Wie kann ich auch ohne NC Medizin studieren?

Die Dienstagsfrage vom 30. August 2016

Wie kann ich auch ohne NC Medizin studieren?

An dieser Stelle beantworten wir jede Woche eine Frage. Wenn du auch eine Frage hast, melde dich gerne unter dienstagsfrage@blicksta.de bei uns!

Ich habe gerade mein Abitur gemacht und möchte jetzt eigentlich gerne Medizin studieren, aber meine Abschlussnote reicht nicht für den NC. Gibt es Alternativen, dass es auch ohne Einser-Abi noch mit dem Medizinstudium klappt?


Auch wenn dein Abischnitt nicht bei 1,0 liegt, hast du noch die Chance, an einen der begehrten Medizin-Studienplätze zu gelangen. Wie das geht? Der einfachste Weg heißt: Wartezeit mitbringen. Du bewirbst dich dazu, wie alle anderen Medizin-Bewerber auch, über das Portal „Hochschulstart“. Reicht der Notenschnitt nicht für den NC, landet man automatisch auf einer Warteliste. Für Bewerber auf dieser Liste halten die Universitäten in jedem Semester extra einige Plätze frei. Aber: Als Neueinsteiger wirst du erstmal ganz hinten einsortiert. Zuerst bekommen nämlich diejenigen einen Platz zugeteilt, bei denen das Abitur am längsten zurückliegt. Diese Bewerber warten meist auch schon am längsten auf einen Medizin-Studienplatz. Nicht erschrecken: Die Wartezeit für ein Medizinstudium liegt aktuell bei zwölf Semestern, also sechs Jahren! Du solltest dir also vorher überlegen, wie du diese Wartezeit sinnvoll überbrücken kannst. Denkbar wäre zum Beispiel eine medizinische Berufsausbildung.

Aber Achtung: Wenn du zwischendurch noch ein anderes Studium aufnimmst, wird dir diese Zeit nicht als Wartezeit für dein Medizinstudium angerechnet!

Den Schnitt verbessern dank Eignungstest und relevanter Berufserfahrung

Doch es gibt weitere Möglichkeiten, wie es mit dem Medizinstudium auch schneller klappen kann. Zusätzlich zum offiziellen Bewerbungsverfahren über „Hochschulstart“ bieten viele Hochschulen noch einen fachlichen Eignungstest für Bewerber an – auch Medizinertest genannt. Dieser Test dient den Universitäten neben dem NC als weiteres Auswahlkriterium für die zukünftigen Studenten. Das Besondere: Wenn du den Medizinertest sehr gut bestehst, dann kann sich das positiv auf deinen Notenschnitt auswirken. Möglicherweise so sehr, dass es dann sogar für den NC reicht. Willst du dir diese Möglichkeit offen halten, dann musst du bei deiner Bewerbung über „Hochschulstart“ unbedingt darauf achten, dass du dort auch eine der Universitäten angibst, die den Test anbietet. Hier kannst du dich informieren, an welchen Unis der Medizinertest angeboten wird. Erkundige dich aber am besten auch mal vor Ort beim Studienservice der jeweiligen Universität, ob sich die Teilnahme am Medizinertest überhaupt für dich lohnt. Über ihre Erfahrungen als Teilnehmerin am Medizinertest berichtet hier blicksta-Bloggerin Cyra.

Ebenso kann eine bereits abgeschlossene medizinische Berufsausbildung deinen Notenschnitt und damit auch deine Chance auf ein Medizinstudium verbessern. Doch auch in diesem Fall solltest du dich im Vorfeld erkundigen, welche Hochschulen eine solche Ausbildung wirklich anrechnen. Bei deiner offiziellen Bewerbung über „Hochschulstart“ müsstest du dann auf jeden Fall auch eine dieser Hochschulen angeben.

Wenn das Los entscheidet...

Manchmal braucht man im Leben auch einfach Glück. So kann es immer vorkommen, dass bereits vergebene Studienplätze unerwartet wieder frei werden, weil die Bewerber es sich anders überlegt haben. Oder weil der Ansturm auf die Plätze doch nicht so groß war wie gedacht. Die Hochschulen vergeben ihre freien Plätze dann im Losverfahren an Bewerber wie dich. Um an den Verlosungen teilzunehmen, musst du dich extra anmelden. Alle nötigen Infos dazu findest du auf den Internetseiten der verschiedenen Hochschulen.

Ein Teil der frei gebliebenen Studienplätze wird auch über „Hochschulstart“ verlost – im so genannten Clearingverfahren. Hier kannst du dich erkundigen, wann auf dem Portal die nächsten Verlosungen stattfinden und wie du daran teilnehmen kannst.

Die Arzt-Karriere bei der Bundeswehr starten

Eine Option, die du vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hattest, ist ein Medizinstudium bei der Bundeswehr. Die bietet jährlich 250 Studienplätze für angehende Ärzte an. Der Vorteil: Wenn du das Auswahlverfahren gut abschließt, reicht dir auch ein Abischnitt von 2,5, um zugelassen zu werden. Außerdem entstehen dir durch das Studium keine Extra-Kosten und du bekommst sogar schon ein festes Gehalt. Doch die Sache hat einen Haken: Für dieses Medizinstudium musst du dich für 17 Jahre bei der Bundeswehr verpflichten. Nach deinem Studium arbeitest du als Arzt also erstmal in Sanitätseinrichtungen, Bundeswehrkrankenhäusern, Facharztzentren oder Instituten der Bundeswehr in Deutschland. Aber auch Auslandseinsätze sind möglich. Nach den 17 Jahren kannst du dich dann anderweitig orientieren. Auf der Karriere-Seite der Bundeswehr erhältst du noch weitere Infos zum Medizinstudium.

An einer privaten Hochschule Medizin studieren

Um an einer privaten Hochschule Medizin zu studieren, brauchst du keinen 1,0-Schnitt wie an einer staatlichen Universität. Ganz so durchschnittlich sollten deine Noten allerdings auch nicht sein. Jede private Hochschule wählt ihre Studenten in einem eigenen Auswahlverfahren aus: Meist muss du dich mit einem Motivationsschreiben, deinen Zeugnissen und deinem Lebenslauf für einen Studienplatz bewerben. Wenn du mit deiner Bewerbung überzeugen konntest, wirst du zu einem Auswahltag mit anderen Kandidaten eingeladen, wo dich nochmal Auswahlgespräche erwarten. Daneben gibt es in Deutschland auch private Hochschulen, an denen du nach ausländischem Recht studieren kannst. Das bedeutet: Auch hier fällt der klassische NC, wie man ihn von staatlichen deutschen Unis kennt, weg. Deine Noten sollten aber trotzdem überdurchschnittlich gut sein.

Achtung: Ein Studium an einer privaten Universität ist mit sehr hohen Kosten verbunden. Je nach Uni musst du für das gesamte Studium 50.000 bis 100.000 Euro bezahlen.

Informiere dich am besten erstmal auf den Internetseiten der privaten Hochschulen, die ein Medizinstudium anbieten. So wie die private Universität Witten/Herdecke oder die Kassel School of Medicine.

Zum Medizinstudium ins Ausland gehen

Du kannst dir auch vorstellen, im Ausland Medizin zu studieren? Wie wäre es zum Beispiel mit Österreich oder Ungarn? Dein Abischnitt spielt dort keine oder kaum eine Rolle. Was noch gut ist: Wenn du dein Medizinstudium in einem anderen EU-Land absolvierst, wirst du später auch in Deutschland als Arzt anerkannt. Welche Hürden es gibt? In Österreich musst du zum Beispiel einen ziemlich anspruchsvollen Aufnahmetest bestehen, bevor du das Studium aufnehmen kannst. Und in Ungarn kommen mit 14.000 Euro pro Jahr vergleichsweise hohe Studienkosten auf dich zu. Dafür sind dort die Lebenshaltungskosten relativ gering. Und natürlich musst du im Ausland auch relevante Sprachkenntnisse, vor allem in Englisch, nachweisen können.

Wenn du außerhalb von Deutschland studieren möchtest, solltest du auf jeden Fall frühzeitig anfangen zu planen. Informiere dich rechtzeitig über Studiengänge, Zugangsvoraussetzungen, Fristen und Kosten. Auf den Seiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhältst du eine Checkliste mit wichtigen Punkten, die du bei der Planung eines Auslandsstudiums allgemein beachten solltest.

Und jetzt?

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