Interview: Wie wird man eigentlich Musikproduzent?

Von der Idee zum fertigen Song: Gespräch mit einer Musikproduzentin

Interview: Wie wird man eigentlich Musikproduzent?

"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" hat der Philosoph Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Da ist etwas dran: Die meisten von uns hören täglich Musik - ob Rap, Pop oder Klassik. Es gibt sehr sehr viele Möglichkeiten, einen Beruf mit Musik zu ergreifen. In diesem Artikel erfährst du etwas über eine Ausbildung im Bereich Musikproduktion. Sie wird in Deutschland von mehreren Schulen angeboten. Außerdem finden sich in diesem Bereich viele Quereinsteiger, die über Umwege zur Musikproduktion gekommen sind.

Für dieses Interview haben wir Barbara Skoda-Busch (siehe Foto) getroffen. Sie ist Geschäftsführerin beim deutschen Abbey Road Institute. Die Institute gehören zu den legendären Abbey Road Studios, in denen viele bekannte Bands ihre Alben aufgenommen haben - zum Beispiel die Beatles, aber auch Kanye West oder Adele.

Barbara, was genau machen Musikproduzenten eigentlich?

Das sind die Leute, die dafür sorgen, dass ein Song richtig cool wird (lacht). Es geht darum, dass man einen Song besser macht - durch sein technisches Wissen, aber auch durch kreativen Input. Man arbeitet sehr eng mit Musikern zusammen. Die haben ein Rohprodukt, also zum Beispiel einen Song oder eine Songidee. Und wir arbeiten dann gemeinsam mit ihnen daran, am Schluss eine tolle Produktion zu haben.

Die Abbey Road Institutes, für die du arbeitest, bieten den einjährigen Ausbildungsgang "Advanced Diploma in Music Production and Sound Engineering" an.

Genau. Wir wollen damit Menschen ausbilden, die Lust darauf haben, einen Song von der Idee bis zum fertigen Stück zu begleiten.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Das Ganze dauert 12 Monate und findet in Deutschland in Berlin, Frankfurt oder München statt. Zu 40 Prozent geht es um kreative Arbeit, also z. B. ums Musikmachen, Songtexten, etc. 40 Prozent ist Tontechnik, also technische bzw. handwerkliche Ausbildung. 20 Prozent der Ausbildung drehen sich um die Themen Selbstmarketing und wirtschaftliche Aspekte der Musikproduktion.

An wen richtet sich die Ausbildung?

Bewerben kann sich jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und mindestens einen mittleren Bildungsabschluss hat. Abitur ist ideal. Musikalische Vorkenntnisse, sowohl praktisch als auch theoretisch, sollte man schon mitbringen. Da viele Kurse von englischsprachigen Dozenten geleitet werden, sollte man auch gut Englisch sprechen können.

Gibt es eine Eignungsprüfung?

Es gibt ein Aufnahmeinterview. Da stellen wir Fragen zu den Gründen, warum sich jemand bei uns bewirbt, zur musikalischen Vorbildung und so weiter. Wir schauen einfach, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber auch wirklich in den Kurs passt.

Was ist wichtig, wenn man als Musikproduzent arbeiten möchte?

Man sollte gern mit Menschen arbeiten, denn das macht man dauernd: Man hat Kontakt mit Musikern, mit Plattenfirmen und so weiter. Außerdem sollte man in der Lage sein, sich in andere Leute hineinzuversetzen. Schließlich arbeitet man mit sehr vielen unterschiedlichen Typen zusammen und manche Musiker sind schon fast schüchtern mit ihrer Musik. Wichtig ist auch: Wir bilden keine Musiker aus. Wir bieten eine kreative Technikerausbildung.

Wie teuer ist die Ausbildung bei euch?

Die Gesamtkosten liegen zwischen 11.650 und 12.390 Euro, je nachdem, ob monatlich oder alles auf einmal gezahlt wird.

Machen mehr Frauen oder Männer die Ausbildung?

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn mehr Frauen die Ausbildung beginnen würden! Der Job ist so großartig!

Web-Adresse: https://blicksta.de/interview-wie-wird-man-eigentlich-musikproduzent.html
© blicksta 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Medienfabrik Gütersloh GmbH