Wie wird man eigentlich Schauspieler?

Von Casting bis Loriot: Jan verrät, wie und warum er Schauspieler geworden ist

Wie wird man eigentlich Schauspieler?

Jan Walter, 31 (Foto: Urban Ruths), arbeitet als Schauspieler. Vor seinem Schauspielstudium an der Universität der Künste hat er ein Bachelorstudium abgeschlossen. Im blicksta-Interview verrät er, wie er sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet hat, wie man es schafft, in einem Fernsehfilm mitzuspielen und welche Vorurteile über Schauspieler auf keinen Fall stimmen.

Jan, warum hast du dich entschieden, Schauspieler zu werden?

Es hat sich seit der Schulzeit herauskristallisiert, dass mein Hobby, das Theaterspielen, das Potential hat, zum Beruf zu werden. Ich habe mich in vielerlei Hinsicht mit Theater und Film beschäftigt, auch in Praktika, Seminaren etc., bis ich fand, dass es sich lohnt, mich den Herausforderungen der Aufnahmeprüfung an Schauspielschulen zu stellen.

Du hast ja erst noch ein Studium absolviert. Wolltest du in dem Bereich nicht arbeiten?

Ich habe es versucht, aber tatsächlich gab es keinen Job für meine Interessengebiete als Medien- und Kulturwissenschaftler. Es war später einfacher, ein Engagement als Schauspieler zu bekommen. Da dies als schwierig gilt, sind Strukturen entstanden, die einen beim Einstieg ins Berufsleben unterstützen. Mit einem herkömmlichen, nicht-künstlerischen Hochschulabschluss steht man oft sehr allein da.

Welche Strukturen sind das?

Man hat Seminare zu Berufskunde an der Schauspielschule und erarbeitet Rollen zum Vorsprechen. Eine Auswahl davon wird bei einem Vorsprechen der Absolventen gezeigt (auch Intendantenvorsprechen genannt), zu dem viele wichtige Leute aus den Bereichen Theater und Casting eingeladen werden. Bei der Arbeitsagentur gibt es eine eigene Vermittlungsagentur, die ZAV, in die man daraufhin aufgenommen wird. Außerdem gibt es viele Internetportale, auf denen man sich mit seinem Profil präsentieren kann. Nicht zuletzt kann man mit Schauspieler-Agenturen zusammenarbeiten, die zu Aufträgen verhelfen können.

Wie bewirbt man sich denn eigentlich bei Schauspielschulen?

Man beachtet die Fristen zur Anmeldung und reicht alle geforderten Unterlagen ein, meist Zeugnisse, ärztliche Atteste, Lebenslauf, manchmal eine schriftliche Ausarbeitung einer Rolle und oft auch den Zahlungsnachweis der Prüfungsgebühr. Die wird einem unsinnigerweise erstattet, wenn man die Prüfung besteht, nicht aber den Hunderten abgelehnten Bewerbern.

Was muss man machen, wenn man eingeladen wird?

Meist muss man drei Rollen aus klassischen und modernen Werken und ein Lied vorbereiten, von denen man zwei bei der ersten Runde vortragen darf. In der Regel geht es dann noch um das Bestehen von zwei weiteren Runden. Die letzte kann auch Workshop-ähnlich gestaltet sein.

Wie hast du dich auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet?

Während meiner ersten Vorsprechen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich auf die Aufnahmeprüfungen am besten mit einem Coach vorbereitet. Das bieten meist Schauspieler als Nebentätigkeit an. Sie helfen einem und locken die geforderten schauspielerischen Fähigkeiten aus einem heraus 

Was lernt man an der Schauspielschule?

Man hat Unterricht in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel Körper, Stimme, Darstellung und Theorie. Man lernt, seinen Körper zu verstehen und einzusetzen, seine Stimme voll auszunutzen und zu bilden, mit Texten zu arbeiten und verschiedene Ansätze, etwas auf die Bühne zu bringen. Unabhängig vom Lehrplan lernt man auch mit den verschiedensten Charakteren an Mitstudierenden/Schauspielern und Dozenten/Regisseuren umzugehen, mit denen man in dieser Zeit ein sehr enges Arbeitsverhältnis hat. Das beste an der Ausbildung sind die Möglichkeiten, die sich dadurch eröffnen. Die Ausbildung ist das Tor zur Welt des Schauspielerberufs.

Glaubst du, man kann es auch ohne Ausbildung schaffen? Es waren ja nicht alle Schauspieler auf einer Schauspielschule.

Wenn man es ohne Ausbildung schafft, merkt man es am Erfolg! Ich glaube aber nicht, dass man es sich ohne praktische Erfahrung zum Berufsziel machen sollte, Schauspieler zu werden und damit Geld zu verdienen. Zu Castings zu gehen, am besten schon im Teenager-Alter, schadet aber bestimmt nicht.

Was war dein Highlight während deiner Ausbildung?

Mein Highlight war eine dreistündige Unterrichtseinheit bei Loriot. Die hat mich sehr geprägt.

Wie ging es nach der Ausbildung für dich weiter?

Ich habe ein Engagement am Landestheater Niederösterreich bekommen und bin vier Jahre dort geblieben.

Du warst auch schon im Fernsehen zu sehen. Wie schafft man es, eine Rolle bei einer Fernsehproduktion zu bekommen?

Am besten hat man eine Agentur, die die Schnittstelle zur Fernsehproduktion bildet und Anfragen weiterleitet. Oft muss man aber erst noch ein Casting absolvieren, für das man als Schauspieler dann wieder ganz allein verantwortlich ist.

Was machst du lieber – Theater oder Fernsehen?

Ich habe mehr Erfahrung im Theater, aber Fernsehen hat für mich im Gegensatz dazu den Reiz, dass man das Ergebnis danach selbst sehen kann und es auch von noch mehr Leuten gesehen wird. Das Theater hat immer seinen Ort, für den Filmdreh kommt man an die unterschiedlichsten Schauplätze und schlägt dort seine Zelte auf. Die Spielenergie muss auf den Punkt da sein. Man kann nicht so lange proben wie im Theater.

Wenn du dir eine Rolle wünschen könntest – wen würdest du gerne mal spielen?

Diese Rolle wird erst noch geschrieben - da bin ich mir sicher.

Was empfiehlst du denjenigen, die auch Schauspieler werden wollen?

Ich empfehle jedem, der Schauspieler werden möchte, einen langen Atem zu haben, sich nicht von Rückschlägen und Kritik umwerfen zu lassen und sich einen vorausschauenden und sparsamen Umgang mit Geld anzugewöhnen 

Welche Vorurteil über Schauspieler trifft auf jeden Fall zu?

Schauspieler sind laut und exzentrisch.

Und welches nicht?

Schauspieler müssen laut und exzentrisch sein.

Und jetzt?

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