Trekking, Fullmoonparty und ein verschwundener Rucksack

Felix Henze (21) ist nach dem Abi drei Monate durch Südostasien gereist und erzählt, was er erlebt hat

Trekking, Fullmoonparty und ein verschwundener Rucksack

Felix Henze (21) war in Thailand, Vietnam, Kambodscha, Malaysia und Singapur unterwegs und hat uns von seinen Erfahrungen berichtet.

Warum wolltest du ins Ausland und warum hast du dich gerade für Südostasien entschieden?

Schon seit einigen Jahren hatte ich mit meinem besten Freund geplant, nach dem Abi zusammen irgendwo hinzufahren. Dass es dann am Ende Südostasien wurde, hatte mehrere Gründe. In erster Linie war es das Interesse, mal eine ganz andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen. Dazu kam, dass Südostasien ein relativ günstiges Reiseziel ist.

Wie sah ein typischer Tag aus?

Einen typischen Tagesablauf gab es bei uns nicht. Jeder Tag war anders und aufregend, wir wussten nie was uns erwartet. Wir sind durchschnittlich drei bis vier Nächte in einem Hostel geblieben und dann weitergefahren, an einen neuen Ort. Meistens sind wir relativ früh aufgestanden, haben tagsüber „sightseeing“ gemacht oder am Strand gechillt und abends wurde fast immer gefeiert, in Strandbars, In-Clubs oder vietnamesischen Untergrundclubs. Es war nach der Schulzeit das erste Mal für mich, dass ich tun und lassen konnte was ich wollte, ohne dass jemand was von mir verlangt. Alleine für dieses Gefühl der Freiheit würde ich jedem, der die Schule abgeschlossen hat, empfehlen, für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Wie hast du den Aufenthalt organisiert? Was musstest du dabei alles bedenken?

Wir haben sehr wenig im Vorfeld organisiert, eigentlich nur die Grundvoraussetzungen, damit wir losfliegen konnten. So waren wir in der kambodschanischen und der vietnamesischen Botschaft in Berlin und haben uns Visa besorgt. Dann haben wir uns um Pflichtimpfungen gekümmert, die eine notwendige Einreisebedingung sind. Zuletzt schlossen wir noch eine Auslandskrankenversicherung ab, die ich auch jedem empfehlen würde.

Habt ihr alles im Vorfeld durchgeplant?

Nein. Ich gebe sogar den Tipp: nicht zuviel im Vorfeld planen! Wir hatten eine tolle Zeit in vielen verschiedenen Ländern, wussten aber in Berlin noch nicht so recht, was uns eigentlich erwartet und was wir uns angucken wollen. Also haben wir uns entschlossen, nur einen Hinflug nach Bangkok und einen Rückflug von Singapur zu buchen und den Rest relativ offen zu halten. Man erfährt oft auch von anderen Travellern von wunderschönen Orten, die teilweise nicht in Reiseführern stehen und dementsprechend ursprünglich sind. Dabei hilft es, dass es in Südostasien gut ausgebaute Bahnstrecken gibt und Busse fahren auch fast überall hin. Man kauft sich einfach morgens ein Ticket und fährt abends weiter.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?

Die Kosten sind vergleichsweise gering, so zahlten wir für ein Bett im Mehrbettschlafzimmer meistens nur umgerechnet drei bis vier Euro pro Person. Manchmal gönnten wir uns auch den Luxus eines Doppelzimmers für zehn bis 15 Euro für uns beide zusammen. Essen kann man auch sehr günstig, zum Beispiel an Straßenständen oder in kleineren Restaurants. Von A nach B gelangt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln ebenfalls sehr preiswert. Etwas teurer waren touristisch organisierte Touren, von denen wir auch ein paar gemacht haben. Wir übernachteten zum Beispiel auf einem Boot in der Halong Bucht in Vietnam oder trekkten durch den thailändischen Urwald und über nordvietnamesische Berge mit wunderschönen Reisterrassen.

Was war die größte Umstellung beziehungsweise der größte Unterschied zu Deutschland?

Die Lebensweise und die Kultur haben sich sehr stark von allem unterschieden, was ich bisher kennengelernt hatte. Vieles ist unorganisierter als man sich das bei uns vorstellen kann. In Vietnam fahren zum Beispiel bis zu 95% Motorroller auf den Straßen und nur jeder zweite hält sich an die Rotphasen an Ampeln. Aber das ist alles überhaupt nicht schlimm, eben einfach nur eine Gewöhnungsfrage. Wenn man einfach offen auf die Menschen zugeht, sollte es keine Probleme geben.

Was sollte man in dem Land, in dem du warst, unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Da gibt es natürlich eine Menge Dinge, die ich jedem empfehlen kann. Angefangen bei den Tempelanlagen von Angkor Wat über die weltberühmte Fullmoonparty auf Koh Phangan bis zum Elefantenreiten im thailändischen Urwald. Das sind natürlich alles tolle Erfahrungen gewesen, aber am schönsten war es für mich, an der kambodschanischen Küste am Strand zu liegen und zu entspannen.

Das Wichtigste ist sowieso nur das zu tun, worauf man Lust hat! Man muss es nicht unbedingt zu irgendwelchen Top-Sehenswürdigkeiten schaffen. Die Zeit mit anderen netten Menschen zu verbringen, die man überall trifft, sich mit ihnen auszutauschen und anzufreunden, war für mich die beste Erfahrung. Ihr solltet euch einfach keinen Stress machen mit Sachen, die man erlebt haben „muss“ und einfach die Dinge tun, die euch wirklich am meisten Spaß machen!

Was war das absolute Highlight? Gibt es ein Erlebnis, das nicht so schön war?

Jeder Tag war ein absolutes Highlight! Es ist wirklich unmöglich, da ein Erlebnis auszuwählen, darum erzähl ich einfach eine Geschichte, in der wir sogar aus einer blöden Situation das Beste gemacht haben:

Nachdem wir auf unserer Reise schon zweimal in Bangkok waren, wollten wir nun von Chiang Mai in Nordthailand nach Phuket, einer Insel in Südthailand, fliegen. Wir haben sogar extra ein bisschen mehr bezahlt, damit wir einen Direktflug bekommen und nicht in Bangkok zwischenlanden müssen. Wir sitzen also im Flieger auf halber Strecke als uns plötzlich gesagt wird, dass ein Flugzeug in Phuket notlanden musste und dabei die Landebahn kaputt ging. Die Folge für uns war, dass wir nun doch in Bangkok landen mussten.

Da es nun aber schon abends war und die Landebahn nicht so schnell repariert werden konnte, sagte man uns, dass wir eine Nacht in Bangkok verbringen müssen. Daraufhin teilten wir uns mit ein paar Engländern ein Taxi zur Kao San Road, der berühmtesten Backpackermeile Südostasiens, und feierten ausgelassen durch bis zum nächsten Tag. Erst gegen zehn Uhr fuhren wir alle wieder zurück zum Flughafen und konnten endlich weiterfliegen in Richtung Süden.

In Phuket angekommen, waren unsere Rucksäcke dann verschwunden, weil sie nicht vom einen Flugzeug in das andere verladen wurden. Hier begannen die unschönsten Tage unserer Reise. Ohne Gepäck und ohne Gewissheit, ob wir es jemals wiedersehen würden (wir waren die einzigen beiden, deren Gepäck verschwunden war), wohnten wir zwei bis drei Tage in einem heruntergekommenen Hostel auf Phuket. Phuket ist eine sehr touristische Insel (à la Ballermann), welche wir nur als Zwischenstopp eingeplant hatten, weil dort eben ein Flughafen stand. Nun waren wir gezwungen dort zu verweilen, bis unser Gepäck wieder auftaucht. Zum Glück standen unsere Rucksäcke eines Morgens wieder vor unserem Zimmer und die Reise konnte weitergehen.

Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Alles in allem war die Reise noch besser als erwartet, da wir eben keine bestimmten Erwartungen hatten und einfach „drauf losgefahren“ sind.

Würdest du im Nachhinein irgendetwas anders machen? Hast du einen Tipp für alle, die ein Gap-Year planen?

Ich kann alles was ich so gemacht habe uneingeschränkt jedem weiterempfehlen und würde nichts anders machen! Die Reise war eine sehr interessante Erfahrung, man kommt einfach mal raus aus dem deutschen Alltag und macht das, was einem Spaß macht, ohne Verpflichtungen oder Kompromisse. Jeder sollte so eine Erfahrung gemacht haben, bevor es mit einer Ausbildung oder dem Beginn einer Karriere weitergeht.

Wie ging es nach deinem Auslandsaufenthalt weiter? Hatten deine Erfahrungen aus dem Gap-Year einen Einfluss auf deine Zukunftspläne?

Ich fing relativ schnell nach meiner Rückkehr an zu studieren. Jetzt bin ich mittlerweile im 3. Semester und würde am liebsten gleich wieder losfahren. Verreisen war schon immer ein großes Hobby von mir, das wurde durch meine bisher größte Reise nur noch verstärkt. Ich plane auch schon meine nächsten Auslandsaufenthalte in New York (zum Studieren) und in Indien (für ein Praktikum). Und vor dem Master geht es dann nochmal um die Welt.

Und jetzt?

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