"Man muss sich auch auf Mathe und Co. einlassen können"

Du möchtest Biologie studieren oder eine Ausbildung machen? Wir haben mit einer Expertin gesprochen

"Man muss sich auch auf Mathe und Co. einlassen können"

"Du willst Biologie studieren? Damit hast du keine Chance". Diesen Satz hat Kerstin Elbing als Abiturientin häufiger gehört. Heute hat sie einen Doktortitel und arbeitet beim Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO). Wir haben mit ihr über das Biologiestudium gesprochen und welche Ausbildungsmöglichkeiten es in den Biowissenschaften gibt.

Frau Elbing, warum haben Sie sich entschieden, Biowissenschaften zu studieren?

Mich hat das damals einfach am meisten interessiert, auch wenn mir viele Leute davon abgeraten haben. Die Biowissenschaften sind sehr spannend, weil sie sehr vielfältig sind. Es geht um ganz große Fragen, von der Erforschung von Krankheitsmechanismen bis hin zur Biodiversitätforschung. Dabei wird man – etwa bei Tierversuchen – immer wieder mit der Frage konfrontiert „Was soll man tun, was soll man lassen?“

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es denn in diesem Bereich?

Wenn man sich für ein Studium entscheidet, kann man an Universitäten oder Fachhochschulen einen Bachelor-Studiengang Biologie belegen. Der bietet dann die Grundlage, um über Master- und Doktorarbeit in die biowissenschaftliche Forschung einzusteigen. Oder man entscheidet sich für eine betriebliche oder schulische Ausbildung. Biologisch-technische Assistenten (BTA) und Biologielaboranten starten sehr schnell in die Praxis. Während Biologielaboranten von einem Betrieb oder Forschungslabor ausgebildet werden, findet die Ausbildung für die BTA an speziellen Schulen statt.

Für wen ist eine Ausbildung oder ein Studium in den Biowissenschaften das Richtige?

An erster Stelle steht natürlich ein möglichst breites Interesse an den Biowissenschaften. Man sollte sich aber auch auf die anderen Naturwissenschaften einlassen können. Grundkenntnisse in Mathe, Physik und Chemie sind für jeden Biowissenschaftler notwendig, auch wenn man diese Fächer vielleicht weniger gerne macht als Bio. Wer in den Biowissenschaften tätig ist, darf keine Angst vor technischen Geräten haben und muss in der Lage sein, sehr genau zu arbeiten. Außerdem sollte man teamfähig und kooperativ sein – denn der „einsame Forscher in seinem Labor“ ist eine Legende.

Wie unterscheiden sich die Ausbildungs- und Studiengänge fachlich?

Die BTA-Ausbildung ist recht anspruchsvoll, das sollte man nicht unterschätzen. Sie vermittelt nicht nur die wesentlichen theoretischen Zusammenhänge, sondern auch deutlich mehr Laborpraxis, als dies Bachelor-Studiengänge vermögen. Wer selbstständig in der Forschung tätig werden will, braucht aber in jedem Fall ein biowissenschaftliches Studium. Allerdings verschwimmen die Grenzen zwischen Ausbildung und Studium immer mehr. So absolvieren auch viele BTA noch ein biowissenschaftliches Studium.

Wie kann man herausfinden, was das Richtige ist?

Am besten redet man natürlich mit mit BTA, Biologielaboranten oder studierten Biowissenschaftlern. Die können dann von ihrer Arbeit erzählen. Berufsmessen sind auch eine gute Möglichkeit, sich zu informieren. Von dem Verband, für den ich tätig bin, gibt es außerdem eine Broschüre, in der wir alle Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten noch einmal aufgeführt haben.

Und jetzt?

Web-Adresse: https://blicksta.de/man-muss-sich-auch-auf-mathe-und-co-einlassen-koennen.html
© blicksta 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Medienfabrik Gütersloh GmbH