Was kann ich, was will ich – und wie finde ich das heraus?

Ein Experte erklärt, wie man seine Stärken erkennt

Was kann ich, was will ich – und wie finde ich das heraus?

Was kann ich gut? Was will ich machen? Und wie finde ich das heraus? Wie man seine Stärken und Wünsche für die Zukunft ein bisschen klarer sieht, hat uns Denis Buss, Studien- und Berufsberater beim blicksta-Kooperationspartner Einstieg, verraten.

Denis, du berätst häufig Schüler zu ihrer beruflichen Zukunft. Was sind deine Erfahrungen?

Die Schüler, die zu uns kommen, gehen sehr unterschiedlich mit dem Thema Berufsorientierung um. Viele haben sich schon informiert und haben auch eine ungefähre Vorstellung, was sie später machen möchten. Einige haben wiederum noch gar nicht realisiert, wie wichtig das Thema ist. Dabei muss man für sich ganz klar wissen: Es geht um meine Lebensgestaltung, es geht darum, dass ich später Spaß mit meinem Beruf habe – deshalb sollte ich mich darum kümmern.

Warum fällt einem das eigentlich so schwer?

Viele Schüler sind verunsichert, weil ganz viele Informationen auf sie einprasseln. Da sind die Eltern, die eine bestimmte Meinung dazu haben, was sie später machen sollen. Da sind Bekannte, Verwandte, Lehrer, Berufsberater – und in den Medien hört und liest man auch viel. Zum Beispiel, dass man sich bei der Berufswahl nur nach den Arbeitsmarktchancen richten sollte, die es in bestimmten Bereichen gibt. Das halte ich für Quatsch.

Warum?

Es geht darum, seinen eigenen Weg zu gehen und mit seinem Job glücklich zu werden. Viele ignorieren ihr eigenes Potenzial, weil sie Angst vor schlechten Arbeitsmarktprognosen haben. Dabei ist es unheimlich schwierig abzusehen, wie der Arbeitsmarkt tatsächlich aussieht, wenn man selbst mit seiner Ausbildung oder seinem Studium fertig ist. Man kann sich natürlich Gehaltstabellen anschauen. Dann wird man feststellen, dass man es zum Beispiel als Erzieher schwerer haben wird, unglaublich reich zu werden. Aber da ist dann die Frage: Ist mir Geld so wichtig, dass ich einen Beruf ergreifen würde, der mir eigentlich nicht gefällt?

Wie findet man denn eigentlich heraus, was einem gefällt?

Ich empfehle, ab und zu mal die rosarote Brille aufzusetzen und diese Frage zu beantworten: Was würde ich machen, wenn ich nicht scheitern könnte? Die Antwort ist meist sehr aufschlussreich.

Aber ganz oft sind doch die Träume gar nicht realistisch!

Diese Denkweise bremst einen nur. Oft kommen Einwände von den Eltern. Zum Beispiel: „Du bist doch viel zu klein, um Pilotin zu werden!“ oder „Für ein Sportstudium bist du bestimmt nicht gut genug“. Oft denken wir über die Optionen, die wir für uns persönlich eigentlich toll fänden, deshalb schon sehr eingeschränkt nach. Ich sage: Es haben schon Leute erfolgreich Mathe studiert, die in der Schule schlechtere Noten in diesem Fach hatten. Es kommt darauf an, seine Stärken und Wünsche herauszufinden.

Und wie genau findet man die heraus?

Der erste Schritt ist, sich seiner Stärken bewusst zu werden. Ich empfehle, das mithilfe einer Mindmap zu machen. Was kann ich richtig gut? Was schätzen andere an mir? Womit verbringe ich gerne meine Zeit? Wofür stehe ich morgens richtig gerne auf? Und was mag ich nicht gerne? Was möchte ich lieber nicht machen? Diese Fragen helfen beim Ausfüllen der Mindmap.


Was fange ich mit der ausgefüllten Mindmap an?

Die Mindmap dient erstmal dazu, sich selbst besser kennenzulernen. In einem zweiten Schritt soll sie dann dabei helfen, eine Entscheidung zu treffen – für die eigene berufliche Zukunft.

Was ist, wenn man viele verschiedene Interessen hat – wie soll man sich entscheiden?

Das ist extrem schwierig, das gebe ich zu. Es ist insbesondere schwer, sich gegen eine Sache zu entscheiden, für die man sich auch sehr interessiert. Entscheidungen treffen kann und muss man üben – bei Dingen, die weniger wehtun und weniger große Auswirkungen haben. Welchen Kurs wähle ich in der Schule – und welchen nicht? Welchen Sport mache ich – und welchen nicht? Bei all diesen Dingen trainiert man das Treffen von Entscheidungen.

Und wenn man sich nicht entscheiden will?

Sich zu entscheiden, ist der eine Weg. Der andere ist, für seine berufliche Zukunft nach einer Kombination seiner Interessen zu suchen. Wenn man sich für Politikwissenschaft und Soziologie interessiert, ist das nicht schwierig, da gibt es viele mögliche Studiengänge. Ich habe mal jemanden beraten, der wollte Kieferorthopädie mit Jura kombinieren, der hat sehr lange gesucht – und dann doch einen Kombi-Studiengang gefunden.

Wie kann ich mir sicher sein, mich richtig zu entscheiden?

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Es ist okay, wenn man für seine Entscheidung etwas Zeit braucht und vielleicht noch ein Gap Year einschiebt. Und es ist auch okay, wenn man sich noch mal anders entscheidet – keine Erfahrung ist umsonst.


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