Kopftuch während der Ausbildung tragen: Geht das problemlos?

Die Dienstagsfrage vom 10. November 2015

Kopftuch während der Ausbildung tragen: Geht das problemlos?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage. Wenn du auch eine Frage hast, melde dich gerne unter dienstagsfrage@blicksta.de bei uns!

Ist mein Kopftuch ein Problem, wenn ich eine Ausbildung machen möchte?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. In den vergangenen Jahren gab es über dieses Thema sehr viele Diskussionen. Vielleicht hast du das mitbekommen. Das Ergebnis: Generell darf es kein Problem sein, das Kopftuch auch während der Arbeit (oder Ausbildung) zu tragen. Es gibt aber ein paar wenige Ausnahmen. Wie, was, warum - erklären wir dir jetzt

Diskrimierung verboten

In Deutschland gibt es das sogenannte "Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt" (AGG). Es wird auch "Antidiskriminierungsgesetz" genannt. Darin steht unter anderem, dass niemand wegen seiner Herkunft oder seiner Religion benachteiligt werden darf.

Das heißt: Wenn du Kopftuch trägst und dich für eine Ausbildung bewirbst, darf das Kopftuch nicht der Grund sein, dich nicht einzustellen. Das ist einer Frau vor einigen Jahren bei einem Zahnarzt passiert. Er wollte sie nur als Azubi einstellen, wenn sie ihr Kopftuch nicht mehr trägt. Sie hat dagegen geklagt und gewonnen.

Aber: Natürlich kannst du aus anderen Gründen abgelehnt werden (so wie alle anderen Bewerber auch). Zum Beispiel, weil jemand eine Aufgabe im Assessment-Center besser gelöst hat oder im Gespräch mehr überzeugen konnte. So weit, so gut.

Leider ist es oft nicht ganz so einfach. Denn: Selbst wenn dich ein Arbeitgeber aufgrund deines Kopftuches nicht einstellt, wird er dir das nicht unbedingt sagen. Leider gibt es in einigen Betrieben noch immer Menschen, die Vorurteile haben, wenn es darum geht, eine Kopftuchträgerin einzustellen. Zum Glück werden sie immer weniger!

Keine Regel ohne Ausnahmen

Außerdem gibt es einige wenige Ausnahmen, in denen dir dein Arbeitgeber tatsächlich verbieten kann, das Kopftuch zu tragen. Und in denen er sagen kann: Entweder trägst du es während der Ausbildung nicht, oder ich kann dich nicht einstellen. Zwei Beispiele:

  • Kirchliche Einrichtungen: Wenn du zum Beispiel eine Ausbildung in einem evangelischen Krankenhaus oder einer katholischen Kindertagesstätte machst, kann (nicht muss!) der Arbeitgeber darauf bestehen, dass du kein Kopftuch trägst. Für kirchliche Einrichtungen gelten teilweise spezielle Gesetze, sodass sie ihren Mitarbeitern vorschreiben können, sich nicht offen (also zum Beispiel durch ein Kopftuch) zu einer anderen Religion zu bekennen. Dies ist aber je nach Arbeitgeber sehr unterschiedlich.
  • Berufskleidung: Dein Arbeitgeber kann dir eine bestimmte Berufskleidung vorschreiben. Zum Beispiel tragen Mitarbeiter in Arztpraxen oft weiße Kleidung, Mitarbeiter von Supermärkten zum Beispiel T-Shirts mit dem Firmenlogo. Auch gesetzlich ist manchmal bestimmte Kleidung vorgeschrieben, zum Beispiel Helme auf Baustellen oder Kittel und Haarnetze in Laboren. Hier gilt: Wenn die Arbeitskleidung überhaupt nicht mit deinem Kopftuch vereinbar wäre, müsstest du es abnehmen. Das ist aber nur in sehr wenigen Fällen der Fall. Zum Beispiel, wenn dein Kopftuch sich in den Maschinen verfangen könnte, mit denen du arbeitest. Oder wenn du über dem Kopftuch keinen Helm tragen könntest.

Wie finde ich heraus, ob mein Kopftuch den Arbeitgeber stört?

Unser wichtigster Tipp: Gehe offen damit um, dass du das Kopftuch trägst und tragen möchtest. Oft wissen Arbeitgeber gar nicht so genau, warum Frauen sich dafür entscheiden. Viele sind dann ganz überrascht, wenn sie Genaueres über deine Gründe hören.

Zweiter Tipp: Informier dich im Vorfeld darüber, wie die Arbeitgeber, bei denen du dich bewirbst, so drauf sind. Vielleicht hast du Freundinnen, die schon eine Ausbildung machen und auch Kopftuch tragen? Oder Bekannte, die dir erzählen können, wo sie selbst gute (oder schlechte) Erfahrungen gemacht haben?

Dritter Tipp: Lass dich nicht entmutigen! Absagen sind, ob mit Kopftuch oder ohne, normal. Das passiert allen, die sich bewerben. Du wirst einen guten, passenden Ausbildungsplatz finden, bei dem dein Kopftuch okay ist. Wir drücken alle Daumen für dich!

Weitere Infos

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