus, Koalas, traumhaften Stränden und sehr relaxten Einwohnern stand einfach ganz oben auf meiner Liste.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Australien ist deutlich teuer als Deutschland. Da kostet ein Sandwich mal eben 8,50 Dollar (ca. 5,80 Euro) anstatt der deutschen 3 Euro. Allerdings verdient man auch dementsprechend besser. Ich habe neben der Uni in einem Café gearbeitet habe und um die 20 Dollar pro Stunde bekommen. Außerdem hatte ich schon vorher für mein Auslandssemester gespart und wurde von meinen Eltern unterstützt. Es ist ja schließlich eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht.

Wie hast du dein Auslandsemester organisiert und was musstest du dabei bedenken?

Da das Auslandssemester Teil meines Studiums war, hat die Maastricht University den Kontakt zur australischen Partneruniversität hergestellt. Ich musste mich dann noch um Visa, Flüge und Unterkunft kümmern. Besondere Impfungen brauchte ich nicht.

Was hast du in Australien genau gemacht?

Das Schöne an meinem Auslandssemester war, dass ich einerseits wirklich in Australien gelebt und gearbeitet habe und andererseits als Reisende unglaublich viel vom Land gesehen habe. Von Ende Februar bis Mitte Juni habe ich im Bereich Business an der Queensland University of Technology (QUT) in Brisbane studiert. Zwei Tage in der Woche war ich in der Uni, zwei Tage habe ich im Café gearbeitet und drei Tage hatte ich Wochenende. Das hört sich vielleicht erstmal stressig an, aber da ich Kurse wählen konnte, die mich interessiert haben und der Job mir unglaublich viel Spaß gemacht hat, war mein Alltag wirklich spannend. Vor, nach und während des Semesters habe ich jeden freien Tag zum Reisen genutzt und war zum Beispiel mit Freunden in Singapur, Melbourne, Sydney und auf der Great Ocean Road unterwegs. In einer zweiwöchigen Pause im Semester ging’s nach Neuseeland und nach Studienende noch nach Indonesien und die komplette Ostküste Australiens hoch. 

Hattest du Probleme mit der Verständigung?

Nein, da mein kompletter Bachelor auf Englisch ist, hatte ich mit der Sprache keinerlei Probleme. Es war sogar eher umgekehrt: Ich hatte das Gefühl, meine Muttersprache Deutsch immer mehr zu verlernen. Durch meine vielen australischen und internationalen Freunde sprach ich eigentlich durchgehend Englisch und ertappte mich irgendwann sogar dabei, auf Englisch zu träumen. Nur beim Skypen mit meiner Familie und meinen Freunden aus Deutschland wurde Deutsch gesprochen, was dann tatsächlich etwas holprig war.

Was war die größte Umstellung?

In einer Sache entscheiden sich Deutschland und Australien ganz besonders: Entfernungen! „Um die Ecke“ heißt dann mal eben zwei Stunden Autofahrt und zwischen den größeren Städten an der Ostküste (zum Beispiel Sydney und Brisbane) liegen locker mal 1000 Kilometer. Ein weiterer Unterschied ist die Offenheit und Freundlichkeit der Australier. Es ist vollkommen normal, dem Busfahrer beim Aussteigen zu danken. Und wenn man hilflos mit einer Karte auf der Straße steht, dauert es keine zwei Minuten, bis jemand zur Hilfe eilt.

Was sollte man in Australien unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Beim Reisen haben mir besonders die Great Ocean Road und die Gegend um Cairns gefallen, wo Regenwälder an schneeweiße Strände grenzen (zum Beispiel in Cape Tribulation). Die Whitsunday Islands sind auch wunderschön: Eine malerische Insellandschaft in der Gegend des Great Barrier Reefs. Außerdem hat mich Brisbane total beeindruckt. Für Touristen auf den ersten Blick nicht so interessant, entpuppte sich die Stadt als unglaublich vielfältig. Sie bietet eine hohe Lebensqualität.

Was heißt das?

Trotz der zwei Millionen Einwohner fühlt man sich nicht wie in einer Großstadt. Jedes Wochenende gibt’s zahlreiche Märkte, auf denen man frisches Gemüse und Fisch einkaufen kann. Man kann mit dem Fahrrad zur Uni fahren, es gibt unzählige Festivals und ein vielfältiges Freizeitangebot.

Wurden deine Erwartungen insgesamt erfüllt?

Ich versuche immer ohne Erwartungen in neue Länder zu reisen, denn dann werden Erfahrungen jeder Art zu einer Bereicherung. Die acht Monate in Australien waren einfach unglaublich toll!

Und was war dein absolutes Highlight?

Ich habe in Brisbane in einem Haus mit 28 internationalen Studenten gelebt, da gab es viele unvergessliche Momente... Gemeinsame Strandtage, durchzechte Nächte und viele neue Freundschaften. Mit die beste Entscheidung: Ich habe direkt am Anfang ein Auto gekauft, was sich als unglaublich wertvoll herausstellte. Das Auto war innen als Campingwagen ausgebaut. Das heißt, bis zu drei Personen konnten darin schlafen und Kochutensilien hatten auch Platz. Nach Semesterende bin ich mit zwei Freunden sechs Wochen lang die Ostküste hochgereist und wir haben keine einzige Nacht im Hostel geschlafen!

Hast du einen Tipp für alle, die einen Auslandsaufenthalt planen?

Planung ist gut, aber zu viel Planung schließt Türen, bevor sie überhaupt geöffnet wurden. Und überlegt euch genau, mit wem ihr auf Reisen geht. Wenn man täglich 24 Stunden aufeinander hängt, sollte man mit den Macken des anderen umgehen können. Außerdem empfehle ich, möglichst viel den Kontakt mit den Einheimischen zu suchen. Dadurch bekommt man einen super Einblick in deren Kultur und Lebensweise.

Wie ging es nach deinem Auslandssemester weiter?

Ich habe in den letzten vier Jahren in vier verschiedenen Ländern gelebt. Das ist wohl ein Zeichen für meine chronische Reiselust. Bei jeder Reise lernt man unglaublich viel über andere Menschen und auch über sich selbst. Mit dem Auslandssemester in Australien habe ich meinen Bachelor abgeschlossen und werde mit meinem Master im Herbst 2015 starten. Momentan mache ich verschiedene Praktika, um herauszufinden, wie mein zukünftiger Beruf aussehen soll.

Wie geht es weiter?

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