„Ich habe mit den Gästen Sackhüpfen und blinde Kuh gespielt“

Als Hotelkauffrau auf dem Kreuzfahrtschiff: Fina erzählt von ihrem Arbeitsalltag

„Ich habe mit den Gästen Sackhüpfen und blinde Kuh gespielt“

Fina Bischoff, 25, hat eine Ausbildung zur Hotelkauffrau gemacht und sich jetzt einen Traum erfüllt: Sie arbeitet für fünf Monate auf einem Kreuzfahrtschiff und bereist die ganze Welt. Wir haben mit ihr über ihre Ausbildung und die tägliche Arbeit auf dem Schiff gesprochen.

Fina, warum hast du dich damals für die Ausbildung zur Hotelkauffrau entschieden?

Während der Schulzeit hatten wir eine Veranstaltung zur Berufsorientierung und dort hat eine Hoteldirektorin einen Vortrag gehalten. Ihr Lebenslauf und ihre Erlebnisse im Berufsalltag haben mich fasziniert. Ich hatte keine Lust zu studieren und habe mich dann im Internet genauer über den Beruf informiert. Und schließlich war ich mir sicher, dass das genau das Richtige für mich ist.

Und wie bist du darauf gekommen, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten?

Das war schon immer mein Traum, eigentlich wollte ich direkt nach meiner Ausbildung aufs Schiff. Ich fand es faszinierend, so viele verschiedene Länder in kurzer Zeit kennen zu lernen. Aber viele meiner Kollegen haben schlechte Erfahrungen gemacht und mir davon abgeraten, deshalb habe ich es erstmal auf Eis gelegt. Der Wunsch, auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten, hat mich aber nie ganz losgelassen.

Auf welchem Schiff arbeitest du jetzt?

Auf der MS Europa 2 der Hapag-Lloyd-Flotte.

Und wie viele Kollegen hast du dort?

Insgesamt sind wir circa 370 Crew-Mitglieder. Ich bin im Servicebereich tätig, zu dem sechs Restaurants und sechs Bars gehören. Ich arbeite an einer der Bars und unser Team besteht aus fünf Leuten. Viele der Mitarbeiter sind aber auch im Hintergrund beschäftigt, zum Beispiel in der Wäscherei oder im Maschinenraum.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Meistens fange ich gegen 14 Uhr an zu arbeiten. Dann ist noch nicht so viel los an der Bar und ich habe Zeit, alles für den Abend vorzubereiten. Ich schneide zum Beispiel Obst für die Drinks, richte das Besteck oder die Servietten oder poliere Gläser. Abends ist es meistens sehr voll, aber dann macht es auch erst richtig Spaß! Da die Gäste im Durchschnitt 16 Tage an Bord sind, kennt man sich gut und unterhält sich viel. Oft kennt man sogar schon ihre Getränkewünsche. Wenn der letzte Gast gegangen ist, machen wir alles sauber und gehen manchmal noch auf ein Feierabendbier in die Crewbar.

Hast du auch freie Tage?

Mein Vertrag geht insgesamt fünf Monate und davon arbeite ich jeden Tag. Ich habe keinen einzigen Tag frei, aber das hört sich schlimmer an, als es ist. Wenn man aufs Schiff geht, weiß man von vornherein, auf was man sich einlässt. Man gewöhnt sich dran!

Was gefällt dir an deinem Beruf am meisten?

Als Hotelkauffrau kann man in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten, das ist unheimlich abwechslungsreich. Ich habe schon an der Rezeption gearbeitet, aber auch im Restaurant, an der Bar oder im Veranstaltungsverkauf. Ich könnte mich nicht jeden Tag aufs Neue an meinen Schreibtisch setzen und acht Stunden dasselbe tun. Als Hotelfkauffrau erlebt man immer wieder etwas Neues und kann in jedem Land der Welt arbeiten. Und an der Arbeit auf dem Kreuzfahrtschiff gefällt mir ganz klar das Reisen am besten! Wir umrunden gerade ganz Südamerika - wann hätte ich sonst die Chance, so eine Tour mitzuerleben?

Foto: Mit dem Kreuzfahrtschiff in Chile

Siehst du auch etwas von den Ländern, in die du reist oder verbringst du die meiste Zeit auf dem Schiff?

Meistens habe ich drei bis fünf Stunden Freizeit und kann etwas unternehmen. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie die Liegezeiten des Schiffs sind. Wenn wir über Nacht liegen, gehen wir nach Feierabend noch oft raus. Der Hafen ist meistens nicht weit von der Stadt entfernt und wenn man sich vorher etwas informiert und plant, kann man viel sehen und erleben!

Gibt es auch etwas, das dir nicht so gut gefällt?

Na ja, die Arbeitszeiten sind etwas gewöhnungsbedürftig. Es kommt zum Beispiel häufig vor, dass ich zwölf Stunden am Stück arbeite. Aber wenn man vorher weiß, worauf man sich einlässt, ist das okay.

Was war das schönste oder lustigste Erlebnis in deinem bisherigen Berufsleben?

An Silvester habe ich in einem Hotel mit Gästen Sackhüpfen und blinde Kuh auf dem Flur gespielt. Außerdem habe ich mal Udo Lindenberg aus dem Tiefschlaf gerissen, weil ich sein Zimmer säubern sollte. Und einmal habe ich Gästen Mineralwasserflaschen zum Abduschen aufs Zimmer gebracht, weil durch Bauarbeiten plötzlich kein Wasser mehr lief. Das schönste Erlebnis war die Einfahrt nach New York mit dem Kreuzfahrtschiff: Als ich an Deck stand und wir an der Freiheitsstatue vorbeigefahren sind, habe ich richtig Gänsehaut bekommen!

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man Hotelkauffrau werden möchte?

Man sollte auf jeden Fall flexibel, freundlich und aufgeschlossen sein und gut mit Menschen umgehen können. Außerdem ist Teamfähigkeit total wichtig und Organisations- und Improvisationstalent sind auch hilfreich. Da manche Gäste etwas schwierig sind und man häufig lange arbeiten muss, sollte man belastbar sein.

Weißt du schon, wie es nach den fünf Monaten auf dem Kreuzfahrtschiff für dich weitergeht?

Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht, ich mache mir gerade viele Gedanken darüber. Möchte ich noch ein zweites Mal aufs Schiff, gehe ich nochmal ins Ausland oder bleibe ich in Deutschland? Es gibt so viele Möglichkeiten ... Aber eins steht fest: Ich bereue es nicht, meinen Traum von der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff verwirklicht zu haben!

Wie geht es weiter?

Web-Adresse: https://blicksta.de/ich-habe-mit-den-gaesten-sackhuepfen-und-blinde-kuh-gespielt.html
© blicksta 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Medienfabrik Gütersloh GmbH