Selamat datang – Herzlich willkommen in Malaysia! Teil 2

"Essen ist DAS Thema in Malaysia" - Cassandra Bräuer erzählt von ihrem Freiwilligendienst im Ausland

Selamat datang – Herzlich willkommen in Malaysia! Teil 2

Cassandra Bräuer (25) hat sich nach ihrem Masterabschluss entschieden, für zwölf Monate nach Malaysia zu gehen und den internationalen Jugendfreiwilligendienst mit der Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. zu machen. Dort hat sie zum Beispiel als Fotografin und Videoeditorin gearbeitet und Grundschüler an einer chinesischen Schule in Englisch unterrichtet. Aktuell macht sie ein Praktikum in der blicksta-Videoredaktion. Im zweiten Teil des Interviews erzählt sie, was sie alles in Malaysia erlebt hat. Hier findest du den ersten Teil.

Was waren deine Aufgaben als du dann vor Ort warst? Wie sah ein typischer Tag aus?

In den ersten sechs Monaten habe ich bei einer NGO gearbeitet, die kostenlose Englisch-, Computer- und Motivationskurse für verschiedene Zielgruppen anbietet. In den ersten drei Monaten war ich als Fotografin und Videoeditorin im Head Quarter in Segambut bei Kuala Lumpur eingesetzt. Das bedeutet, dass ich teilweise im Büro war und dort Ideen für Filme entwickelt, Interviews mit den Schülern des angeschlossenen Kurscenters gemacht und für verschiedenste Events fotografiert habe. Natürlich habe ich meine internationalen Kollegen (Spanier, Italiener, Griechen, Briten, Philippinos) aus dem Media Team auch in vielen anderen Aufgaben unterstützt, wie zum Beispiel der Eventvorbereitung und -durchführung.

Und wie ging’s weiter?

Danach habe ich als Englischlehrerin in Sungai Suloh an einer chinesischen Grundschule gearbeitet. Ich hatte eine Klasse mit sieben Schülern, die zwischen sieben und neun Jahren alt waren. Sie hatten einen vollgepackten Schultag hinter sich, bevor mein 90-minütiger Nachmittagsunterricht startete. Zum Glück hatte ich Unterstützung von zwei weiteren Freiwilligen aus Italien und Malaysia und zusammen haben wir viel mit den Kindern gespielt und ihnen ein bisschen Englisch beigebracht. Abends habe ich dann Jugendliche unterrichtet. Jede Klasse hatte seine eigenen Herausforderungen und es war interessant zu beobachten, wie sich Menschen aus verschiedenen Kulturen im Unterricht verhalten. Ein Highlight der Zeit in Sungai Suloh war eine Karte, die ich von meinen Schülern zum Hari Guru (Lehrertag) bekommen habe.

Was war darauf zu sehen?

Ach, da stand nur „Selamat Hari Guru“ drauf, was sowas wie „Alles Gute zum Lehrertag“ bedeutet. Das Besondere daran war, dass sie die Karte selbst gebastelt und mit verschiedenfarbigem Papier und Aufklebern beklebt haben. Die Mädchen waren so schüchtern, sie haben bis zum Ende der Stunde gewartet und die Mutigste vorgeschickt, um mir die Karte zu geben. Das war schon irgendwie süß!

Du hast dann noch einmal gewechselt?

Ja. Die letzten knapp sechs Monate habe ich für die Women’s Aid Organisation in Petaling Jaya bei Kulala Lumpur gearbeitet. Die NGO kümmert sich um Frauen, die von ihren Männern misshandelt wurden, aus ihrem Land geflüchtet sind oder rechtlichen Beistand brauchen. Einige Frauen haben es geschafft, sich von ihrem Mann zu lösen und waren nun zum ersten Mal finanziell eigenständig. Um diese Frauen zu unterstützen, hat die NGO eine Art Kita für ihre Kinder eingerichtet. Die Kinder wurden dort 24 Stunden, sieben Tage die Woche betreut. In diesem Center war ich Lehrerin, Spielgefährtin, große Schwester und vieles mehr.

Das heißt, deine Aufgaben waren sehr vielfältig?

Ja, genau. Morgens habe ich den Kindern, die nicht zur Schule gehen konnten, Schreiben, Zählen, Lesen, Rechnen und vieles mehr beigebracht. Nachmittags habe ich mit den älteren Kindern Hausaufgaben gemacht und Englisch geübt. Oft haben wir aber auch über Themen wie Freundschaft, Sicherheit oder Hygiene gesprochen. Und manchmal haben wir zusammen gebastelt, gekocht oder sind zusammen ins Kino gegangen. Als Mitglied eines Teams aus anderen Freiwilligen und vier Angestellten konnte ich viel über Sozialarbeit und die kulturellen Unterschiede zwischen Malays, Chinesen und Indern lernen. Mein Highlight bei W.A.O. war das Annual Gathering, bei dem sich alle Frauen und ihre Kinder treffen, zusammen feiern und sich austauschen. Ich hatte mit den Kids ein kleines Schauspiel für diesen Tag eingeübt.

Was war die größte Umstellung oder der größte Unterschied zu Deutschland?

Ich könnte jetzt nicht einen Punkt nennen, der als größter Unterschied zählt. Es gibt so viele Sachen, die anders sind, aber gerade nach einem Jahr im Land werden sie für dich „normal“. Dinge, die ich jetzt aus meiner Zeit in Malaysia vermisse, sind das Wetter, das Essen und die Menschen. Obwohl ich fast zwölf Monate in Malaysia war kommt es mir vor wie wenige Wochen, denn es gab einfach keine Jahreszeiten, die den Lauf der Zeit verdeutlichen. Es ist immer warm und manchmal regnet es mehr als sonst.