Muss ich unbedingt studieren?

Die Dienstagsfrage vom 20. September 2016

Muss ich unbedingt studieren?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage. Wenn du auch eine Frage hast, melde dich gerne unter dienstagsfrage@blicksta.de bei uns!

Muss man unbedingt ein Studium machen? Meine Eltern wollen das, aber ich will nach dem Abi eigentlich lieber eine Ausbildung zur Bankkauffrau machen.

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Nein, du musst auf keinen Fall unbedingt studieren. Und du solltest auch nicht um jeden Preis ein Studium machen, nur weil du Abitur hast. Denn vielleicht ist eine Berufsausbildung für dich sogar die bessere Wahl auf dem Weg zu deinem Traumjob. Deine Eltern wollen sicher nur das Beste für dich. Aber am Ende musst du ganz allein wissen, was dich wirklich interessiert und welchen Weg du einschlagen willst. Wir erklären dir, welche Vor- und Nachteile ein Studium und eine Ausbildung jeweils mit sich bringen und worauf du bei deiner Entscheidung achten solltest.

Für wen ist ein Studium das Richtige?

Studieren ist etwas für diejenigen, die sich gerne tiefgehend mit einem Thema beschäftigen. Je nach Studienfach geht es im Grunde darum, Dinge zu erforschen und sie voll und ganz zu verstehen. Ein Studium bereitet dich also oft nicht auf einen bestimmten Beruf vor. Wenn du zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften studierst, lernst du, wirtschaftliche Vorgänge und Phänomene zu erklären. Du wüsstest aber noch nicht konkret, was du in einem Unternehmen später zu tun hättest.

Doch es gibt auch einige Studiengänge, die dich tatsächlich auf bestimmte Berufe vorbereiten. Wenn du zum Beispiel auf Lehramt studierst, dann ist klar, dass du später Lehrer wirst. Erdkundige dich hier, welche Studiengänge es sonst noch so gibt.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Studiums?

Ein Studium vermittelt neben dem fachlichen Wissen auch Fähigkeiten, die man in vielen Berufen unbedingt braucht. Zum Beispiel die Fähigkeit, eigenständig zu denken und zu arbeiten oder auch Probleme zu analysieren und selbstständig zu lösen. Zum einen weißt du also viel auf deinem Gebiet, außerdem kann man dir ruhig schwierige Aufgaben überlassen. Für Arbeitgeber macht dich das zu einem wertvollen Mitarbeiter. In einigen Berufen ist ein abgeschlossenes Studium sogar Grundvoraussetzung. Mit einem Studium in der Tasche hast du es später auch oft leichter, eine Führungsposition einzunehmen. Und außerdem ist das Risiko insgesamt geringer, später mal arbeitslos zu sein. Auf dieser Seite der Justus-Liebig-Universität Gießen erfährst du nochmal mehr darüber, was ein Studium eigentlich ist – und was nicht.

Übrigens: Während des Studiums verdienst du normalerweise noch kein eigenes Geld. Wenn du an deinen Bachelor-Abschluss noch ein Master-Studium anschließen willst, hast du also fünf Jahre lang noch kein richtiges Einkommen – das ist eine ganz schön lange Zeit! Eine Ausnahme ist hier das duale Studium, wo du parallel zum Studium schon in einem Betrieb arbeitest und Geld verdienst. Mehr dazu erfährst du weiter unten.

Für wen eignet sich eine Ausbildung?

Wer nach der Schule genug von reiner Theorie hat und so schnell wie möglich ins Berufsleben starten will, für den ist eine Ausbildung oft am besten geeignet. Eine Ausbildung bereitet dich auf einen konkreten Beruf vor.

Du lernst dabei alles, was du für den Job später wissen musst. In der Ausbildung zur Bankkauffrau bringt man dir zum Beispiel bei, was beim Einrichten eines Girokontos zu beachten ist, wie man Kontoführungsgebühren berechnet oder wie du deine Kunden bei ihrer Geldanlage richtig berätst. Aber es bleibt nicht nur beim Lernen. In einer Ausbildung wendest du dein Wissen auch direkt an: Bei einer betrieblichen bzw. dualen Berufsausbildung arbeitest du schon während deiner gesamten Ausbildungszeit in einem Betrieb und besuchst außerdem die Berufsschule. Daneben gibt es auch noch schulische Ausbildungen, bei denen du die meiste Zeit an der Berufsschule lernst, zwischendurch aber viele Praktika machst. Welche Ausbildungsberufe es sonst noch gibt, erfährst du hier.

Was sind die Vor- und Nachteile einer Ausbildung?

Die Vorteile einer Berufsausbildung liegen klar auf der Hand: Zum einen ist sie praxisorientiert. Du tust in der Ausbildung schon das, was du später im Job auch machen wirst. Dabei sind deine Aufgaben oft klar vorgegeben – du weißt also, woran du bist. Außerdem bekommst du schon dein eigenes Gehalt. Das Geld reicht am Anfang zwar oft noch nicht aus, um ganz davon leben zu können. Aber immerhin macht es dich finanziell unabhängiger. Und meist klappt mit einer abgeschlossenen Ausbildung auch der Berufseinstieg schneller. Oft werden Auszubildende von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen.

Auch Karriere machen ist mit einer Ausbildung möglich, allerdings sind die Aufstiegsmöglichkeiten ohne Studium oft eingeschränkt. Wenn du später nicht überwiegend im gleichen Tätigkeitsbereich arbeiten willst, solltest du daher Weiterbildungen machen. So kannst du zum Beispiel in handwerklichen Berufen zum Meister aufsteigen und dich dann selbstständig machen.

Und wie finde ich jetzt heraus, was am besten zu mir passt?

Wenn du noch nicht weißt, ob du eine Ausbildung oder ein Studium machen sollst, dann mach erst mal den blicksta-Orientierungstest! Außerdem können dir die folgenden Fragen bei der Entscheidung helfen. Trotz der gut gemeinten Ratschläge von deiner Familie oder Freunden musst du am Ende ganz allein die Entscheidung treffen, welchen beruflichen Weg du gehen willst. Und das ist auch gut so - schließlich möchtest du nicht etwas machen, was eigentlich gar nicht dein Ding ist

  • Wofür interessierst du dich und was kannst du gut?
  • Magst du es zu lernen und ständig dein Wissen zu erweitern?
  • Oder arbeitest du lieber praktisch?
  • Brauchst du klar vorgegebene Aufgaben oder arbeitest du auch gerne eigenständig?
  • Weißt du schon, welchen Beruf oder welche Tätigkeiten du später gerne ausüben würdest?
  • Brauchst du dafür eine Ausbildung oder ein Studium?
  • Wo könntest du diese Ausbildung oder dieses Studium machen?
  • Welche Voraussetzungen (z.B. Noten) gibt es für diese Ausbildung bzw. dieses Studium? Erfüllst du sie?
  • Welche finanziellen Möglichkeiten hättest du während einer Ausbildung bzw. eines Studiums? Könnten deine Eltern dich unterstützen? Bekämst du Ausbildungshilfe oder BAföG?

Die dritte Option: Nicht entweder Ausbildung oder Studium, sondern beides!

Du hast auch die Möglichkeit, sowohl eine Ausbildung als auch ein Studium zu machen. Das bietet sich vor allem an, wenn du in deinem Job später Karriere machen willst. Es gibt drei verschiedene Varianten:

  • Ein duales Studium: Ausbildung und Studium laufen parallel und sind aufeinander abgestimmt.
  • Erst Ausbildung, dann Studium: Nachdem du also praktisch ausgebildet worden bist, vertiefst du im Studium dein Expertenwissen.
  • Erst Studium, dann Ausbildung: Ist zum einen bei angehenden Redakteuren, also in der Medienbranche üblich – die Ausbildung heißt dort Volontariat. Aber auch einige Unternehmen bieten Ausbildungen für Studienabsolventen an. Als Trainee durchläufst du dann verschiedene Abteilungen eines Unternehmens, um alle Arbeitsabläufe kennenzulernen.

Bei einem dualen Studium kombinierst du die Vorteile einer Ausbildung und eines Studiums, ohne Zeit zu verlieren: Zum einen arbeitest du in einem Betrieb, lernst alle wichtigen Arbeitsabläufe kennen und verdienst schon. Gleichzeitig vertiefst du an einer Hochschule dein theoretisches Wissen, das du dann direkt im Betrieb anwenden kannst.

Du solltest dir aber genau überlegen, ob ein duales Studium wirklich für dich geeignet ist. Denn die Arbeitsbelastung ist insgesamt natürlich höher als bei einer reinen Ausbildung oder einem reinen Studium. So kann es sein, dass du am Wochenende noch in die Hochschule musst, weil du unter der Woche im Betrieb arbeitest. Wenn du gerne ein duales Studium machen möchtest, solltest du dich rechtzeitig informieren und bald entscheiden. Denn diese Art der Ausbildung ist so beliebt, dass es meist viel mehr Bewerber als Studienplätze gibt, die von Betrieben und Hochschulen angeboten werden können. Hier bekommst du weitere Infos rund um das duale Studium – vom richtigen Bewerben bis zu internationalen Studienmöglichkeiten.

Du kannst dich auch entscheiden, erst eine Ausbildung und anschließend ein Studium zu machen. Bei dieser Variante hast du insgesamt einfach mehr Zeit, erst die nötigen praktischen Kenntnisse für einen Job zu erwerben und dann dein theoretisches Wissen zu vertiefen. Vor allem bei Banken oder im Dienstleistungsbereich ist dieser Ausbildungsweg üblich: So machst du erst eine Ausbildung zur Bankkauffrau und setzt dann zum Beispiel noch ein Studium der Volkswirtschaftslehre obendrauf. Aber Achtung: Insgesamt dauert es bei dieser Variante auch umso länger, bis du so richtig ins Berufsleben starten kannst – nämlich mindestens sechs Jahre. Aber am Ende hast du, genauso wie beim dualen Studium, ziemlich gute Berufsaussichten. Natürlich kannst du nach der Ausbildung auch erst mal arbeiten und später noch studieren.

Ein etwas ungewöhnlicher Ausbildungsweg ist es, nach dem Abitur erst zu studieren und dann noch eine Ausbildung dranzuhängen. Diese Variante ist einerseits bei angehenden Redakteuren oder ähnlichen Jobs im kreativen Bereich üblich. Denn für diese Berufe muss man meist sowohl studiert haben, aber unbedingt auch relevante Praxiserfahrungen vorweisen können. Daher geht es für viele nach dem Studium noch in eine ein- bis zweijährige Ausbildungszeit –„Volontariat“ genannt – bevor man voll ins Berufsleben einsteigt. Aber auch Unternehmen bieten Studienabsolventen die Möglichkeit, zunächst eine Art Ausbildung zu durchlaufen und die Arbeit kennenzulernen, bevor man so richtig einsteigt. Als „Trainee“ durchläufst du in ein bis zwei Jahren verschiedene Bereiche des Unternehmens und lernst alle wichtigen Arbeitsabläufe kennen. Bei allen Fragen steht dir ein Betreuer zur Seite.

Und jetzt?


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