"Ich hatte keine Sekunde lang Heimweh" - Teil 1

Kristina, 26, berichtet von ihrem Auslandsaufenthalt in Kanada

"Ich hatte keine Sekunde lang Heimweh" - Teil 1

Kristina Sauerstein, 26, liebt Kanada: Sie hat zuerst ein Auslandssemester während des Bachelor-Studiums in Vancouver gemacht (April bis Oktober 2009) und ist dann zwischen Bachelor und Master (September 2010 bis Juni 2011) noch einmal nach Kanada gegangen. Im Interview mit blicksta berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Warum wolltest du ins Ausland?

Bereits in der Schulzeit habe ich überlegt, ob ich für längere Zeit im Ausland leben möchte, doch letztendlich kam immer etwas dazwischen. Deshalb habe ich bewusst einen Studiengang gesucht, in dem ein Auslandsaufenthalt Pflicht war, denn dann kann man keinen Rückzieher machen. Ich habe eine Uni mit Sommerprogramm gesucht und mich nach kurzer Überlegung für Kanada entschieden. Nach meinem Auslandssemester wollte ich nichts lieber als sofort wieder zurück nach Kanada. Deshalb habe ich nach meinem Bachelorabschluss ein Praktikum gesucht und habe die restliche Zeit meines Gap Years für Arbeiten und Reisen genutzt.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Die Studiengebühren in Kanada sind sehr teuer (etwa 6000-7000 Dollar (4700-5500 Euro) für ein Semester). Zudem sind die Lebenshaltungskosten (besonders Miete) in Vancouver überdurchschnittlich hoch. Da ich leider kein Auslandsbafög erhalten habe, habe ich das Auslandssemester sowie das unbezahlte Praktikum durch meinen ohnehin vorhandenen Studienkredit finanziert, mit Unterstützung meiner Eltern. Den zweiten Aufenthalt habe ich hauptsächlich selbst finanziert, indem ich gearbeitet habe. Da blieb genug Geld für Miete, Lebenshaltung und ich konnte sogar ein bisschen für eine große Reise sparen. Lebensmittelkosten sind ebenfalls im Vergleich zu Deutschland höher, jedoch ist lokales Obst und Gemüse sowie Essen im Restaurant recht billig im Vergleich. Für 12 Dollar (etwa 8 Euro) kann man schon sehr gut essen gehen.


Hast du den Aufenthalt privat oder über eine Agentur organisiert?

Beide Aufenthalte habe ich privat organisiert, bei dem Studium wurde ich bei den Unterlagen von meiner Uni unterstützt. Es war trotzdem noch einigermaßen viel Arbeit, alle Kurse zu koordinieren, eine Wohnung zu suchen, ein Visum zu beantragen und Flug etc. zu organisieren. Meiner Einschätzung nach ist es allerdings gut machbar, da in Kanada alle sehr hilfsbereit und unkompliziert sind und es deutlich weniger bürokratische Hürden gibt als in Deutschland. Daher wurde mir auch bei Schwierigkeiten mit den Kursen vor Ort geholfen und innerhalb der ersten Woche war alles geklärt. Meine Gastfamilie hat mir auch beim zweiten Aufenthalt bei der Wohnungssuche geholfen und mich anfangs unterstützt, sodass ich auch dort keine Probleme hatte.

Wie waren die ersten Tage in der Ferne?

Die ersten Tage waren nicht so einfach, da ich noch niemanden kannte. Da ich aber in einer Gastfamilie untergebracht war, konnte ich über deren Bekannte schnell neue Freunde finden, mit denen ich noch immer in Kontakt stehe. Sobald die Uni angefangen hatte, war es überhaupt kein Problem mehr, da die Kanadier sehr offen sind und Deutsche im Allgemeinen sehr beliebt (viele haben auch deutsche Verwandte und freuen sich sehr, Leute aus Deutschland kennenzulernen). Es gibt außerdem viele Veranstaltungen für international students, bei denen man schnell andere Studenten kennenlernt. Es kann aber auch durchaus vorkommen, dass man im Bus o.ä. neue Menschen bei einer intensiven Konversation kennenlernt, was für uns Deutsche erst einmal ungewohnt ist. Es ist also sehr schwierig, sich in Kanada einsam zu fühlen, solange man offen für neue Bekanntschaften ist. Ich habe mich sehr schnell sehr wohl gefühlt und hatte keine Sekunde Heimweh.

Wie sah ein typischer Tag aus?

Man hat nur drei bis vier Kurse, die je einmal die Woche zwei Stunden stattfinden und ein Tutorial von einer Stunde, in dem die Inhalte noch einmal in kleiner Runde aufgearbeitet werden. Es gibt allerdings sehr viel Lesestoff und kleine Aufgaben, die man zuhause erarbeiten muss. Einen typischen Tagesablauf gab es eigentlich nicht, da man seine Zeit selbst einteilen konnte.

Wie hast du deine Freizeit verbracht?

Ich habe versucht, während meiner Aufenthalte so viel wie möglich zu unternehmen und von der Stadt und dem Land zu erleben und Zeit mit meinen Freunden dort zu verbringen. Das konnte sehr unterschiedlich aussehen. Von ruhigen DVD- oder Kinoabenden oder internationalen Kochrunden über Festivals in der Stadt, Fahrradtouren bis hin zu Snow Tubing in den nahe gelegenen Bergen war alles dabei. Auch Tagesausflüge nach Whistler oder in die fantastische Umgebung Vancouvers, z.B. zu einsamen Bergseen, haben wir gemacht. Oft sind wir jedoch auch einfach durch die Stadt gelaufen, um neue Ecken zu entdecken, haben uns an unseren Lieblingsstrand gesetzt oder internationale Restaurants besucht.

Hattest du Probleme mit der Sprache?

In diesem Teil Kanadas spricht man Englisch, es ist also sehr einfach, sich zu verständigen. Man muss absolut keine Angst davor haben, zumal die Kanadier sehr hilfsbereit sind und sich sehr bemühen. In ein paar Monaten wächst der Wortschatz enorm und man entwickelt ein Gefühl für die Sprache, um auch Feinheiten zu erkennen. Das ist natürlich auch beruflich hilfreich.

Und jetzt?

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