On the Road again - aus dem Alltag eines Berufskraftfahrers

Egal ob in Südspanien, Nordschweden oder der Pfalz: Was Sebastian in seinem Beruf erlebt, liest du hier

On the Road again - aus dem Alltag eines Berufskraftfahrers

Sebastian ist viele Monate im Jahr mit seinem 40-Tonner im In- und Ausland unterwegs. Im blicksta-Interview erzählt der Berufskraftfahrer von seinem Alltag und was es mit dem Truckercast auf sich hat, den er mit Kollegen ins Leben gerufen hat.

Wie kamst du auf die Idee, Berufskraftfahrer zu werden?

Mein Vater war LKW-Fahrer und ich bin schon als kleiner Junge in den Schulferien mit ihm unterwegs gewesen.

Du kommst bestimmt viel rum?

Ja, meistens fahre ich in der Pfalz oder im Saarland. Aber ich war auch schon im Südspanien, Österreich, Schweiz, Frankreich, Niederlande und Nordschweden.

Dann bist du öfter länger von zuhause fort?

Ja, klar. Bei Lieferungen in andere Länder dauert es bis zu zwei Tage, bis ich am Ziel bin.

Sieht dein Alltag immer gleich aus?

Er ist immer gleich und doch anders. Irgendwie. Ich habe ja immer die gleiche Aufgabe, nämlich eine Lieferung von einem an den anderen Ort zu bringen. Doch dabei passiert viel Neues für mich. Ich sehe neue Gegenden, lerne neue Leute kennen, habe neue Technik im LKW, bekomme neue Aufgaben und mehr.

Wann und wo schläfst du bei den langen Touren?

Ich schlafe, wenn die Zeit dafür ist. Mal tagsüber, mal abends, mal nachts. Je nachdem, wie meine Tour läuft. Aber immer mindestens acht Stunden, die Pause steht mir gesetzlich zu und wird auch streng kontrolliert. Also wird gepennt! Und das ist auch gut und wichtig. Wo? Natürlich in meinem Bett im LKW, direkt hinter meinem Fahrersitz.

Womit vertreibst du dir während einer langen Fahrt die Zeit?

Viel Zeitvertreib ist nicht nötig. Ich konzentriere mich auf das Fahren, denn als Fahrer eines Fahrzeugs mit 40 Tonnen Gewicht hast du eine große Verantwortung. Dabei höre ich Radio, Musik auf dem MP3-Player und die meiste Zeit Podcasts, die ich mir am Wochenende auf das Handy gezogen habe.

Du produzierst mit anderen Berufskraftfahrern sogar einen Truckercast.

Ja, einen Podcast für Berufskraftfahrer von Berufskraftfahrern. Für alle, die es nicht wissen: Ein Podcast ist wie eine gesprochene Radiosendung ohne Musik - zum herunterladen und anhören, wenn man Zeit und Lust dazu hat.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Mir hing das Radio zu den Ohren heraus. Deswegen bin ich auf Podcasts umgestiegen. Mir ist aufgefallen, dass es noch keinen Podcast für Trucker gibt. Das wollten wir ändern und so entwickelten wir unseren Truckercast.

Worum geht's in eurem Truckercast?

Um alle Themen aus der Welt von Transport und Logistik, die für uns Fahrer interessant sind. Zahlen, Daten, Fakten, aber auch Meinungen. Wir sprechen zum Beispiel oft über die Themen Fahrermangel, Nachwuchs, nützliche Utensilien für unterwegs, Geschichten, die wir auf unseren Touren erleben, Neuigkeiten aus Recht und Politik usw. Uns ist es wichtig, unsere Kraftfahrer-Kollegen zu unterhalten und Verständnis für uns bei den Nicht-Berufskraftfahrern zu erreichen. Musik gibt es keine, wir sind eine reine Talkrunde.

Tolle Idee. Doch jetzt mal was ganz anderes: Auf der Autobahn sieht man manchmal, wie ein Lastwagen versucht, einen anderen zu überholen. Warum dauert das oft so lang?

LKW dürfen maximal 80 km/h fahren, das ist gesetzlich geregelt und auch technisch so eingestellt. Man kann einfach nicht schneller fahren. Wenn ein LKW dann leer ist und einen vollbeladenen Truck überholen möchte, ist der Geschwindigkeitsunterschied minimal, vielleicht zwei bis vier km/h. Da kann es schon mal eine Minute dauern, bis man am Kollegen vorbei ist.

Man hört ja oft, das Berufskraftfahrer zu schnell unterwegs sind oder Unfälle verursachen, weil sie unter hohen Zeitdruck stehen. Wie siehst du das?

Nach meinem Empfinden hat sich da seit der Einführung des digitalen Tachographen einiges verbessert. Unsere Lenk- und Ruhezeiten werden monatelang elektronisch gespeichert, ein Verstoß kostet gleich mehrere hundert Euro Strafe, weshalb man es lieber direkt sein lässt. Trotzdem gibt es natürlich aufgrund der engen Lieferzeiten immer einen gewissen „Grunddruck" im Nacken, finde ich zumindest. Zeit ist Geld, das spüren wir im LKW. Wie schon gesagt, zu schnell können wir mit dem Truck auf der Autobahn nicht sein, die sind alle bei 80 km/h abgeregelt. Und ja, die Unfälle sind aufgrund des großen Gewichts des LKW und der damit verbundenen physikalischen Kräften oft leider schlimm. Sie haben aber die unterschiedlichsten Ursachen. Und es gibt auch immer neue technische Entwicklungen wie z.B. den elektronischen Abstandhalter, den Notbremsassistenten oder den Fahrspurassistenten, die die Unfallgefahr verringern.

Gibt es Strecken, die du besonders gerne fährst?

Die Strecke von Mannheim nach Kaiserslautern. Da geben einem die Frachtflugzeuge des US-Militärs beim Landeanflug auf den Flughafen Ramstein mit etwas Glück eine „Lichthupe" zurück!

Das ist ja schon ziemlich besonders. Was war denn dein verrücktestes Erlebnis als Lastwagenfahrer?

Als ich während einer Vollsperrung, sie dauerte mehrere Stunden, mit den Jungs aus dem Nachbarauto Fußball auf der Autobahn gespielt habe.

Und welchen Tipp kannst du abschließend Schülern mit auf den Weg geben, die gern Berufskraftfahrer werden möchten?

Fahren hat viel mit Erfahrung zu tun, das lernt man nicht in ein paar Tagen. Hört auf die Tipps der älteren Kollegen und traut euch, um Hilfe zu bitten, wenn es nötig ist. Der Zusammenhalt unter den Brummifahrern ist immer noch klasse.

Mehr Informationen zur Ausbildung als Berufskraftfahrer findest du hier. Wenn du noch mehr von Sebastians Truckergeschichten erfahren möchtest, hör doch mal in den Truckercast.

Wie geht es weiter?

Web-Adresse: https://blicksta.de/on-the-road-again-aus-dem-alltag-eines-berufskraftfahrers.html
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