„Wer betrunken erwischt wird, verbringt eine Nacht im Gefängnis“

Anne Zschiebisch hat ein Praktikum in Dubai gemacht und berichtet von ihren Erfahrungen

„Wer betrunken erwischt wird, verbringt eine Nacht im Gefängnis“

Anne Zschiebsch (24) hat in Dubai ein Praktikum im Bereich Marketing bei einem der größten Haushaltsgerätehersteller Europas gemacht. Wie sich das Leben in Dubai von dem in Deutschland unterscheidet, welche Rolle Religion im Alltag spielt und was ihr besonders gut gefallen hat, erzählt sie im zweiten Teil unseres Interviews mit ihr. Teil eins findest du hier.

Was war der größte Unterschied zum Leben in Deutschland?

Erst einmal: Das Wetter! Als ich im Februar in Dubai ankam, waren nachts noch 20 Grad. Im Juli und August wurden tagsüber um die 45 Grad gemessen und nachts kühlte es auf 32 Grad ab. Eigentlich kann man das nicht Abkühlen nennen – das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Genug zu Trinken sollte man also immer dabeihaben. Außerdem ist der Verkehr in Dubai sehr speziell und Angst ist fehl am Platz. Eine fünfspurige (Stadt-) Autobahn ist ganz normal und rechts überholen gehört zum Alltag dazu. Da muss man sich schon anpassen, um nicht in der Masse unterzugehen und seine Ausfahrt zu verpassen.

Welche Unterschiede gab es noch?

Das Leben dort war ganz anders als das in Deutschland, es schien keine Grenzen zu geben. Porsche, Lamborghini und Co. sind auf den Straßen keine Seltenheit und deshalb gibt es auch Lamborghinis als Polizeiautos - wie soll die Polizei die anderen Autos sonst verfolgen? Außerdem ist in Dubai ein Gebäude höher als das andere, es gibt eine Skihalle, einen Wasserfall, ein 32 Meter langes und 8,5 Meter hohes Aquarium mitten in der Mall und Stars, die man beim Spaziergang am Marina Walk beim Yachthafen trifft – alles ganz normal.

Gibt es auch etwas, das dir nicht so gut gefallen hat?

Generell fand ich es nicht so schön, dass Freizeitaktivitäten wie Wandern, Rad fahren oder einfach mal einen Spaziergang zu machen nicht wirklich realisierbar waren. Im Sommer ist es viel zu heiß dafür und Dubai ist auch nicht darauf ausgerichtet. Man fährt einfach überall mit dem Auto oder der Metro hin. Ungewöhnlich ist natürlich das Verbot von Alkohol. In den Hotels, Bars und Clubs wird Alkohol ausgeschenkt, der sehr teuer ist, obwohl er in dem islamisch geprägten Land verboten ist. Wer betrunken erwischt wird, verbringt eine Nacht im Gefängnis.

Hattest du Probleme mit der Sprache?

Nein, es wurde eigentlich überall nur Englisch gesprochen. Nur mit den Arabern sprach ich ab und zu Arabisch, um nicht aus der Übung zu kommen – es war aber kein Muss. Die Stadt an sich ist sehr multikulturell, Menschen aus aller Welt leben dort zusammen.

Spielt Religion im Arbeitsalltag eine Rolle?

Ja, muslimische Arbeitskollegen haben oft während der Arbeitszeit gebetet. Selbst in den Free Trade Zones, in denen nur Firmen angesiedelt sind, gibt es Moscheen, in denen man während der Arbeitszeit beten kann. Auch die Einkaufmalls bieten Gebetsräume an, die immer sehr gut besucht sind.

Hatte das Thema Religion auch einen Einfluss auf deinen Alltag?

Ja, gerade während des Ramadan (dem heiligen islamischen Fastenmonat) muss man sich auch ungeheuer anpassen. Tagsüber darf man in der Öffentlichkeit weder trinken noch essen oder rauchen, denn das ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang verboten. Als ich dort war, fiel Ramadan auch noch genau in die Zeit der Sommerhitze im Juli und August, da fällt es natürlich noch schwerer, nichts zu trinken. Bei der Arbeit und zuhause konnte ich allerdings trinken und essen, wir haben nur aufgepasst, dass wir es nicht vor unseren fastenden Arbeitskollegen machen. Während der Fastenzeit sind alle Restaurants tagsüber geschlossen und öffnen erst zum Sonnenuntergang. Dann wird das Essen allerdings richtig zelebriert, oft bis zum Sonnenaufgang. Es gibt Buffets mit allen Köstlichkeiten, die man sich vorstellen kann. Da die Religion eine so große Rolle spielt, sollte man zumindest sagen, dass man Christ ist, auch wenn das nicht stimmt.

Wieso?

Dass man keiner Religion angehört, können die meisten Menschen dort nicht verstehen. Es ist eigentlich auch verboten, als unverheiratetes Pärchen zusammenzuleben. Das wird jedoch aufgrund der vielen Ausländer einfach „übersehen“.