Hendrik Ostendorf

Wenn es brennt, bleiben 60 Sekunden

Wenn es brennt, bleiben 60 Sekunden

Traumberuf im ersten Anlauf verfehlt. So ging es Hendrik Ostendorf (24, auf dem Foto oben im Führerhaus sitzend). Nach der Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker kündigte er seinen Job – um anschließend bei der Feuerwehr durchzustarten. Und dort muss es manchmal rasend schnell zugehen.

Wie schnell müsst ihr einsatzbereit sein, wenn es brennt?

Ein Löschzug soll in 60 Sekunden ausrücken, wenn es brennt oder ein anderer Notfall vorliegt.

Und darum rauscht ihr an einer Stange vom Aufenthaltsbereich in die Garage runter?

Ja. Das geht viel schneller. Außerdem wäre die Verletzungsgefahr auf einer Treppe viel größer, wenn dort mehrere im hohen Tempo hinunterrennen.

Was ist, wenn ihr nur Bereitschaft habt und schlaft?

Macht keinen Unterschied. Du musst trotzdem in 60 Sekunden im Löschfahrzeug sein. Einen Teil unserer Feuerwehrkleidung haben wir deshalb auch in der Bereitschaft immer an.

Komplett ausgerüstet tragt ihr ja eine Menge Gewicht mit euch rum, oder?

Absolut. Unter Atemschutz wiegt die Ausrüstung bis zu 30 Kilo. Sie im Einsatz bei hohen Temperaturen zu tragen, ist sehr anstrengend.

Aber die schwere Jacke schützt euch auch?

Ja, sie hält Strahlungswärme bis zu 200 Grad ab. Aber die Luft im Atemschutzgerät hält eh nicht länger als maximal 30 Minuten. Deshalb verbrauchen wir in Einsätzen oft auch mehr als nur ein Gerät. Für diesen Job musst du echt fit sein.



Um zum Beispiel eine hohe Leiter hinaufzuklettern?

Ja. Unsere längste Leiter kann sehr steil im Winkel von 73 Grad aufgerichtet werden. Die Rettungshöhe beträgt maximal rund 30,5 Meter. Da musst du nicht nur fit, sondern auch schwindelfrei sein.

Hast du im Einsatz manchmal Angst?

Angst nicht, Respekt schon. Wir sind aber sehr gut vorbereitet. In der Ausbildung lernen wir, je nach Einsatzort und Vorfall nach festgelegten Regeln und Handlungsabläufen zu reagieren. Das gibt einem die nötige Sicherheit.

Habt ihr eine normale Fünf-Tage-Woche?

Nein, wir haben Dienstschichten. Eine Schicht dauert 24 Stunden und teilt sich auf in einen Tagesdienst von 8 bis 17 Uhr und einen Bereitschaftsdienst von 17 bis 8 Uhr. Auf eine 24-Stunden-Schicht folgt ein freier Tag, dann noch eine 24-Stunden-Schicht, danach haben wir fünf Tage frei.

Du steckst aktuell noch in der Ausbildung. Warum hast du eigentlich umgesattelt?

Meine Erstausbildung hat mich persönlich noch nicht zum Traumjob gebracht. Da ich seit 2007 in der Freiwilligen Feuerwehr war, kam mir irgendwann der Gedanke, dort auch hauptberuflich einzusteigen.

Wie ist deine Ausbildung aufgebaut?

Ich werde Brandmeister im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst. Die Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Duisburg dauert 18 Monate und umfasst die drei Blöcke Brandschutz, technische Hilfeleistung, zum Beispiel bei Naturkatastrophen, und Rettungsdienst. Für einen Ausbildungsplatz muss man zuvor einen Theorietest sowie einen sehr umfangreichen Sporttest machen. Danach folgen die amtsärztliche und arbeitsmedizinische Untersuchung. Die 50 besten Bewerber werden zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch eingeladen. Übrigens untersuchen uns die Arbeitsmediziner wiederkehrend alle drei Jahre, um zu sehen, ob wir noch fit genug sind.

Und am Ende wirst du verbeamtet?

Schon in der Ausbildung ist man Beamter auf Widerruf, danach für drei Jahre auf Probe, bis man schließlich in das lebenslange Beamtenverhältnis übernommen wird.

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