Muss man zu Beginn des Studiums wissen, was man arbeiten will?

Die blicksta-Dienstagsfrage

Muss man zu Beginn des Studiums wissen, was man arbeiten will?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage. Wenn du auch eine Frage hast, melde dich gerne unter dienstagsfrage@blicksta.de bei uns!

Ich will Germanistik studieren, weiß aber noch nicht, welchen Beruf ich mal haben will. Meine Eltern meinen, ich müsste das vorher wissen. Stimmt das?

Wichtig ist, dass du dich nicht zu früh unter Druck setzen lässt. Natürlich ist es deinen Eltern wichtig, dass du eine gute Ausbildung hast und später einfach einen Beruf findest. Allerdings sollten sich auch deine Eltern darüber im Klaren sein, dass ein Studium in vielen Fällen nicht direkt auf einen bestimmten Beruf vorbereitet.

Unterschied zwischen Studium und Ausbildung

Das ist besonders bei Studiengängen so, die zu den Geistes- und Sozialwissenschaften gehören - wie Germanistik. Du lernst im Studium viel Hintergrundwissen und die Fähigkeit, analytisch und wissenschaftlich an Probleme heranzugehen. Das sind Dinge, die man in vielen Berufen braucht. Das praktische Arbeiten lernt man aber eher im Beruf selbst, zum Beispiel bei Praktika oder während eines Traineeprogramms nach dem Studium.

Das ist auch ein Hauptunterschied zur Ausbildung: Dort lernst du einen konkreten Beruf und ganz praktisch die Dinge, die du später auch brauchst. In manchen Studiengängen wie Jura oder Medizin ist es ähnlich - da weiß man schon vorher klarer, wo es beruflich hingeht. Den Unternehmen ist das übrigens absolut bewusst und keiner erwartet von Praktikanten oder Berufseinsteigern, dass sie schon alles perfekt können. Viel wichtiger sind dein theoretisches Hintergrundwissen und die Fähigkeiten, die du während des Studiums gelernt hast.

Besonders für diejenigen, die nicht studiert haben, ist das eine komische Vorstellung - mit einem Studium zu beginnen, ohne schon zu wissen, welchen Beruf man später ausüben möchte. Wenn das bei deinen Eltern auch so ist, hilft es vielleicht, wenn ihr euch gemeinsam über das Studium informiert oder mit Leuten sprecht, die selbst etwas Ähnliches studiert haben. Es gibt auch spezielle Gruppen für Leute, die als erstes in ihrer Familie studieren - dort könnt ihr euch bestimmt auch informieren. Hier gibt es ein Interview mit einer Mentorin von Arbeiterkind zu dem Thema.

Verschiedene Bereiche kennenlernen - auch außerhalb des Studiums!

Da es im Studium eher darum geht, Hintergrundwissen zu sammeln - und zwar aus ganz verschiedenen Bereichen - gibt es auch keine konkrete Liste von Berufen, die man nur mit dem Germanistik-Studium machen kann. Erst mal ist fast alles möglich - es kommt darauf an, für welchen Bereich du dich interessierst. Und an diesem Punkt haben deine Eltern auch ein bisschen recht: Du solltest versuchen, früh im Studium herauszufinden, welchen Bereich du spannend findest. Wenn du das jetzt noch nicht weißt, ist das nicht schlimm. Im Studium wirst du bald verschiedene Bereiche der Germanistik kennenlernen.

Sobald du einen spannenden Bereich gefunden hast, ist es hilfreich, sich darauf zu fokussieren. Zum Beispiel, indem du Praktika in passenden Unternehmen und Abteilungen machst oder dir passende Nebenfächer aussuchst. Merkst du zum Beispiel, dass dir Vorlesungen und Seminare zu Dramen besonders gut gefallen und du dich gerne damit beschäftigst? Dann versuch doch mal, ein Praktikum in einem Theater zu machen. Du kannst meistens auch deinen Studienschwerpunkt selbst bestimmen, indem du bestimmte Vorlesungen wählst. Vielleicht machst du nach einem eher allgemeinen Bachelor auch noch einen Master in einem anderen Bereich oder mit einem bestimmten Schwerpunkt.

Wenn du erst nach deinem Studium anfängst, dir Gedanken zu machen, in welchem Bereich du arbeiten möchtest, ist es tatsächlich etwas spät. Deshalb fang am besten frühzeitig schon während des Bachelor-Studiums damit an.

Möglichkeiten mit Germanistik

Auch wenn es keine klaren Berufe gibt, die du im Germanistik-Studium lernst - ein paar Bereiche, in denen du mit dem Studium gut arbeiten kannst, gibt es schon.

Viele Germanisten arbeiten natürlich in Berufen, in denen die Sprache wichtig ist - zum Beispiel in PR und Öffentlichkeitsarbeit, Journalismus und Verlagswesen, Lektorat oder Werbung. Das Studium der Germanistik eignet sich auch, um anderen Leuten deutsch beizubringen. Das geht nicht nur an normalen Schulen, sondern zum Beispiel auch in der Erwachsenenbildung oder als Deutschlehrer im Ausland oder für Menschen, die in Deutschland die Sprache lernen möchten (zum Beispiel Geflüchtete).

Dann gibt es noch die Möglichkeit, an der Uni zu bleiben. Dann arbeitest du als Wissenschaftler in der Forschung im Bereich Germanistik - denn geforscht wird an den Unis in allen Fächern, nicht nur in Bio und Chemie, wie du es vielleicht aus der Schule kennst.

Beliebte Arbeitgeber für Germanisten sind außerdem öffentliche Institutionen wie Parteien, Stiftungen oder sogenannte NGOs (Nichtregierungsorganisationen), das sind zum Beispiel Amnesty International oder Greenpeace.

Natürlich kannst du mit einem Germanistik-Studium auch in die Wirtschaft gehen. Bei einigen großen Unternehmen gibt es sogar spezielle Trainee-Programme für Geisteswissenschaftler, da immer mehr Unternehmen entdecken, dass es super ist, wenn nicht nur Leute, die BWL studiert haben, dort arbeiten.

Und jetzt?

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