"Nörgeleien und Beschwerden über jede Kleinigkeit gibt es nicht"

Marina, 18, hat ein Auslandsjahr in Costa Rica gemacht

"Nörgeleien und Beschwerden über jede Kleinigkeit gibt es nicht"

Marina Fuhrmann, 18, war während ihrer Schulzeit ein Jahr im Ausland. Während der zehnten Klasse ist sie in San José in Costa Rica zur Schule gegangen. Derzeit absolviert sie ein duales Studium bei Bertelsmann im Bereich International Management mit gleichzeitiger Ausbildung zur Industriekauffrau. Im Interview mit blicksta berichtet sie von ihren Erfahrungen im Auslandsjahr in Costa Rica.

Marina, wie hast du dein Auslandsjahr organisiert?

Über die Organisation „Experiment e.V.“, eine gemeinnützige Organisation, die Schuljahre im Ausland, Freiwilligendienste, Au-pair-Aufenhalte und vieles mehr anbietet.

Warum wolltest du ins Ausland?

Ich wollte ins Ausland, weil ich mich schon immer für fremde Kulturen interessiert habe und neue Sprachen (in diesem Fall Spanisch) lernen wollte. Außerdem finde ich die Möglichkeit, in einer Familie zu leben und deren Alltag kennenzulernen, am besten, um die Kultur aus deren Sicht und nicht nur touristisch zu erleben.

Und wie kamst du auf das konkrete Land und Programm?

Ich habe mich für ein Auslandsjahr in Costa Rica entschieden, da mir europäische Länder und die USA zu „Mainstream“ waren und ich gerne Spanisch lernen wollte. Außerdem gefiel mir die Tatsache, dass Costa Rica ein kleines Land ist, das aber trotzdem eine große Vielfalt zu bieten hat – Regenwälder, Karibikküste, Pazifikküste, Vulkane, tropische Inseln, Städte, Wälder,...
Für "Experiment" habe ich mich entschieden, da es eine gemeinnützige Organisation ist, die also nicht auf Profit aus ist und weil ich dort ein Stipendium erhalten habe.

Stichwort Finanzierung: Wie hast du deinen Auslandsaufenthalt finanziert?

Ich habe über "Experiment" ein Teilstipendium erhalten und musste so nur noch einen geringeren Teil selbst finanzieren. Der Rest wurde aus Ersparnissen meiner Familie bezahlt.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?

Im Vergleich zu Deutschland sind natürlich die Löhne geringerer, allerdings fällt auf, dass zum Beispiel Benzin und öffentliche Verkehrsmittel sehr günstig sind, während Milchprodukte und Fleisch ziemlich teuer sind. Wenn man sich einmal an die Essgewohnheiten gewöhnt hat, kann man sein Geld dann eigentlich gut einteilen und für kleinere Reisen und Ausflüge ausgeben.

Wie hast du den Aufenthalt organisiert? Was musstest du dabei alles bedenken?

Den Großteil der Organisation hat "Experiment" übernommen, ich musste nur mein Visum selbst beantragen und dann zum passenden Zeitpunkt am Flughafen stehen.
Sehr gut hierbei fand ich das Vor- und Nachbereitungsseminar, dass von meiner Organisation angeboten wurde. So konnte man die anderen Teilnehmer kennenlernen und wurde auf verschiedenste Situationen vorbereitet.

Wie sah ein typischer Tag für dich aus?

Ein typischer Tag beginnt in Costa Rica sehr früh und wird mit „Gallo Pinto“ (Reis mit Bohnen – leckerer als es sich anhört!) eingeleitet. Dann ging es für mich zur Schule, die je nach Schulart bis ungefähr 14 Uhr (privat) oder 16 Uhr (staatlich) geht. Die Unterrichtsfächer sind ähnlich, allerdings haben staatliche Schulen oft zusätzlich ab der 10. Klasse noch berufsvorbereitenden Unterricht. Dabei kann man zum Beispiel das Fach Tourismus wählen und nimmt dann an verschiedenen Ausflügen teil, an denen touristische Highlights besucht werden.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Nach der Schule sind wir oft noch mit Freunden in den Park gegangen, der zentrale Platz in lateinamerikanischen Städten, an dem sich alle treffen. Die Tage enden dann mit einem gemeinsamen Abendessen mit der Familie.
Am Wochenende gibt es viele Möglichkeiten, etwas mit Freunden zu unternehmen. In der Zentralregion rund um die Hauptstadt locken Konzerte, Malls, die Vulkane in der Nähe, Freizeitparks und vieles mehr. Wenn man näher in Richtung Meer wohnt, bietet sich oft eine Fahrt an den Strand an.