"Jemand, der total gerne chillt, ist nicht zwangsläufig faul"

Ein Tag auf einer Berufsmesse - und was man dort erlebt

"Jemand, der total gerne chillt, ist nicht zwangsläufig faul"

„Das Problem ist: Man ist nach dem Abi komplett auf sich alleine gestellt.“ Das ist bisher der Eindruck der 17-jährigen Friederike Hahn, die wir auf der Studien- und Ausbildungsmesse Einstieg Frankfurt treffen. Ihr Ziel: Vor Ort einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten nach der Schule bekommen.

7000 Besucher haben sich an diesem Juniwochenende auf den Weg in die Frankfurter Messehalle gemacht, um mehr über die Themen Ausbildung, Studium, duales Studium, Auslandsaufenthalt oder Freiwilligendienst zu erfahren. Egal, ob völlig planlos oder zielstrebig, es gibt für jeden Gast in jeder Phase der Berufsorientierung die passenden Infos.

Phase 1: „Was soll ich bloß nach der Schule machen?“

Stärken und Interessen erkennen und einordnen – das ist der erste Schritt in der Berufsorientierung. Am gemeinsamen Stand von blicksta und Einstieg können Schüler den blicksta-Interessencheck machen, um herauszufinden, welche Messe-Angebote zu ihren Interessen passen. Franziska Müller (14) hat ihrer Schwester beim Test über die Schulter geschaut und erzählt: „Ich hatte vorher noch gar keinen Plan und bin einfach mal mit meiner Schwester mitgegangen. Hier auf der Messe habe ich festgestellt, dass ein duales Studium etwas für mich wäre.“

Direkt nebenan werden Speed-Coachings von Einstieg veranstaltet, in denen die Schüler ganz individuelle Tipps von den Berufsberatungsprofis bekommen. Ina Orth von Einstieg erklärt in ihrem „Workshop Stärkenanalyse“, dass jeder Mensch bestimmte Stärken hat, die man nur erkennen muss. „Wenn mir jemand zum Beispiel sagt, dass er gerne Multiplayer-Spiele am Computer zockt, ist er offensichtlich gut darin, im Team zu arbeiten. Und jemand, der total gerne chillt, ist nicht zwangsläufig faul. Es ist wichtig, zwischendurch auch mal abschalten zu können, um auf ganz neue Ideen zu kommen. Viele Erwachsene verlernen das leider im Laufe der Zeit.“

Phase 2: „Ich weiß, was ich will. Aber wo kann ich das machen?“

So geht es zum Beispiel Magdalena Gürtler (17). Sie möchte beruflich etwas in Richtung Medizin machen, ist aber noch unsicher, ob es eine Ausbildung oder ein Studium sein soll: „Ich weiß noch nicht genau, wie ich mich weiter orientieren soll. Aber ich mache nächstes Jahr Abi, deshalb muss ich mich langsam darum kümmern.“

Rund 100 Unternehmen, Hochschulen und Organisationen sind vor Ort, um den Schülern Rede und Antwort zu stehen. Ursula Trienowitz von der Deutschen Bank hat gute Erfahrungen gesammelt: „Die Leute, die zu uns kamen, waren alle sehr interessiert und viele waren richtig gut vorbereitet. Das freut uns, weil es immer schwieriger wird, gute Azubis zu finden.“

Auch die Kita Frankfurt ist mit einem Stand vertreten. Warum? „Wie alle Kindertagesstätten sind auch wir immer auf der Suche nach Nachwuchs. Wir wollen mit unserem Auftritt hier vor allem zeigen, dass der Beruf des Erziehers ein junger, moderner Beruf ist.“

Am Stand der Bundeswehr erfahren die Schüler nicht nur, welche Laufbahnen es gibt, sondern auch, wie der Berufsalltag eines Soldaten aussieht. Marin Würz, Hauptmann und Karriereberater der Bundeswehr, erklärt: „Die Bewerber sollen genau wissen, worauf sie sich einlassen. Der Dienst an der Waffe oder ein Auslandseinsatz sind nicht für jeden das Richtige.“ Es gehe aber auch darum, zivile Laufbahnen bei der Bundeswehr aufzuzeigen, ergänzt Oberstabsfeldwebel Frank Pieters: „Für Bewerber, die eben keine Uniform tragen oder eine Waffe bedienen wollen gibt es ebenfalls zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten.“

Wer sich für eine Karriere beim Fernsehen interessiert, ist beim Vortrag von Jennifer Knäble genau richtig. Die RTL-Moderatorin hat BWL studiert, dann aber gemerkt, dass die trockene Arbeit mit Zahlen doch nichts für sie ist. Ihre Botschaft an alle Zuhörer mit dem Berufswunsch Redakteur: „Die wenigsten Kollegen haben Journalismus studiert, Quereinstiege sind auf jeden Fall möglich! Man sollte sich am besten das aussuchen, was einem Spaß macht und dann ganz viel praktische Erfahrung sammeln.“