"Mein Jahr in den USA war ein voller Erfolg!"

Maike Heidemann (20) war ein Jahr lang Schülerin an einer amerikanischen Highschool

"Mein Jahr in den USA war ein voller Erfolg!"

Maike Heidemann (20) war ein Jahr in den USA. Sie hat dort eine Highschool besucht und während der Zeit bei einer Gastfamilie gelebt. Organisiert wurde das Ganze von Youth for Understanding (YFU). Im Interview berichtet Maike uns von ihren Erfahrungen.

Warum wolltest du ins Ausland?

Mein Ziel war es, eine Sprache fließend sprechen zu lernen und eine andere Kultur kennenzulernen. Außerdem habe ich es als Herausforderung betrachtet: Ich wollte selbstständig in einem mir ganz fremden Umfeld zurechtkommen.

Wo warst du genau?

Ich war in der Stadt Worthington, das liegt im Bundesstaat Ohio.

Warum hast du dich gerade für die USA und Youth for Understandig entschieden?

Ich habe mich für die USA entschieden, weil für mich als Sprache zu dem Zeitpunkt nur Englisch in Frage kam und der Austausch dorthin - im Vergleich zu anderen Ländern - sehr günstig ist. Außerdem habe ich schon viel über die Kultur dort gehört und gesehen und wollte herausfinden, ob die amerikanischen Filme die Wahrheit widerspiegeln. Youth for Understanding (YFU) habe ich gewählt, weil es eine der größten gemeinnützigen Austauschorganisationen ist. Das heißt, das Ziel der Organisation ist es nicht, Gewinn zu erzielen, sondern jungen Menschen eine andere Kultur näher zu bringen. Zudem konnte ich nach meinem Gap-Year ehrenamtlich bei YFU mitarbeiten. Das mache ich heute noch.

Was machst du dort?

Ich kann mich, immer wenn ich Zeit habe, für Events eintragen. Das sind zum Beispiel Treffen für Austauschschüler in Deutschland während ihrer Zeit hier, Vor- und Nachbereitungstagungen für deutsche Austauschschüler oder Sprachkurse. Außerdem besuche ich Familien in Deutschland und prüfe, ob sie für Austauschschüler geeignet sind.

Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Den Aufenthalt haben mir zum größten Teil meine Eltern finanziert. Außerdem hatte ich mir vorher etwas Taschengeld angespart. Arbeiten durfte ich in den USA nicht, da ich nur ein Schülervisum und kein Arbeitsvisum hatte.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?

Die Lebenshaltungskosten in den USA sind ähnlich wie hier. Kleidung, zum Beispiel Jeans, sind vergleichsweise günstig. Dafür sind Lebensmittel, die für uns in Deutschland ganz selbstverständlich sind, wie Gouda oder frisches Brot, eher teuer. Außerdem war es bei mir so, dass meine Freunde häufig in Fast Food-Läden gegessen haben. Wenn man immer mitgeht, herrscht schnell Ebbe im Portemonnaie. Aber die Entscheidung liegt ja bei jedem selber.

Wie hast du den Aufenthalt organisiert?

YFU hat mich dabei komplett unterstützt. Ich musste mich zuerst bei der Austauschorganisation bewerben, aber danach wurde mir viel abgenommen. Ich wurde benachrichtigt, als ich mich um ein Visum kümmern musste. Zur Botschaft nach Frankfurt musste ich dann allerdings selber fahren. Die Gastfamiliensuche und die Flugbuchungen liefen komplett über YFU. Die Organisation veranstaltet sogar vorher, nachher und während des Austausches Treffen mit anderen Austauschschülern. Wenn man mit der Gastfamilie nicht zurecht kommt, sucht die Organisation nach einer neuen. Nachdem ich den Platz bei YFU hatte, lief also alles fast wie von alleine.

Hattest du bestimmte Aufgaben in deiner Gastfamilie?

Im Haushalt hatte ich kaum Aufgaben. Ich war ja ein „Gastkind“, keine Arbeiterin. Kleinere Aufgaben, wie mein Zimmer saugen oder die Spülmaschine ausräumen, musste ich schon ab und zu übernehmen.

Wie sah ein typischer Tag aus?

Mein typischer Tag fing mit dem Aufstehen um halb sieben an. Zur Schule hat mich meine Gastmama immer gebracht, mit dem Fahrrad fährt in Amerika niemand. In der Schule hatte ich jeden Tag den gleichen Stundenplan. Die Kurse konnte ich am Anfang frei wählen, es gab ein extrem vielseitiges Angebot. Ich hatte typische Kurse wie Mathe, aber auch richtig coole Kurse wie "Native American Studies" (also sozusagen „Indianerkunde“), Töpfern oder Fotografie. Der Unterricht ging von 8 bis 15 Uhr, danach konnte ich an freiwilligen Aktivitäten teilnehmen. Im ersten Quartal habe ich an vier Tagen nach der Schule noch Marchingbandprobe gehabt. Marchingbands sind Blasorchester, in denen die Mitglieder im Takt der Musik marschieren. Freitags sind wir während der Halbzeitpause der Highschool-Footballspiele aufgetreten und am Wochenende hatten wir Wettkämpfe. Im dritten Quartal hatte ich jeden Tag nach der Schule Lacrossetraining.

Was ist Lacrosse?

Lacrosse ist ein Teamsport. Das Spiel selber ist Hockey sehr ähnlich, nur dass der Ball anstatt auf dem Boden mit Schlägern, in der Luft mit Netzen gespielt wird. Auf dem Platz sind pro Team 12 Spieler, die jeweils einen Schläger mit einem Netz am Ende haben. Der Ball kann mit den Netzen gefangen, aufgenommen oder gepasst werden. Wie beim Hockey gibt es ein kleines Tor und das Ziel des Spiels ist es, das gegnerische Tor zu treffen. Mir hat sehr geholfen, dass ich Deutschland vorher Fußball gespielt habe, denn die Taktik lässt sich auch auf Lacrosse übertragen. Es gibt auch beim Lacrosse einen Torwart, die Verteidigung, Mittelfeldspieler und Stürmer.

Was war die größte Umstellung im Vergleich zu Deutschland?

Die größte Umstellung war, dass es in den USA nicht üblich ist, irgendwohin mit dem Bus oder dem Fahrrad zu fahren. Ich war also immer auf meine Gasteltern oder auf Freunde mit Auto oder Führerschein angewiesen. Außerdem habe ich typisch deutsche Einkaufsstraßen zum „bummeln“ vermisst. In den USA gibt es nur riesige Shopping-Center.

Hattest du Probleme mit der Sprache?

Nein, an das Englisch habe ich mich schnell gewöhnt und irgendwann habe ich sogar auf Englisch geträumt.

Was sollte man in dem Land oder der Region, in dem du warst, unbedingt gesehen oder gemacht haben?

In Ohio sollte man unbedingt mal Hocking Hills, einen Nationalpark, gesehen haben und man sollte die Niagarafälle besichtigen. Ansonsten gibt es wahnsinnig viele Städte wie New York, Orlando in Florida, Washington DC oder Los Angeles in Kalifornien, die sich als Ausflugsziel total anbieten.