"Zu Hause konnte niemand etwas mit einem Studium anfangen"

Eine Mentorin über das ArbeiterKind-Projekt

"Zu Hause konnte niemand etwas mit einem Studium anfangen"

Rebecca ist Mentorin der Bielefelder Ortsgruppe des ArbeiterKind-Projekts. Dort setzt sie sich für Schülerinnen und Schüler sowie für Studierende ein, die als Erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben. Wir haben mit ihr über die Angebote von ArbeiterKind.de und ihre persönliche Motivation gesprochen, sich für das Thema zu engagieren.

Rebecca, was ist „ArbeiterKind.de“?

„ArbeiterKind.de“ ist eine gemeinnützige Initiative, die 2008 von Katja Urbatsch zusammen mit ihrem Bruder Marc Urbatsch und ihrem Partner Wolf Dermann ins Leben gerufen wurde. Es gibt vor allem ehrenamtliche Mentoren und Mentorinnen, über 5000 bundesweit, aber auch hauptamtliche Koordinatoren, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Berlin, wo sich die Zentrale von ArbeiterKind.de befindet. Die Hauptmotivation hinter ArbeiterKind.de ist es, junge Menschen aus Nicht-Akademikerfamilien für ein Studium zu motivieren und dabei zu unterstützen.

An wen richtet sich ArbeiterKind.de?

Die Initiative ist entstanden, um Schülerinnen und Schüler sowie Studierende aus nicht-akademischen Familien zu unterstützen. Das bedeutet aber nicht, dass wir Leute wegschicken, deren Eltern studiert haben. Ich sage immer: Wir unterstützen alle, die unsere Hilfe wollen und brauchen.

Was bietet ArbeiterKind.de an?

Da die jeweiligen Ortsgruppen von ArbeiterKind.de sehr eigenständig organisiert sind, kann sich das Angebot von Ortsgruppe zu Ortsgruppe unterscheiden. Wir machen Schulveranstaltungen, auch für jüngere Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel an Realschulen. Sehr häufig sind wir natürlich bei Oberstufenschülerinnen und -schülern unterwegs. Bei den Schulveranstaltungen werden in der Regel drei Themen besprochen: Warum soll ich studieren, was kann ich studieren und wie kann ich das finanzieren? Außerdem sind wir auf Berufsmessen und Infoveranstaltungen anzutreffen. Beispielsweise wurden wir im Rahmen der Kampagne „Uni ohne Vorurteile“ an der Universität Bielefeld zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Vorurteile eingeladen.

Wie kann man bei ArbeiterKind.de mitmachen?

Wenn man sich als Mentor oder Mentorin bei ArbeiterKind.de engagieren möchte, kann man am besten zuerst bei einem der Stammtische vorbeischauen, die in Bielefeld zum Beispiel zwei Mal im Monat stattfinden. Auch das unterscheidet sich aber bei den Ortsgruppen. In Bremen werden beispielsweise auch Sprechstunden für diejenigen angeboten, die Unterstützung suchen. Zusätzlich gibt es Arbeitstreffen, bei denen Aktionen und Termine besprochen werden. Grundsätzlich macht es auch Sinn, sich in unserem sozialen Netzwerk zu registrieren, über das zum Beispiel Info-Mails verschickt werden und man diverse Wikis und Dokumente zu Themen wie Stipendien usw. finden kann. Außerdem haben die Ortsgruppen alle eigene E-Mail-Adressen und zumeist auch Facebook-Seiten, an die man Nachfragen richten kann.

Trefft ihr euch regelmäßig?

Unsere Ortsgruppe in Bielefeld trifft sich am ersten Mittwoch und am dritten Montag im Monat. Bei diesen Treffen können wir uns miteinander austauschen. Wir besprechen, was anliegt und welche Projekte und Anfragen wir konkret verfolgen wollen. Neben der Beratung ist es natürlich auch einfach schön, unter Gleichgesinnten zu sein, die einem auch einmal helfen können. Wir haben beispielsweise mehrere Leute, die ein Stipendium bekommen haben. Wenn ich jetzt vorhätte, mich um ein Promotionsstipendium zu bewerben, hätte ich da gleich mehrere Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen. Die Stammtische sind natürlich auch dazu da, dass Leute vorbeikommen und uns Fragen stellen können.

Warum engagierst du dich dort?

Ich hätte mir schon zu Beginn meines Studiums oder sogar während der Schulzeit gewünscht, das Projekt zu kennen. Zu Hause konnte eigentlich niemand etwas mit einem Studium anfangen – ein ganz ‚klassisches‘ Problem von Arbeiterkindern. Ich versuche deshalb jetzt, andere Leute zu unterstützen – bei Schwierigkeiten, die ich eben auch selbst gut kenne. Für mich ist das Wichtigste, dass man ausreichend informiert über seine Möglichkeiten ist und das Gefühl hat, sich bei Fragen und Sorgen an jemanden wenden zu können.

Wenn du mehr über die Hintergründe von Nicht-Akademikerkindern wissen möchtest, kannst du dich hier informieren. Den zweiten Teil des Interviews findest du hier.

Und jetzt?

Web-Adresse: https://blicksta.de/zu-hause-konnte-niemand-etwas-mit-einem-studium-anfangen.html
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