Lehrer werden: " Ein krasser Rollenwechsel"

Lust auf Lehramt? Ein Experte erzählt, wie du herausfindest, ob dieser Beruf das Richtige für dich ist

Lehrer werden: " Ein krasser Rollenwechsel"

Robert Meile ist Studienberater an der Universität Potsdam. Dort berät er unter anderem Schüler, die überlegen, ein Fach auf Lehramt zu studieren. Aber wie findet man heraus, ob man Lehrer werden sollte? Wir haben mit Robert Meile darüber gesprochen.


Herr Meile, wie beraten Sie jemanden, der in Ihre Sprechstunde kommt und Lehrer werden möchte?

Wir machen eine ganz offene Beratung. Ich frage die Schüler, die kommen: Was interessiert euch? Wo seht ihr eure Stärken? Welche Vorstellungen habt ihr von eurem späteren Berufsleben? So tasten wir uns langsam an verschiedene Möglichkeiten heran.

Welche Besonderheiten gibt es, wenn ich Lehrer werden möchte?

Hier ist es ganz besonders wichtig, seine eigenen Vorstellungen von dem Beruf mit der Realität zusammenzubringen. Wenn man direkt nach dem Abitur anfängt, auf Lehramt zu studieren, vollzieht man einen krassen Rollenwechsel. Man ist plötzlich derjenige, der vor einer Klasse steht. Viele haben keine Vorstellung davon, wie viel man für eine Unterrichtsstunde vorbereiten muss. Deshalb sollte man sich vor allem fragen, ob man in der Lage ist, diesen Rollenwechsel zu vollziehen - mit allem, was dazugehört.

Wie kann man das denn herausfinden?

Neben der persönlichen Beratung an Universitäten kann man auch Tests machen, bei denen man sich selbst einschätzt. Man sollte aber nicht nur auf die Selbsteinschätzung vertrauen, sondern auch mit anderen darüber sprechen. Meinen meine Freunde, dass ich unterrichten kann? Wie schätzt meine Familie das ein?

Wenn ich mich entschieden habe, Lehrer zu werden: Wie läuft das Studium ab?

Das hängt von der Uni, von der Schulform, dem Bundesland und natürlich auch von den Fächern ab. An der Uni Potsdam wählt man im Bachelorstudium zwei Fächer aus und hat zusätzlich noch weitere Kurse, zum Beispiel in den Fächern Bildungswissenschaften oder Pädagogik. Welche Fächer man kombinieren kann, sollte man bei der Uni erfragen, bei der man sich bewirbt. Nach dem Bachelorstudium folgen dann im Bundesland Brandenburg noch ein Masterstudium und der sogenannte Vorbereitungsdienst in der Schule. Der Bewerbungsschluss ist bei uns für das Wintersemester der 15. Juli, auch hier sollte man sich bei der jeweiligen Uni informieren.

Wie wählt man seine Fächerkombination aus?

Zum einen sollte man hier natürlich nach den eigenen Interessen schauen. Wenn man schon in der Schule den anderen immer die Matheformeln erklärt hat, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass Mathe eine gute Wahl ist. Allerdings gibt es auch noch andere Faktoren. Wenn ich zum Beispiel Deutsch und Englisch studiere, habe ich zwei Korrekturfächer. Das heißt: Ich muss sehr viele Arbeiten schreiben lassen und hinterher korrigieren. Außerdem sollte man auch schauen, in welchen Fächern Bedarf an neuen Lehrern herrscht. Hier bekommt man dann später vielleicht schneller eine feste Anstellung. Aber auch bei diesem Thema kann man sich bei den Unis beraten lassen!

Was, wenn man merkt, dass man sich falsch entschieden hat?

Das passiert vielen. Besonders bei den Fächern Mathe und Physik wechseln viele nach ein, zwei Semestern, weil sie sich das Studium anders vorgestellt haben. Es ist nicht schlimm, sich umzuorientieren. Man sollte sich einfach nur gut informieren und eine bewusste Wahl treffen.

Eine Übersicht zu den Wegen ins Lehramt in den einzelnen Bundesländern findest du auch hier und hier.

Lehramtsstudiengänge im Überblick:

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