Johanna Schütz

„Das System Uni war nicht das Richtige für mich“

„Das System Uni war nicht das Richtige für mich“

Johanna Schütz, 29, macht eine Ausbildung zur Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin an der CJD Schule Schlaffhorst-Andersen im niedersächsischen Bad Nenndorf. Mit ihrer Ausbildung kann sie später als Sprachtherapeutin arbeiten. Wir haben mit ihr über ihre Ausbildung gesprochen.

Johanna, du bist im dritten Ausbildungsjahr. Wie bist du überhaupt darauf gekommen, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin zu werden?

Ich habe erst eine Weile studiert - Sozialpädagogik. Ich habe aber nach und nach gemerkt, dass das System Uni nicht das Richtige für mich ist. Das theoretische Arbeiten war nicht so mein Ding, deshalb habe ich nach etwas Praktischem gesucht. Es sollte irgendwie mit Sprechen und Stimme zu tun haben.

Wie bist du bei der Suche vorgegangen?

Ich habe mich damals tatsächlich auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit informiert und bin alle Schulen durchgegangen, an denen man eine Ausbildung zur Logopädin machen kann. So bin ich auf meine jetzige Schule gekommen. Die hat mir sofort gefallen, weil sie als einzige Schule einen Schwerpunkt im musikalischen Bereich hat.

Was heißt das genau?

Meine Schule ist die einzige, in der man in Deutschland staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin werden kann. Im Gegensatz zur klassischen Logopädie sind wir deshalb total breit aufgestellt. Wir lernen nicht nur, Stimm- und Sprachstörungen zu behandeln, sondern haben zum Beispiel auch Klavier- und Gesangsunterricht oder Musiktheorie.

Warum das?

Weil wir so viel mehr Bereiche abdecken können. Wir können beispielsweise später Schauspieler und Sänger betreuen und dafür sorgen, dass ihre Stimmen trainiert bleiben. Auch Chöre können wir leiten und die Sänger stimmlich ausbilden.

Wie ist die Ausbildung generell organisiert?

Da es eine schulische Ausbildung ist, haben wir verschiedene Fächer. Viele davon sind sehr praxisorientiert, zum Beispiel haben wir die Fächer Stimme, Sprechen und Bewegung. Theorie ist natürlich auch wichtig, deshalb gibt es auch Fächer wie Psychologie, Pädagogik oder Anatomie. Je nach Semester sind die Stunden dann unterschiedlich verteilt. Außerdem macht man ein Semester Praktikum, damit man sein Wissen anwenden kann.

Wo möchtest du später arbeiten?

Ich kann mir vieles vorstellen. Generell arbeite ich gerne mit Gruppen, zum Beispiel mit Lehrern, die in ihrem Beruf ja sehr viel reden müssen. Ich kann mir auch vorstellen, am Theater zu arbeiten oder Coachings anzubieten für Menschen, die professionell mit ihrer Stimme arbeiten müssen.

Was sollte man mitbringen, wenn man deine Ausbildung machen möchte?

Es gibt einen Eingangstest, den alle Schüler machen müssen. Darin geht es zum Beispiel darum, einen Text vorzusprechen, etwas vorzuspielen oder zu singen. Generell sollte man musikalisch sein, gerne mit Menschen arbeiten und natürlich auch gerne sprechen. Und man sollte auch keine Scheu haben, sich selbst näher anzuschauen - denn gutes Sprechen kann ich anderen nur beibringen, wenn ich es bei mir selbst verstanden habe. Wir reflektieren sehr viel. Die Anforderungen sind hoch, aber man kann die Ausbildung gut schaffen - besonders, wenn man weiß, dass man seinen Traumberuf gefunden hat.

Web-Adresse: https://blicksta.de/partner/blicksta/erfahrungsberichte/das-system-uni-war-nicht-das-richtige-fuer-mich
© blicksta 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Medienfabrik Gütersloh GmbH