Dietmar Schmitz

"Mein Arbeitswerkzeug ist meine Stimme"

"Mein Arbeitswerkzeug ist meine Stimme"

Dietmar Schmitz, 49, hat einen Beruf, von dem viele träumen: Er arbeitet am Flughafen Köln-Bonn als Fluglotse. Wir haben uns mit ihm über seinen Beruf unterhalten.

Dietmar, du arbeitest seit vielen Jahren als Lotse. Ist das nicht ein sehr verantwortungsvoller Beruf?

An die große Verantwortung denken viele Leute als erstes, wenn sie an Fluglotsen denken. Die Frage wird mir auch oft von Freunden und Bekannten gestellt. Ich sage immer: Natürlich habe ich eine große Verantwortung, die hat aber ein Busfahrer, der Schulkinder befördert, auch. Man muss sich immer dieser Verantwortung bewusst sein, aber man darf sich auch nicht verrückt machen. Sonst kann man diesen Job nicht machen.

Was genau sind deine Aufgaben?

Fluglotsen haben sehr vielfältige Aufgaben. Mein Arbeitswerkzeug ist meine Stimme, ich spreche den ganzen Tag mit unterschiedlichen Menschen. Ich verhindere, dass Flugzeuge zusammenstoßen, ich sorge dafür, dass sie sicher und geordnet starten und landen. Außerdem koordiniere ich die verschiedenen Flugzeuge am Boden und gebe ihnen Anweisungen, zum Beispiel, auf welche Startbahn sie fahren müssen. Zu meinen Aufgaben gehört auch die Sicherung des Luftraums. Das heißt, wenn in Köln eine Bombe entschärft wird, muss ich das zum Beispiel auch wissen.

Warum das?

Ich muss dann dafür sorgen, dass kein Flugzeug über den Fundort der Bombe fliegt. Es könnte theoretisch ja sein, dass sie explodiert. Und das gibt dann eine enorme Druckwelle.

Wie sieht genau deine tägliche Arbeit aus?

Das hängt davon ab, auf welcher Position ich arbeite. Generell arbeiten wir im Schichtdienst. Es sind immer mehrere Lotsen für den Flughafen zuständig, man arbeitet sehr eng zusammen. Ein Lotse kümmert sich um die Anlassfreigabe. Er ist in Kontakt mit den Piloten und sagt ihnen, wann sie die Triebwerke starten können. Einer ist für die sogenannte Rollkontrolle zuständig. Er passt auf, dass verschiedene Fahrzeuge auf dem Rollfeld, also zum Beispiel Flugzeuge, Kofferwagen oder Busse, nicht zusammenstoßen. Ein dritter Lotse kümmert sich um Starts und Landungen. Er teilt den Piloten beispielsweise mit, auf welcher Bahn sie landen sollen, ob sie zu hoch oder zu tief fliegen oder wie das Wetter ist.

Das hört sich sehr anstrengend an, so viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen.

Ja, man muss schon in der Lage sein, viele Dinge gleichzeitig zu tun. Man hat auf jedem Ohr einen Kopfhörer, hört aber unterschiedlichen Funk. Zum Beispiel auf einem Ohr abwechselnd mehrere Piloten und auf dem anderen das Bodenpersonal, das Koffer transportiert. Angerufen wird man auf einem normalen Telefon auch noch. Gleichzeitig hat man mehrere Monitore im Blick und schaut auch durch das Fenster nach draußen. Man ist ja immer nicht nur für ein Flugzeug, sondern durchaus auch für zehn Flugzeuge gleichzeitig zuständig. Aber man kann das schaffen - und es ist der Beweis, dass auch Männer multitaskingfähig sind (lacht).

Und das kann man den ganzen Tag machen?

Wir haben Sechs-Stunden-Schichten und arbeiten in Köln immer drei Stunden am Stück und machen danach eine 30-minütige Pause. Natürlich kann mein Job auch mal anstrengend sein, aber wenn einem die Arbeit Spaß macht, fällt einem das gar nicht so auf. Für mich ist das wirklich ein Traumberuf.

Was muss man mitbringen, um Fluglotse zu werden?

Man sollte multitaskingfähig sein und sich nicht schnell aus der Ruhe bringen lassen. Gelassenheit ist sehr wichtig in diesem Job. Man muss außerdem sehr teamfähig sein, gleichzeitig aber auch in der Lage, schnell Entscheidungen zu treffen. Abitur und Englischkenntnisse sind ebenfalls wichtig und noch ein paar weitere Punkte. Und, natürlich: Man muss den Lotsentest bestehen.

Wie läuft der Test ab?

Man bewirbt sich bei der Deutschen Flugsicherung und wird danach zu einem Online-Fragebogen eingeladen. Wenn da alles passt, wird man zum Lotsentest eingeladen. Da muss man dann diverse Aufgaben machen. Es wird zum Beispiel getestet, wie man auf Stress reagiert, wie gut die Sprachfähigkeiten sind, ob man Höhen von Flugzeugen berechnen kann, wie viele Dinge man gleichzeitig bearbeiten kann und so weiter. Der Test ist nicht leicht, 96 Prozent fallen durch. Aber das ist auch logisch, denn für diesen Beruf braucht man sehr spezielle Fähigkeiten, die nicht so viele Leute haben. Trotzdem rate ich jedem: Versuch es! Wenn es passt, ist mein Job der beste Beruf der Welt. 

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