„Man wird ganz schnell von frechen Waschbären beklaut“

Andrea erzählt von ihrem Auslandsaufenthalt in Costa Rica - Teil 2

„Man wird ganz schnell von frechen Waschbären beklaut“

Andrea Willeke, 19, war nach dem Abitur für drei Monate in Costa Rica, in dem kleinen Ort Puerto Viejo an der Karibikküste. Im ersten Teil ihres Berichts hast du erfahren, wie sie die Reise organisiert hat und wie sich das Leben in Costa Rica von dem in Deutschland unterscheidet. Dies ist nun Teil 2.

Was sollte man in Costa Rica unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Ich kann Costa Rica wirklich nur jedem ans Herz legen! So eine vielfältige Flora und Fauna habe ich bislang noch nie gesehen. Besonders begeistert war ich von der Lebensfreude an der Karibikküste, wo ich die meiste Zeit verbracht habe. Da diese Region stark afroamerikanisch beeinflusst ist, trifft man dort auf die pure Rastafari-Kultur voller Lebensfreude - oder wie die Einwohner (die Ticos) dort sagen: "Pura Vida". Wenn man eine längere Zeit an diesem Ort verbringt, merkt man, dass einfach jeder – egal ob arm oder reich – glücklich und zufrieden ist und dass andere Dinge im Leben zählen als ein teures Auto oder ein großes Haus.

Die Strände dort in der Umgebung sind auch einfach traumhaft – am besten hat mir der Punta Uva gefallen. Direkt hinter dem Strand liegt ein atemberaubender Regenwald. Dort habe ich eine kleine Kakaoplantage besucht, die von einer Schweizer Familie betrieben wird, und eine „Schokotour“ gemacht. Auf der habe ich erfahren, wie Schokolade traditionell von Hand hergestellt wird.

Und wie war es auf der östlichen Seite, an der Pazifikküste?

Dort kann ich unter anderem die südliche Osa-Halbinsel empfehlen, auf der man bunten Aras und großen Krokodilen begegnet. Ein weiteres Highlight der Pazifikküste ist der Nationalpark Manuel Antonio. Der ist wegen seiner Schönheit zwar meist ziemlich überfüllt, aber seine Strände sind definitiv einen Besuch wert! Allerdings darf man seine Sachen am Strand nicht aus den Augen lassen. Man wird sonst ganz schnell von frechen Waschbären beklaut

Eine weitere Facette Costa Ricas sind die zahlreichen Vulkane, zum Beispiel Arenal bei La Fortuna. Der Anblick dieses (zum Teil aktiven!) Vulkans ist einfach atemberaubend! In La Fortuna habe ich außerdem Canopy ausprobiert. Dabei flitzt man mit Seilbahnen durch die Baumkronen der Regenwaldriesen – das muss man gemacht haben! Ein weiteres Highlight in der Nähe von La Fortuna ist der Rio Celeste, ein strahlend blauer Fluss mit einem Wasserfall.

Ich kann nur jedem empfehlen, genug Zeit einzuplanen, um die Vielfalt und Schönheit Costa Ricas erkunden zu können.

Was war das absolute Highlight?

Mein absolutes Highlight war auf jeden Fall die Möglichkeit, in eine ganz andere Welt einzutauchen und sich von dem "Pura Vida"-Gedanken der Ticos mitreißen zu lassen. Denn dadurch habe ich gelernt, dass im Leben nicht immer alles perfekt geplant sein muss, sondern dass man einige Dinge einfach auf sich zukommen lassen sollte! Wirklich wunderschön waren natürlich die ständige Sonne und die Wärme, die mir in Deutschland ziemlich fehlt.

Gibt es ein Erlebnis, das nicht so schön war?

Nein, eigentlich nicht. Einige Ausflüge waren zwar ziemlich beschwerlich, aber das Leiden war spätestens am atemberaubenden Ziel wieder komplett vergessen.

Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Was Costa Rica betrifft, wurden meine Erwartungen eindeutig übertroffen! Allerdings wurde ich von meiner Organisation zum Teil etwas enttäuscht. In der Schule hätte ich mir zum Beispiel mehr zu tun gewünscht. Ich habe drei Wochen vor den Ferien dort angefangen, aber komischerweise mussten zu dem Zeitpunkt nur sehr wenige Kinder jeden Tag zum Unterricht. Dadurch hatte ich sehr wenig zu tun. Zudem ist die Schule, in der ich gearbeitet habe, meiner Meinung nach nicht auf die Arbeit der Freiwilligen angewiesen. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass es nur eine Beschäftigungstherapie für die Freiwilligen ist ...

Ich werde aber auf jeden Fall ein zweites Mal nach Costa Rica sowie in andere Länder Mittelamerikas reisen. Das Land hat mich einfach fasziniert! Jetzt traue mir auch zu, die nächste Reise selbst zu planen.

Würdest du im Nachhinein irgendetwas anders machen?

Wie bereits erwähnt, würde ich in Zukunft auf eigene Faust losreisen. Für die erste Reise war es jedoch gut, immer einen Ansprechpartner zu haben und nicht auf sich alleine gestellt zu sein.

Hast du einen Tipp für alle, die ein Gap-Year planen?

Allen, die vielleicht noch überlegen, ob sie ins Ausland gehen sollten, kann ich nur sagen: Macht es einfach! Denn meiner Meinung nach gibt es nichts Schöneres, als eine neue Kultur kennenzulernen und ein anderes Fleckchen Erde zu entdecken. Man entwickelt sich auf solch einer Reise weiter und bekommt einen ganz neuen Blickwinkel auf viele Dinge. Mein Tipp: Wenn ihr auch nur irgendwie die Möglichkeit habt, ein Gap Year zu machen, macht es! Überlegt euch vorher gut, ob ihr die Reise mit einer Organisation planen wollt oder ob ihr euch das Geld lieber spart.

Wie ging es bei dir nach dem Gap Year weiter?

Ich habe erst einmal ein dreimonatiges Praktikum in einem Krankenhaus gemacht und jetzt angefangen, Medizin zu studieren. Ich war vor meinem Auslandsaufenthalt etwas unsicher, was ich studieren soll. Dadurch, dass ich in Costa Rica viel Zeit zum Nachdenken hatte und auch die Meinungen von ganz unterschiedlichen Menschen einholen konnte, wurde ich in meiner Entscheidung allerdings bestärkt und habe gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist.

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