Was ist eigentlich Nanotechnologie?

Von rotem Gold und versiegelten Sägen: Wir haben mit einem Experten gesprochen

Was ist eigentlich Nanotechnologie?

Nanotechnologie? Vielleicht hast du den Begriff schon einmal gehört, kannst dir aber wenig darunter vorstellen. Wir erklären dir, was das ist – und was Nanotechnologie mit deinem täglichen (Berufs-)Leben zu tun hat.

Marco Kollecker nimmt ein kleines Glasfläschchen aus einer Schublade und schüttelt es. In dem Fläschchen ist eine rötliche, durchsichtige Flüssigkeit zu sehen. „Das ist Gold“, sagt er. Gold? Das hat doch eine ganz andere Farbe? „Nicht, wenn wir die Teilchen, aus denen es besteht, ganz klein machen. Dann ändern sich die Spielregeln“, sagt Marco Kollecker. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Treffpunkt Nanowelten und erklärt im sogenannten nanoTruck Besuchern, zum Beispiel Schulklassen, was Nanotechnologie ist. Gerne holt er dann das Fläschchen Gold hervor und sorgt jedes Mal für erstaunte Blicke. Die Eigenschaften der winzigen Goldpartikel ändern sich, sie erscheinen rötlich. Schon vor Jahrhunderten wurde so das Glas von Kirchenfenstern eingefärbt – ohne dass man damals allerdings wusste, warum Gold rot wird. „Aber Nanotechnologie kann noch viel mehr – und sie umgibt uns alle täglich in unserem Berufsleben“, sagt Marco Kollecker.

Nanotechnologie – was ist das eigentlich?

In der Nanotechnologie geht es um Materialien in winzig kleinen Einheiten. Ein Nanometer entspricht einem Milliardstel Meter. Damit du dir das etwas besser vorstellen kannst: Ein Nanometer verhält sich zu einem Meter wie der Durchmesser einer 1-Cent-Münze zum Durchmesser der Erde. „Die Teilchen des rot schimmernden Goldes sind 80 Nanometer groß“, erzählt Marco Kollecker. Sie sind also mit bloßen Auge nicht zu erkennen. Nanomaterialien kommen in der Natur vor, zum Beispiel in Milch oder gekochtem Pudding. Man kann sie allerdings auch künstlich herstellen, um Produkte zu verbessern oder neue herzustellen. Zum Beispiel kann man sein Auto nanoversiegeln lassen und so den Lack besonders widerstandsfähig machen. Nanotechnologie findet sich auch in Sonnencreme und Handys. Die Nanotechnologie bringt insgesamt viele Vorteile – ist aber bisher noch nicht komplett erforscht. Man weiß deshalb noch nicht, ob die Verfahren vielleicht unerwünschte Nebenwirkungen haben, auf Dauer gesundheitsschädlich sind oder die Umwelt belasten können.

Und was hat das mit mir, meiner Ausbildung oder meinem Studium zu tun?

Wenn du dich aus wissenschaftlicher Perspektive mit Nanotechnologie beschäftigen möchtest, kannst du das in einem Studium an einer Universität oder Fachhochschule tun. Hier findest du eine Übersicht über alle Studiengänge in diesem Bereich. Auch bei einigen Ausbildungsberufen hast du direkt mit Nanotechnologie zu tun. Als Physikalisch-technischer Assistent unterstützt du Ingenieure und Physiker bei ihrer Arbeit. Als Chemisch-technischer Assistent untersuchst du die unterschiedlichsten Stoffe auf ihre Bestandteile – auch hier kannst du mit Nanotechnologie in Berührung kommen.

Gut und schön, aber was, wenn mich das alles nicht interessiert?

Völlig in Ordnung! Mit Nanotechnologie kommst du trotzdem tagtäglich in Berührung. Nicht nur, wenn du dein Smartphone nutzt, sondern auch im Berufsleben. Zum Beispiel als…

  • Tischler, wenn du nanoversiegeltes Holz verarbeitest
  • Zimmerer, wenn du mit einer nanoversiegelten Säge arbeitest
  • Verkäufer, wenn du Verpackungen mit eingearbeiteten Codes über die Scannerkasse ziehst
  • Kaufmann im Einzelhandel, wenn du Waren in ein Regal räumst, die mit einer nanoversiegelten Folie verpackt sind, zum Beispiel Gemüse, Obst oder auch Süßigkeiten
  • Mediziner, wo beispielsweise an magnetischen Nanopartikeln gegen Krebs geforscht wird
  • Kfz-Mechatroniker, wenn du Autos mit Lacken behandelst, die Nanomaterialien beinhalten
  • Kaufmann für Büromanagement und bei allen anderen Berufen, in denen du am Computer arbeitest, für deren Festplatten Nanomaterialien verarbeitet werden

„Es gibt fast keinen Beruf, der nicht mit Nanotechnik zu tun hat“, sagt Marco Kollecker. Wenn du dich weiter darüber informieren möchtest, findest du hier Infos. Auch der BUND hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt.

Wie geht es weiter?

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