"Ich wohnte in einem 70-Stock-Tower mit Blick aufs Meer"

Anne Zschiebsch war sieben Monate in Dubai und hat ein Praktikum im Bereich Marketing gemacht

"Ich wohnte in einem 70-Stock-Tower mit Blick aufs Meer"

Anne Zschiebsch (24) hat ein Praktikum im Bereich Marketing bei einem der größten Haushaltsgerätehersteller Europas gemacht – und zwar in Dubai. Wie sie ihren Aufenthalt organisiert hat und wie ein typischer Arbeitstag ablief, erzählt sie im ersten Teil unseres Interviews.

Warum wolltest du ins Ausland?

Ich habe „Angewandte Wirtschaftssprachen und internationale Unternehmensführung“ an der Hochschule Bremen studiert und die Wirtschaftssprache Arabisch gewählt. Auslandssemester und –praktikum waren im Studium Pflicht.

Das Praktikum hast du dann in den Vereinigten Arabischen Emiraten gemacht. Wieso hast du dich für dieses Land entschieden?

In einem Land zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, reizte mich sehr. Außerdem wollte ich in ein arabisches Land, wo man als blonde deutsche Frau nicht so auffällt. Darüber hinaus fand ich es super, dass dort sowohl Arabisch als auch Englisch gesprochen wird.

Warum hast du dich für ein deutsches und nicht für ein arabisches Unternehmen entschieden?

Da in den arabischen Ländern viele Dinge sehr unorganisiert laufen, erhoffte ich mir bei einem deutschen Konzern ein strukturiertes Praktikum, bei dem ich viel lernen kann. So war es dann auch.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Ich habe als Praktikantin 1.200 Euro im Monat bekommen, außerdem haben mich meine Eltern unterstützt.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Dubai im Vergleich zu Deutschland?

Sie sind relativ hoch. Obst und Gemüse sind sehr teuer, Sprit dafür lachhaft günstig – für 15 Euro kann man volltanken. Pro Monat habe ich 700 Euro Miete gezahlt, inklusive Strom, Wasser, Internet und Telefon. Dazu kamen 200 Euro für ein gemietetes Auto, das ich mir mit jemanden geteilt habe. Der Rest blieb für mich, daher kam ich gut über die Runden. Ich hatte allerdings großes Glück - es ist nicht ungewöhnlich, für ein WG-Zimmer in Dubai 1000 Euro zu zahlen. Freizeitaktivitäten wie Kino oder Bowling waren von den Preisen her sehr ähnlich wie in Deutschland. Shoppen lässt es sich in Dubai auch sehr gut, teilweise günstiger als in Deutschland.

Was musstest du vorher alles organisieren beziehungsweise bedenken?

Vor der Abreise waren natürlich viele Dinge zu bedenken. Einerseits standen Impfungen auf dem Programm, andererseits musste ich auch Dokumente erneuern wie zum Beispiel den Reisepass. Da ich wusste, dass ich dort Autofahren würde, habe ich mir einen internationalen Führerschein besorgt. Das Kofferpacken war eine Herausforderung – bis zu 50°C im Sommer, Klimaanlagen, die auf das Minimum herunter gekühlt werden und dazu noch die arabische Kultur, in der Schultern und Knie bedeckt werden müssen. Da ist es schwierig, die passende Kleidung zu finden.

Brauchtest du auch ein Visum?

Um ein Visum musste ich mich glücklicherweise nicht kümmern, denn ich bin mit dem Touristenvisum eingereist und bekam im Laufe der ersten Wochen sowohl das Arbeitsvisum als auch einen emiratischen Führerschein. Das Visum an sich hat meine Firma beantragt, so musste ich nur an einem Tag den vorgeschriebenen Gesundheitscheck (Blutabnahme und Röntgen der Lungen) absolvieren und später dann mit einem Fahrer in den Oman fahren, um wieder einzureisen und das Arbeitsvisum zu erhalten.

Hast du deine Wohnung von Deutschland aus gesucht?

Meine Firma hat mir zweieinhalb Wochen die Unterkunft in einem Hotel bezahlt. Ich habe auch schon vor der Abreise auf verschiedenen Internetseiten nach Zimmern oder Wohnungen geschaut, vor Ort ging das jedoch um einiges besser. Schließlich wohnte ich in einer Zweiraumwohnung in einem 70-Stock-Tower mit Blick auf das Meer in einem der beliebtesten Viertel Dubais.

Wie lief ein typischer Arbeitstag ab?

An einem typischen Arbeitstag habe ich gegen acht Uhr morgens das Haus verlassen und mich mit dem Auto auf den Weg zur Arbeit gemacht. Das Unternehmen liegt ein bisschen außerhalb von Dubai, gerade morgens zu den Stoßzeiten kam es auf dem Weg oft zu Staus.

Und welche Aufgaben erwarteten dich?

Ich habe im Marketing gearbeitet und viele verschiedene Projekte im Bereich Event Marketing und Projektmanagement bekommen. Wir haben zum Beispiel einen Showroom in Abu Dhabi eröffnet, in dem die wichtigsten Geräte der Firma (Waschmaschinen, Kühlschränke, Handmixer, Bügeleisen etc.) ausgestellt werden und Kunden sich beraten lassen können. Ich bin fast jede Woche einmal anderthalb Stunden dorthin gefahren, um zu sehen, wie es auf der Baustelle voranging. Außerdem gab es am Wochenende in Dubai und Abu Dhabi Kochevents, die ich als Ansprechpartnerin für die Firma besuchte. Zum Mittagessen fuhr ich mit den Kollegen immer in einen „Foodcourt“ – dort waren verschiedene Fastfood- Restaurants. Diese Courts liegen innerhalb der Free Zone und waren zur Mittagszeit immer sehr überfüllt. Oft fanden am Tag auch Meetings mit den Kreativagenturen oder anderen Unternehmen statt, an denen ich teilnahm.

Ist dir eine Aufgabe besonders in Erinnerung geblieben?

Das wohl lustigste Erlebnis war ein Casting von Promoterinnen für eine neue Kampagne. Als Einstieg fragte ich die Damen, ob sie wissen, was ein Geschirrspüler ist. Viele von ihnen dachten, man würde darin Wäsche waschen. Hier war viel Training angesagt.

Hattest du nach dem Feierabend noch Zeit für dich?

Mein Arbeitstag ging eigentlich bis 17.30 Uhr, doch oft blieb ich länger und wenn große Projekte anstanden, ging es auch mal bis 21 Uhr. Aber wenn ich pünktlich aus dem Büro kam, bin ich gern noch am Strand spazieren gegangen, habe im hauseigenen Fitnessstudio Sport gemacht, bin ein paar Bahnen im Pool geschwommen oder habe mich mit Freunden in einer Mall oder in einem Club getroffen.

Wie geht es weiter?

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