Soll ich wirklich den Betrieb meines Vaters übernehmen?

Die Dienstagsfrage vom 12. August 2014

Soll ich wirklich den Betrieb meines Vaters übernehmen?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage von unseren Nutzern. Es geht um die Themen Studien- und Berufsorientierung, Bewerbung, Start der Ausbildung und Schule.

Mein Vater hat eine Tischlerei und möchte, dass ich den Betrieb übernehme. Ich bin mir aber unsicher, ob ich das wirklich möchte und habe das Gefühl, ich darf gar keinen anderen Weg gehen. Wie soll ich damit umgehen?

Das ist wirklich eine schwierige Situation. Dein Vater hängt wahrscheinlich sehr an seinen Betrieb und möchte ihn in gute Hände abgeben. Du kannst stolz darauf sein, dass er dir diese Aufgabe zutraut. Doch die wichtigste Frage in dieser Situation lautet: Was möchtest du selbst? Schließlich geht es um deine berufliche Zukunft und deine Wünsche – nicht um die deines Vaters.

Natürlich hat es einige Vorteile, den Familienbetrieb zu übernehmen. Du bist bereits mit den Abläufen vertraut und kennst die Angestellten. Außerdem ist der Zusammenhalt in kleinen Familienbetrieben häufig stärker als in anonymen Großkonzernen und du weißt, wofür du dich engagierst. Doch alle diese Vorteile sind nebensächlich, wenn dich die Arbeit nicht glücklich macht.

Deshalb solltest du dir zwei Fragen stellen:

1. Kannst du dir vorstellen, dein eigener Chef zu sein und Verantwortung zu tragen?
2. Bist du handwerklich begabt und hast Spaß an der Arbeit als Tischler?

Wenn du auf eine dieser Fragen mit einem klaren „Nein“ antwortest, solltest du mit deinem Vater darüber sprechen und ihm erklären, dass du mit dieser Entscheidung nicht glücklich werden kannst. Und wenn du mit deiner Arbeit nicht glücklich bist, wirst du den Betrieb wahrscheinlich nicht auf Dauer erfolgreich führen können. Erklär ihm, wie du dir deine Zukunft vorstellst und dass du dir deine Entscheidung gut überlegt hast.

Falls du auch nach reiflicher Überlegung immer noch unsicher bist, sprich mit deinem Vater doch mal über mögliche Kompromisse.

  • Schau dir ein paar Abläufe im Betrieb an oder mache ein längeres Praktikum, falls du es nicht schon getan hast. Das könntest du direkt nach deinem Schulabschluss machen, zum Beispiel für ein halbes Jahr. Danach fällt dir die Entscheidung sicher leichter.
  • Du könntest auch für eine Weile etwas ganz anderes machen, zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr oder Work & Travel. Einfach mal rauskommen und Abstand zur Entscheidung gewinnen, kann manchmal Wunder wirken.
  • Falls du weißt, dass du Tischler werden möchtest, aber einfach gerne mal etwas anders sehen möchtest, kannst du deine Ausbildung auch in einem anderen Betrieb machen und anschließend in den Familienbetrieb zurückkehren.

Das Wichtigste ist, dass ihr offen und ehrlich miteinander sprecht. Falls dein Vater sehr uneinsichtig ist oder du Angst hast, nicht die richtigen Worte zu finden, bitte einen Freund oder Verwandten zum Gespräch hinzu. Wir drücken dir die Daumen!

Du hast auch eine Frage? Schreib uns gerne, dann beantworten wir sie!

Und jetzt?

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