So funktioniert der Numerus clausus

Notendurchschnitt, Wartesemester, Nachrücker: Alles, was du zum NC wissen musst

So funktioniert der Numerus clausus

„Medizin hat einen total hohen NC“, „Mit meinem Abi habe ich keine Chance auf einen Studienplatz in Psychologie“ – vielleicht stehst du kurz vor dem Studium und hast solche Sätze auch schon gehört. Um den Numerus clausus ranken sich viele Gerüchte. Wir erklären dir, welche Rolle der NC bei deiner Bewerbung spielt und wie er wirklich funktioniert.

NC – was ist das eigentlich?

Der Numerus clausus (lateinisch für „geschlossene/beschränkte Anzahl“) drückt aus, dass es an einer Hochschule für einen Studiengang nur eine bestimmte Zahl von Plätzen gibt. Diese Studiengänge heißen dann örtlich oder bundesweit zulassungsbeschränkt. Im Gegensatz zu zulassungsfreien Studiengängen reicht das Abitur allein nicht aus, um einen Studienplatz zu bekommen. Du kannst dich also nicht direkt für ein Studium einschreiben, sondern musst eine Bewerbung bei der Hochschule einreichen. Etwa die Hälfte der Bachelor-Studiengänge in Deutschland unterliegt einer Zulassungsbeschränkung, zum Beispiel auch Medizin. Umgangssprachlich wird mit Numerus clausus der Schnitt bezeichnet, den du im Abitur mindestens erreicht haben musst, um einen Studienplatz in einem bestimmten Fach zu bekommen.

Geht es bei der Bewerbung nur um die Abiturnote?

Nicht immer, aber häufig. Die meisten Universitäten und Hochschulen suchen die Bewerber vor allem danach aus, wie gut ihre Abi-Note ist. Andere gewichten bestimmte Noten bei der Bewerbung stärker, zum Beispiel die von naturwissenschaftlichen Fächern. Bei manchen Hochschulen gibt es auch Auswahlgespräche oder Aufnahmetests. Wenn du genau wissen möchtest, wie die Bewerbung für dein Fach abläuft, findest du die Informationen auf der Website der jeweiligen Hochschule.

Wie kommt ein NC-Wert zustande?

Der NC für einen Studiengang ergibt sich aus Angebot und Nachfrage: Wenn sich 500 Leute auf 50 Studienplätze für Medizin bewerben, ist die Chance auf einen Studienplatz geringer, als wenn es nur 100 Bewerber gibt. Eine Rolle für die Höhe des NC spielen die Anzahl der vorhandenen Studienplätze, die Anzahl der Bewerber und deren Abiturnoten. 
Wenn die Studienplätze nach dem besten Abiturschnitt vergeben werden, heißt das: Zuerst bekommen all diejenigen mit 1,0 einen Platz, dann die mit einem Schnitt von 1,1 – und so weiter, bis alle Plätze vergeben sind. Manche Studiengänge sind deshalb bereits bei 1,0 „voll“, weil es so viele Bewerber mit einem 1,0-Schnitt gab, dass sie alle Studienplätze belegen. Umgangssprachlich sagt man deshalb, dass Fächer wie zum Beispiel Medizin oder Psychologie einen „hohen NC“ haben.

Steht der NC vorher fest?

Nein. Der Numerus clausus wird jedes Jahr neu nach der Anzahl der Bewerbungen, die für einen bestimmten Studiengang eingegangen sind, berechnet. Auf den Internetseiten der Hochschulen findest du Tabellen, in denen du sehen kannst, wie der NC in den vergangenen Jahren war. Der Wert, den du dort findest, ist der Abiturschnitt, den man mindestens haben musste, um einen Studienplatz zu bekommen. Dieser Wert gibt dir eine grobe Orientierung, mit welchem Abiturschnitt man wahrscheinlich zum Studium zugelassen wird. Das heißt aber nicht, dass der Wert in dem Jahr, in dem du dich bewirbst, genauso hoch ist.

Und wie funktioniert das mit den Wartesemestern?

Anders als oft behauptet wird, werden Wartesemester nicht auf deinen Abiturschnitt angerechnet. Abischnitt und Wartesemester haben bei der Vergabe bis auf eine Ausnahme nichts miteinander zu tun. Das Ganze funktioniert so: Die Hochschule vergibt einen Teil der Studienplätze über den Abiturschnitt und einen Teil (je nach Bundesland zehn bis 20 Prozent) über die Wartesemester. Deshalb kannst du entweder über deinen Abischnitt oder über die Anzahl deiner Wartesemester einen Platz bekommen. 
Ein Beispiel: Dein Abiturschnitt beträgt 2,3. Über den Abiturschnitt bekommen aber an deiner Universität nur Bewerber einen Studienplatz, die einen Schnitt von 1,7 oder besser haben. Somit wärst du nicht dabei. Du kannst aber sechs Wartesemester vorweisen, weil du vor deinem Studium eine Ausbildung gemacht hast. Über die Wartezeit kommen bei der Uni Bewerber zum Zuge, die mehr als drei Semester vorweisen können. Somit bist du über dieses Verfahren dabei. 
Keine Regel ohne Ausnahme: Angenommen, für 50 Studienplätze haben sich 500 Leute beworben, davon haben 75 Bewerber einen Schnitt von 1,0. Da es nur 50 Plätze gibt, aber 75 Bewerber, die den passenden Abiturschnitt haben, muss die Hochschule eine Auswahl treffen, wem sie einen Studienplatz gibt. Hier zählen dann bei vielen Hochschulen die Wartesemester als sogenanntes zweites Kriterium. Für unser Beispiel könnte das dann bedeuten, dass man einen Abiturschnitt von 1,0 und zwei Wartesemester haben muss, um unter den 50 Leuten zu sein, die auf jeden Fall einen Studienplatz bekommen.

Und wenn ich keinen Studienplatz bekommen habe?

Nicht verzweifeln! Auch wenn du im ersten Durchgang keinen Platz bekommen hast, muss das nicht heißen, dass du dein Wunschfach nicht studieren kann. Die meisten Studenten bewerben sich an mehreren Hochschulen und sagen erst relativ spät einer Uni zu und den anderen ab. Deshalb werden immer wieder auch kurz vor Semesterbeginn oder sogar nach Semesterbeginn Studienplätze frei.

Und jetzt?

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